IBA-Projekt 045 | Wissenschaftspark Gelsenkirchen | |
| Objekt: Wissenschaftspark Gelsenkirchen Adresse: Gelsenkirchen Ückendorf Rheinelbstraße;Munscheidstraße Bauherr: Stadt Gelsenkirchen, Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) Architekt: Kiessler + Partner München Planung / Bauzeit: 1988-1995 | ![]() | |
![]() Lageplan von Gelsenkirchen Ückendorf
Pavillionanbau am Wissenschaftspark
Innenansicht
Innenansicht | Das Projekt Der Stadtteil Gelsenkirchen Ückendorf ist jahrzehntelang durch die Arbeit mit Kohle und Stahl geprägt worden. Nun ist auf der knapp 30 Hektar großen Fläche des ehemaligen Thyssen Gußstahlwerks und der stillgelegten Zeche Rheinelbe im März 1995 mit der Eröffnung des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen der Startschuß für einen strukturellen Neuanfang gefallen. Wo früher Kohle gefördert und Stahl produziert wurde, werden nun sanfte Technologien erforscht und entwikkelt. Inmitten einer Parklandschaft ist der Wissenschartspark als Nahtstelle zwischen Forschung, Fortbildung und Produktion entstanden. Bislang war praxisnahe Forschung und Entwicklung vorrangig den Universitätsstädten des Reviers wie Dortmund, Essen, Bochum und Duisburg vorbehalten. Das architektonisch und technologisch herausragende Bürogebäude bietet Forschern, Entwicklern und Dienstleistern in zukunftsweisenden Wach-stumsbranchen ideale, innovationsfördernde Arbeits-bedingungen. Das Projekt Wissenschaftspark steht für Komplexität: Das Gebäude ist eingebettet in einen Park mit Wiesen, Bäumen und Teich und wird durch eine Kindertagesstätte ~ ergänzt. Wohnhäuser sollen die Anbindung an das vorhandene Wohnumfeld leisten. So wird die ehemalige Industriebrache mitten in der Stadt Schritt für Schritt zu einem belebten neuen Stadtteil. Preisgekrönte Architektur Die Architektur des Wissen-schaftsparks der nach den Plänen der Architekten Kiessler + Partner, München, errichtet wurde, ist im ln- und Ausland mit hochrangigen Preisen ausgezeichnet worden. Neben dem Architekturpreis der Westhyp-Stiftung (1994) wurde das Gebäude 1995 auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes (MIPIM) als eines der besten Business-Center in Europa mit einem zweiten Platz anerkannt und erhielt im Sommer 1995 den begehrten Deutschen Architekturpreis. Prämiert wurde unter anderem das kühne Konzept des Architekten, die Gebäude an den Rand des Grundstücks zu rücken und damit in der dichtbesiedelten Innenstadt Platz für eine englische Parklandschaft mit See zu schaffen. Faszinierend für den Betrachter ist die 300 m lange Glasarkade, die - als Boulevard am See - neun dreistöckige lnstitutspavillons verbindet. Hier sollen Bistro, Café, Shops und Banking Center entstehen. Solarkraftwerk auf dem Dach Auf dem Dach des Wissen-schaftsparks wird ein photo-voltaisches Solarkraftwerk mit 210 Kilowattpeak errichtet das Sonnenlicht mit modernster Technik in Strom umwandelt und zur Versorgung der zentralen Gebäudeeinheiten genutzt werden soll. Das Solarkraftwerk wird mit Unterstützung der Europäischen Union aus dem Förderprogramm THERMIE gebaut und soll als größte, auf einem Dach befindliche Anlage der Welt unter anderem demonstrieren! wie Solarfarmen auch ohne große Flächenvernichtung in Ballungsräumen aufgebaut werden können. Wissenschaft im Park Zwei der neun Institutspavillons werden vom Institut Arbeit und Technik genutzt, das Teil des Wissenschaftszentrum NRW ist. Hier werden aus ökologischen und sozialen Problemen Impulse für neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Die weiteren sieben Pavillons bilden mit ca. 10.000 qm vermeidbarer Fläche das Technologiezentrum im Wissenschaftspark. das öffentliche und halböffentliche wissenschaftliche Institutionen aus den Bereichen Solarenergie, Verwaltungswissenschaften und Zukunftsforschung sowie private Forschungs- und Entwicklungseinheiten aus Informations und Kommunikationstechnologie, Ingenieurwesen und Medizintechnik beherbergt. Darüber hinaus