IBA-Projekt 101 | Galerie Architektur und Arbeit GAAG | |||
| Objekt: Galerie Architektur und Arbeit, Gelsenkirchen Adresse: Boniverstraße 30 45891 Gelsenkirchen Bauherr: Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH in Zusammenarbeit mit: Bund Deutscher Architekten BDA, Bonn IBA Emscher Park GmbH, Gelsenkirchen Stadt Gelsenkirchen Architekten: Prof. Herbert Pfeiffer, Christoph Ellermann und Partner, Architekten BDA, Lüdinghausen Wettbewerb: 1992/93 Fertigstellung: 1995 |
Zu dem ursprünglichen Gebäudekomplex gehört die ehemalige Maschinenhalle der Zeche
Oberschuir in Gelsenkirchen (1908 erbaut) sowie der alte Förderturm, der 1909 fertiggestellt
wurde. | |||
Ansicht von Norden
Im Sinne der neuen Nutzung als Versammlungs-, Zeichen- und Ausstellungsfläche, welche gerade in Verbindung mit den Zielen der Galerie als Dokumentationszentrum für Baukunst der Geschichte und Gegenwart, der Entwicklung von Architektur und Städtebau im Verhältnis zur Arbeitswelt und der Formulierung von Fragestellungen über Integration von Technik, Architektur, Ökologie und Kunst im sozio-kulturellen Kontext einerseits und als Begegnungs-, Bildungs- und Fortbildungsforum für Fachleute, Politiker und Bürger andererseits zu sehen ist, wird der inhaltlich bedeutungsvolle Bezug des Konzeptes in den Vordergrund gerückt und erklärt. | Die damit verbundene theoretisch-allgemeine Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten wird
durch eine neue Nutzung der Maschinenhalle als Versammlungs-, Ausstellungs- und Zeichenraum
gelöst, zumal sich die Räumlichkeit bezüglich dieser Nutzung äußerst flexibel gestalten läßt. So wird eine noch vorhandene Aussparung für die zweite Lüftungsmaschine mit Glas abgedeckt und zur Ausstellung von Großmodellen verwendet. Der moderne Neubau von 1994 tritt als drittes Bauwerk in eine enge räumliche Beziehung zu den beiden bestehenden Bauwerken des Jugendstils. Er dient als Portal, durch welches der Besucher die Maschinenhalle betritt. Räumlich-architektonische und inhaltlich-funktionelle Verbundenheit zwischen Geschichte und Neuheit werden hier in einen engen Sinnzusammenhang gebracht, um eine ganz eigene Identität für den industriellen Altbau zu entwickeln.
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![]() Lageplan Der Kubus am Fuße des Förderturms soll dagegen nur im Sommer genutzt werden, da eine Wärmedämmung den Bestand total verändert hätte. Um dem Problem der Akustik entgegenwirken
zu können, wurden in der Maschinenhalle neben
Heraklitplatten in der Decke schwere Vorhänge
installiert, die gleichzeitig die Funktion von
Blendschutz und Verdunkelungsmöglichkeit bei
Diavorträgen inne haben. Der 1993 aus den beteiligten Institutionen gegründete Förderverein wurde mit der Leitung der Galerie beauftragt. Die Galerie selbst versteht sich als ein Forum,
das die gebaute und gelebte Arbeitswelt und
ihren Wandel in ihrem historischen, aktuellen
und zukunftsweisenden Bezügen vorstellen,
begleiten und diskutieren will. | Der Entwurf des Neubaus ist der Kubus. Eine transparente Glashaut umhüllt die aus Leichtbeton
gegossene und mit den nur notwendigsten Fenstern und Türöffnungen versehene Betonplastik. Formal-gestalterisch wird eine homogene Glasfassade erzeugt, die bauphysikalisch als eine Maßnahme der Energieeinsparung den ökologischen Gedanken beinhaltet. Zwischen der Leichtbetonaußenwand des Neubaus und der Glasfassade befindet sich eine 60 cm breite Zwischenklimazone, aus der während der kalten Jahreszeit die Frischluftversorgung der Räume über Lüftungsgitter in den Betonfensterzargen erfolgt. Die äußere Gebäudehülle bleibt während der Wintermonate weitgehend geschlossen. die Abluft wird mechanisch über die WC-Entlüftung beseitigt. Während der Sommermonate läßt sich die äußere Glashülle unten und im Dachbereich ringsum öffnen, so daß durch den Auftrieb kein Warmluftstau in der Zwischenklimazone entsteht. Während dieser Zeit werden die Lüftungsschlitze in den Betonzargen der Kastenfenster geschlossen; die Frischluftzufuhr in die Räume erfolgt durch das Öffnen der äußeren und der inneren Kastenfenster. Unterstützt wird der Mechanismus durch ein darauf abgestimmtes Wandflächentemperiersystem, welches auf einer gleichbleibenden Außenhauttemperatur basiert, bei Sonneneinstrahlung auf die Wandflächen automatisch reagiert und zur Temperierung der Maschinenhalle herangezogen wird. Bei Bedarf wird dann mit einer zusätzlichen Warmluftheizung, die in den beiden Lüftungsschächten untergebracht ist, die Raumtemperatur der jeweiligen Nutzung angepaßt. Mit der Auswahl der verwendeten Baustoffe wurde recht spartanisch umgegangen: Sichtbeton innen und außen - nur ganz wenige Betonteile sind im Innenraum durch Farbe hervorgehoben. In der Maschinenhalle erfolgte die Farbwahl aufgrund historischer Farbbefunde, bis auf den blau gestrichenen Lüftungsschacht, der so gleichzeitig die veränderte Nutzung kennzeichnet.Verwendet wurden Holzfenster aus natürlich belassenem Tannenholz mit Isolierverglasung innen und Stahlfenster mit Einfachverglasung außen. Literatur:
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