PIN 712

     Stadtbibliothek in Herten

Objekt:  
Stadtbibliothek in Herten 
 
Adresse:  
Hermannstraße 16 
44699 Herten 

Bauherr: 
Stadt Herten 

Architekt: 
Gruppe LOG ID, 
Tübingen: Dieter Schemp, 
                  Winfried Klimesch, 
                  Fred Möllring 
 
Baujahr: 
1995 

Quelle: 
DBZ, August 1995, "Häuser" 3/98 
 
 
 

          
      
      Stadt-Orientierung 
     
     
     
     
     
     

     
     Zufahrts-Skizze  
     
     
     
     
     

     
    Busanfahrt 

    Mit dem Bibliotheks- und Kulturge-bäude für die Stadt Herten wurde ein neues Arbeitsgebiet eröffnet. Die Gruppe LOG ID hatte den Wettbewerb für dieses öffentliche Gebäude gewonnen, und konnte dort ein ungewöhnliches 
    energiekonzept realisieren.Der Konzertraum in der romantisch bepflanzten Glasrotunde mit hervorragender Akustik regte den Komponisten Simon Stockhausen sogar zur Komposition „Musik für ein Glashaus“ an. 
    Ein wesentlicher Bestandteil der Plannungen war die Integration des Gebäudes in die gewaschsene Stadtstruktur. Lage und Form des Gebäudes und der entstandenen offenen Flächen sollte Passanten zur Nutzung der Bibliothek, der Glasrotunde und des Kulturtreffs ermuntern, gleichzeitig aber auch einen Beitrag zur stadtplanerischen Struktur der ganzen Stadt leisten. 
    Der Massivbauteil  besteht aus Stahlbeton. An den Gebäuderändern liegt die flache Decke, zum Teil auf tragenden Wandscheiben. Die begehbaren Flächen befinden sich auf einer Zwischendecke, die mit Mauerwerkssockeln aufgeständert ist. In der Glasrotunde verläuft im erstem Obergeschoß eine halbmondförmige Galerie in Stahlbauweise. Die Konstruktion des  Glasunterdaches mit zwei geneigten Viertelkreissegmenten stützt sich auf diagonal angeordnete, sich überkreuzende Hauptträger, die als aufgelöste Rahmen mit Stützen und Streben auf vier Stahlbetonstützen im Innern der Rotunde liegen. Die tragende Unterkostruktion der 13m hohen Glasfassade erfordete sorgfältig aufeinander abgestimmte Bauelemente, um die Verformungen der spröden Glashaut auf das zulässige Maß zu beschränken. Über dem gesamten Gebäude liegt ein sägezahn-förmiges Glas-Sheddach, das passiver und aktiver Solarnutzng dient. 
    Zur optimalen Nutzung der in die Rotunde und in den Dach-Luftkollektor einstrahlenden Sonnenenergie wurde eine auf die verschiedenen Nutzungsbereiche sowie auf die tages- und die jahreszeitlichen Außenbedingungen abgestimmte raumlufttechnische Anlage installiert. Die Bepflanzung der Rotunde sorgt dabei für eine Sauer-stofanreicherung und Qualitätsverbesserung des Zuluftsstroms, so daß die Lüftungsanlage mit einem minimalem Außenluftanteil betrieben werden kann. 
    Unter der Rotunde ist die Kellerdecke abgesengt, um eine intensive Bepflanzung im Innern des Glasbauwerks zu ermöglichen.Bodengleiche mit einer vollautomatischenTropfbewesserungs-anlage ausgestattete Pflanzenbete wurden angelegt in denen immergrüne subtropische und tropische Gehölze und Bodendecker ausgepflanzt sind. Die Bepflanzung ist primär auf eine optimale Nutzung der phisiologischen Leistungsfähigkeit der Pflanzen ausgerichtet. 
    Die Konzeption der Lichttechnik gründet auf der Absicht, einen Beitrag zum ökologisch verantwortungsbewusten Umgang mit der Primärenergie zu leisten. So  wurde für die Eingangshalle,die Flure und die Rotundenbalkone ein akzentuiertes Licht als Grundbeleuchtung mit Kompaktleuchtstoff-lampen gewählt. 
       Mit dem "Glashaus" wurde nicht nur ein architektonisches Glanzlicht in die Innenstadt Hertens gesetzt, sondern vielmehr  wurde den Bemühungen Rechnung getragen, energiebewußtes Denken umzusetzen und dem Bürger eine attraktive Medien- und Kulturlandschaft zur Verfügung zu stellen. 
       
     
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© Konzept 1994-1998 FH Bochum FB1 Architektur © Text + Fotos: stud.arch. Alexandra Hartwich