sind kleine und mittlere Unternehmen aus den Gebieten Ver- und Entsorgung, regenerative Energien, Solartechnik Car-Sharing, Marketing und Design Wissenschartspark angesiedelt. Die GfKG Gesellschaft für Kabelkommunikation und Gebäudetechnik mbH stellt eine für deutsche Technologiezentren einzigartige Netzinfrastruktur für Datenverarbeitung und Telekommunikation zur Verfügung wie sich sonst nur in Großunternehmen möglich ist Beispielsweise stehen Datensicherung Sys-tempflege, bewegte Bildübertragung und Internet - Anschluß auf Abruf bereit. Das Gußstahl - Gelände Das ehemalige Verwaltungs-gebäude des Gußstahlwerks ist seit September 1993 neuer Sitz des Gelsenkirchener Arbeits-gerichts. Das Gebäude ist denkmalgeschützt . Auf dem Gelände sollen ferner neue Wohnhäuser als Beispiele für energiesparendes und solares Bauen entstehen. Sie werden vor allem den Menschen ein Zuhause bieten, die im Wissenschaftspark arbeiten. In ihrer Bauweise sollen sie sich an die Altbauvillen in der Nachbarschaft anlehnen und sich in das Gesamtbild des Wissen-schaftsparks einfügen. An der Munscheidstraße in unmittelbarer Nähe zum Wissen-schaftspark ist eine Städtische Kindertagesstätte errichtet worden. Der Entwurf für den zweigeschossigen Bau stammt ebenfalls vorn Büro Kiessler + Partner und lehnt sich in seiner Architektur an las Erschein-ungsbild des Wissen-schaftsparks an. Das Rheinelbe-Gelände Auf dem südlichen Teil des Rheinelbe-Geländes hat die Planungsgesellschaft der Internationalen Bauausstellung Emscher Park seit Ende 1990 ihren Sitz.. Das ehemalige Trafohaus - heute Sitz der Verwaltung - und die ehemalige Telefonzentrale - heute Gästehaus der IBA - wurden von der LEG für die Planungsgesellschaft umgebaut. Die Maschinenhalle wird seit Herbst 1994 zur Fortbildungsakademie des Ministeriums für Bauen und Wohnen umgewidmet. (Planung und Durchführung: Staatliches Bauamt Recklinghausen). Das Bauvorhaben berücksichtigt in beispielhaftem Maße die Belange von Behinderten sowie des energiesparenden Bauens in denkmalwertem Bestand. Das ehemalige Casinogebäude wird zu indem Gründerzentrum umgebaut. Einer der Nutzer soll das Frauen-existenzgründungszentrum FRAZ sein, das acht bis zehn neu zu gründenden Frauenbetrieben Raum bieten wird. Landschaft Der Wissenschaftspark ist Herzstück eines Landschaftsparks, der eine durchgehende Grünverbindung vom Stadt-zentrum bis zur Freifläche südlich des Rheinelbe-Geländes her-stellt. Der Entwurf stammt vom Landschaftsplanungsbüro Drecker, Kirchhellen, und folgt den städtebaulichen Vorgaben des Architekten Kiessler. Geprägt wird der Park durch eine großzügige Wasserfläche. Sie dient als Regenrückhaltebecken, das direkt entlang des Neubaus verläuft und sich mit eine flachen Ufer in die weiträumigen Wiesenflächen des Parks hineinzieht. Auf der südlichen Fläche der ehemaligen Zeche Rheinelbe wird sich ein Park mit Spon-tanvegetation anschließen. Wege schließen diese Fläche an das Gebiet Mechtenberg im Süden und Zeche Holland im Osten an. Zur Geschichte Fast 150 Jahre liegen zwischen dem Abstecken des sumpfigen Grubenfeldes der späteren Zeche Rheinelbe und der Umnutzung der erhaltenen Gebäude im Rahmen des geplanten Wissenschaftsparks Rheinelbe. Mit dem Abteufen des Schachtes 1 wurde 1855 begonnen, doch erst 1861 konnte die Kohlenförderung aufgenommen werden. 1926 gingen die Schachtanlage Rheinelbe und Alma in die Vereinigte Stahlwerke AG über, 1928 stellte Rheinelbe die eigenständige Förderung ein, die Abbaufelder wurden zwischen Alma und Holland aufgeteilt. Heute sind auf dem Gelände noch die ehemalige Maschinenhalle, die Telefonzentrale, das Trafohaus, das Casino, das Werk-stattgebäude und die Gasstation erhalten. Das alte Thyssen-Werk wurde mit Ausnahme des denkmalgeschützten Verwal-tungsgebäudes 1985 abgerissen. | |
| Literatur: [1] Informationsmaterial der IBA Ausstellung des Wissenschaftspark in Gelsenkirchen. | ||
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