IBA-Projekt 079 | Ökologische Siedlung "Im Ziegelgrund" / Recklinghausen | |
| Objekt: Ökologische Siedlung "Im Ziegelgrund" Adresse: Dortmunder Straße Recklinghausen Bauherr: Wohnungsbaugesellschaft Recklinghausen Architekt: Kostulski & Kaut, Aachen Planung / Bauzeit: Baubeginn 1993, noch im Bau |
| |
| Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei an der Dortmunder Straße in
Recklinghausen entsteht zur Zeit eine ökologische Wohnsiedlung mit 170
Wohnungen, davon etwa 110 Wohnungen im öffentlich geförderten
Mietwohnungsbau und die restlichen 60 als Eigentumsmaßnahmen im
Baubetreuungsmodell. Die Prinzipien des ökologischen und solaren Bauens
sollen bei diesem Vorhaben konsequent umgesetzt und beispielhaft vorgeführt
werden. Weniger die plakativen Ökodetails wie Wintergarten oder Kollektor,
sonder die nicht sichtbaren, aber ökologisch weit wirksameren Maßnahmen wie
etwa ein Regenwassernutzungssystem waren der Ansatz bei der
Bebauungsplanung. Das architektonische Konzept für die Ziegelgrund-Siedlung
beruht auf einer Arbeit des Architekturbüros Kostulski und Kaut aus Aachen
zum Thema Ökologisches Bauen. Im Konflikt zwischen Ökologie und Städtebau entschieden sich die Architekten für den Städtebau. Generierendes Element der Anlage ist der Wohnhof. Diese Höfe sind entweder entlang einer Straße, dabei zum Teil in Erweiterung des Straßenraumes angeordnet oder solitär. Bei optimaler Orientierung zur Sonne bilden die Gebäude eine Vielzahl von Straßenraumsituationen mit öffentlichen, halböffentlichen und privaten Plätzen. Auch wurden bei dem Planungskonzept die Erhaltung der vorhandenen Vegetation und die Schaffung neuer Freiflächen berücksichtigt. Angestrebt ist, die gesamte Siedlung - Mietwohnungen wie auch Eigenheime - im Niedrig-Haus-Standard zu errichten. Das bedeutet: - ein hoher baulicher Wärmeschutz - die Optimierung passiver Sonnenenergienutzung durch geschickte Grundriß- und Gebäudekonzeptionen und - die intelligente Anwendung mittlerweile etablierter Systeme der Wärmerückgewinnung, der Lüftungstechnik und des Fensterbaus. Der Energiebedarf der Siedlung für Elektrizität, Heizung und Warmwasserbereitung soll durch eine siedlungseigene dezentrale Anlage gedeckt werden. Die hohen energetischen Standards der Siedlung finden ihre Entsprechung in der konsequenten okölogischen Bauweise: - ein auf minimale Querschnitte reduziertes Erschließungssystem - ein integriertes Regenwasserkonzept mit gezielter Versickerung, Regenwassersammlung und Regenwassernutzung, - ein siedlungsbezogenes Abfallkonzept und - die sorgfältige Überprüfung des Einsatzes von Baumaterialien und Konstruktionen im Hinblick auf Umweltverträglichkeit und resourcenschonende Produktion und Entsorgung. Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner sollen frühzeitig am Planungsprozeß beteiligt werden. Im Bereich des Mietwohnungsbaus beabsichtigt die Wohnungsbaugesellschaft Recklinghausen, wohnberechtigte Familien aus dem eigenen Wohnungsbestand anzusprechen und in das weitere Verfahren einzubeziehen. In der Siedlung werden Wohnergänzungs-einrichtungen für nachbarschaftliche Gruppen angeboten. Eine Kindertagesstätte ist vorgesehen. Um die hohen städtebaulichen und bauökologischen Qualitätsansprüche nicht nur im öffentlich geförderten Mietwohnungsbau sondern auch bei dem Bau der Eigenheime umzusetzen, wird die Wohnungsgesellschaft Recklinghausen dieses Vorhaben durch eine Baubetreuung begleiten. Die Einzelbauherren werden als Gruppe betreut und haben sich auf die beschriebenen Qualitätsziele zu verpflichten. Darüber hinaus wird die Wohnungsgesellschaft unter der Zielsetzung Eigentumsbildung für untere und mittlere Einkommensschichten Sonderkonditonen bei der Vergabe der Grundstücke einräumen. Baubeginn war im Sommer 1993. Etwa ein Drittel der Siedlung war im Sommer 1996 bereits fertiggestellt. Leider sind bereits recht schwere Bauschäden aufgetreten, wie etwa Risse im Putz der Außenfassade. Wahrscheinlich sind diese Schäden auf Einsparungen zurückzuführen, welche die niedrigen Baukosten des Projektes erst ermöglicht haben. | |
| Literatur:- -IBA-Projektbuch -Gesundes Bauen und Wohnen / Nr. 27 / 1987 -Arch+ / Nr. 92 / 198 | ||
DIGITALER HYPERMEDIALER ONLINE-ARCHITEKTURFÜHRER IBA-EMSCHERPARK
© Konzept 1994-1996 FH Bochum FB Architektur © Vorlagen IBA-Emscherpark © Layout: stud.arch. Jost Dewald