IBA-Projekt 059

Gartenstadtsiedlungen Welheim, Brauck, Karnap

Objekt:
Gartenstadtsiedlungen im Städtedreieck
Welheim,Karnap,Brauck

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Projektträger Welheim:
Stadt Bottrop,VEBA-Wohnen,
Wohneinheiten:1135

Projektträger Brauck:
Stadt Gladbeck,VEBA-Wohnen,
Wohneinheiten:600

Projektträger Karnap:
Stadt Essen,VEBA-Wohnen,
Wohneinheiten:455

 

 

 

Die historischen Arbeitersiedlungen nach dem Vorbild der englischen "Gartenstadtarchitektur" sind in der Emscher-Region frühes Zeugnis städtebaulicher und architektonischer Qualität.
Im Städtedreieck Bottrop, Gladbeck, Essen finden sich gleich drei dieser klassisch-schönen Siedlungen in unmittelbarer Nachbarschaft: Welheim, Karnap und Brauck.

Drei Generationen von Siedlungen, die zwar alle Anfang des Jahrhunderts entstanden und der gartenstädtischen Idee verpflichtet sind, aber in Größe und Modernisierungsstand variieren. Die Siedlung Karnap ist bereits weitgehend modernisiert.

Welheim, die größte und eindruckvollste der drei Arbeitersiedlungen wird derzeit schrittweise erneuert, bei der Siedlung Brauck wurde 1994 mit der Instandsetzung begonnen.


Städtebaulicher Glanzpunkt im Essener-Norden

Siedlungserneuerung in Karnap

Die Mathias-Stinnes-Siedlung im Stadteil Karnap ist eine der letzten großen zusammenhängenden Arbeitersiedlungen in Essen. Sie wurde zwischen 1890 und 1920 von der Firma Stinnes für die Versorgung von Bergleuten errichtet und weist 20 verschiedene karreeartig angeordnete Haustypen sowie großzügige Freiflächen auf.

Als Wohnstandort für die derzeit 1250 Personen stellt sie bis heute einen unverzichtbaren Bestandteil der Wohnraumversorgung im Essener Norden dar. Im Altbaubestand stehen hier 455 Wohnungen, die sich auf 192 Gebäude verteilen, zur Verfügung. Insgesamt wurden auf dem Areal der Zechensiedlung über zwanzig verschiedene Gebäudetypen realisiert, auf denen sich eine Raumordnung der Bewohner ablesen läßt. So gibt es im Bereich der Siedlung Gebäude bzw. Gebäuderuppen für die einfachen Bergleute, für Steiger, für Beamte der Zeche bis hin zu Villen für die Direktoren.
Die Siedlung Karnap ist zusammen mit den zwei Bergarbeitersiedlungen (Welheim,Brauck) als Projekt in die IBA aufgenommen worden. Ziel des Projektes ist es, unter dem Aspekt einer ökologischen Bestandserneuerung den Wohnstandort Ruhrgebiet im Bereich der Emscher-Zone aufzuwerten.

Zahlreiche Häuser konnten in den vergangenen Jahren in enger Abstimmung mit den Belangen des Denkmalschutzes und teilweise mittels neuer Kooperationsformen zwischen allen Beteiligten modernisiert werden. Maßstab der Sanierungsarbeiten an den Gebäuden war stets das Ziel der Sicherung und Weiterentwicklung siedlungscharakteristischer Qualitäten und Merkmale. So wurden prägende Gestaltungselemente der Gründerzeitfassaden sowie siedlungstypische Details wie Fenster oder Eingangsbereiche aufgearbeitet bzw. in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt.

Konzepte

Die Vitalisierung des Stadtteils wird nur dann gelingen,wenn der Erneuerungsprozeß folgende Konzepte einschließt:


Modernisierung

Bestandmaßnahmen am Gebäude
- Baukörpergestaltung in Abstimmung mit der zuständigen Denkmal behörde
- Wiederherstellung und Aufarbeitung prägender Gestaltungselemente der Gründerzeitfassaden
- Erhalt und Wiederherstellung siedlungstypischer Details (Fenster,Türen...)
Bestandmaßnahmen im Gebäude
- Herstellung eines zeitgemäßen Ausstattungsstandards im Sanitär-und Heizungsbereich
- Anpassung von Grundrißgefüge, Raumgrößen und Raumzuschnitte an heutige Anforderungen


Neubau

Ergänzender Neubau
- Nutzung von Brachflächen zur Erweiterung des Wohnungsangebotes
- Ersatz einzelner Häuser durch Neubauten,die dem Siedlungsbild entsprechen.
Maßnahmen im weiteren Wohnumfeld
- Verkehrsberuhigung
- Begrünung des Straßenrandes
- Verbesserung der Infrastruktur
- Neuordnung des ruhenden Verkehrs
- Begrünung des Siedlungbereiches


Energieversorgung
Die Wohnungen der Mathias-Stinnes-Siedlung waren von ihrer grundlegenden Modernisierung fast ausnahmslos mit Kohleeinzelöfen ausgestattet. Kurze Leitungswege gewährleisten heute das zentral gelegene, eigens zu diesem Zweck konzipierte Heizwerk. Von diesen architekonisch interessanten Gebäude verzweigt sich ein umfangreiches Rohrnetz über die gesamte Siedlung bis in jede Wohnung.


Denkmalschutz
Die Gebäude der Mathias-Stinnes-Siedlung liegen in einen Bereich für den eine Denkmalbereichssatzung erlassen werden soll. Die Denkmalbereichssatzung ist ein Instrumentarium zum Schutz und zur Pflege wichtiger Details, die dem Erhalt des Siedlungscharakters dienen, ohne dabei jedes Haus unter Denkmalschutz zu stellen.


Beteiligte
Die Mieter sind und waren beteiligt von Beginn der vorbereitenden Untersuchungen bis zur Fertigstellung der Siedlung. Während der Bauphase hatten sie die Möglichkeiten, Eigenleistungen in die Maßnahme einzubringen. Parallel zu den Bearbeitungsfortschritten werden sie regelmäßig schriftlich, mündlich über Maßnahmen, Abläufe und Konsequenzen informiert.
Formen sind:
- Informationsveranstaltungen
- stetige schriftliche Mieterinfos
- persönl.Beratung durch den Quartierarchitekten
- siedlungseigene Zeitung

 

 

Literaturquelle:
IBA-Projektführer1993
Denkmalbehörde der Stadt Essen

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