PIN: 736

Gasometer Oberhausen

Objekt: 
Gasometer Oberhausen 
Adresse
Essener Str. 3 
46047 Oberhausen 
Bauzeit
1928/1929 erbaut nach einem MAN-Patent 
1988 Stillegung 
1992-1993 für 16 Mio. DM renoviert 
Bauherrschaft
EGO Entwicklungsgesellschaft Ober- 
hausen 
Generalunternehmer
Deutsche Babock, Bereich Stahlbau 
Öffnungszeiten:
Wochenende 10.00-16.00 
Werktags       10.00-20.00 
Öffentlicher Nahverkehr:
Vom Hauptbahnhof Oberhausen mit jedem Bus oder jeder Straßenbahan ab Terminal 1 bis zur Haltestelle "Neue Mitte", von dort ist der Fußweg ausgeschildert. Busse und Bahnen Fahren im 5Min. Takt. 
Quellen:
DBZ 1994 Nr. 10 
Stahlbau 1995 Nr. 2 
Bauwelt 1996 Nr. 1/2 
Bausubstanz 1994 Nr. 11/12 
Text und Fotos:
Jens Hoellger

Blick aus dem Glasaufzug in den Gasbshälter
 


Vernansicht des Gasometers

Der Uterscheibenraum
   


Blick von der Austellungsebene auf die 100m entfernten Oberlichter

Grob-Orientierung
 
 


Stadt-Orientierung  

Projektbeschreibung: 
Jeder, der im Ruhrgebiet lebt, hat ihn sicher schon einmal von der A 42 gesehen, den seit 1929 größten Gasbehälter Europas in Oberhausen. Eine Besichtigung des 117m hohen und 67m breiten “Gasometers” mit seinen 350000m3 Speichervolumen lohnt sich. Er wurde von 1927 bis 1929 nach einem MAN-Patent von 1915 erbaut, und war einer von 190 “trockenen Scheibengasbehältern”. 
Die Konstruktion ist im Prinzip eine leichte Röhre auf polygonalem Grundriß aufgebaut auf einem kreisförmigen Streifenfundament. Ausgesteift wird das Gebäude durch ein Stahlfachwerk. Eine Scheibe aus Stahl mit aufliegenden Verstrebungen “schwamm” auf dem Gas, das durch zusätzliche Betongewichte unter einem konstanten Druck von 300 Millimetern Wassersäule gehalten wurde. Die Scheibe konnte je nach Gasvorrat mittels Rollen auf - und abgefahren werden. Abgedichtet wurde sie durch eine elastische Scheibenranddichtung, die in einer umlaufenden mit Teeröl gefüllten Rinne gegen den Außenmantel drückte. Dadurch war die 21000m2 große Stahlblech - Innenwand ständig mit einem klebrigen und dunklem Ölfilm bedeckt. Der Gasbehälter speicherte Gichtgas für die Energieversorgung des Stahlwerkes Gutehoffnungshütte. 1988 nach 61 Jahren Betrieb wurde er stillgelegt und sollte von der Ruhrkohle AG abgerissen werden. Die Internationale Bauaustellung Emscher Park kämpfte für das Überleben des Gasbehälters und der Denkmalschutz siegte. 
Heute ist der “Gasometer”Industriedenkmal, Austellungsort und Aussichtsturm. 1994 fand dort die einjährig andauernde Ausstellung “Feuer und Flamme” statt, die ein interessanter Rückblick auf die 200 Jahre alte Geschichte des Ruhrreviers war. Zur Zeit kann die Ausstellung “Der Traum vom Sehen” besichtigt werden, die sich mit der Geschichte des deutschen Fernsehens befaßt. 1992 bis 1993 wurde die Renovierung vom Generalunternehmen Deutsch Babock, Oberhausen für 16 Mio. DM durchgeführt. Die Gasdruckscheibe wurde in 4m Höhe am Zylindermantel durch Zwischenstützen fixiert und mit zusätzlichen Plattformen versehen. So entstanden drei Ausstellungsflächen, deren unterste der ursprüngliche rauhe Betonboden des 24 eckigen Gasbehälters als Ausstellungsfläche dient. Dieser niedrige und dunkle Unterscheibenraum hat eine drückende Stimmung durch welche das gewaltige Volumen des Oberscheibenraumes eine noch stärkere Faszination auf den Besucher ausübt. Bevor das Gebäude als Veranstaltungshalle genutzt werden durfte mußten vier neue Außentreppen gleichmäßig um den Umfang (211m) verteilt werden. Drei der Treppen reichen bis zur oberen Ausstellungsebene (12,02m), die vierte reicht als 19 stöckiger Treppenturm mit integriertem Sicherheitsaufzug bis zur Dachebene. Sie ist mit 616 Stufen und einer Höhe von 114,9m Höhe eine der größten Industrietreppen der Welt. Alle Zubauten versah man mit einer Feuerverzinkung als Oberflächen, wodurch sie sich deutlich von dem braunem Farbton der Stahlblechhaut abheben. 
Um die Dachebene zu erreichen und einen Einblick in das  gigantische Volumen zu bekommen wurde ein Panoramaaufzug mit verglaster Kabine innerhalb des Gasbehälters errichtet. Besucher mit Höhenangst sollten die Fahrt in “schwindlige” 100m Höhe lieber meiden. Auf dem Dach erlauben drei Aussichtsplattformen einen Rundblick der besonderen Art über das Ruhrgebiet. Man sollte sich schon einen ganzen  Nachmittag Zeit nehmen um dieses “Fossil des Reviers” und seine Ausstellung zu besichtigen. 
DIGITALER HYPERMEDIALER ONLINE-ARCHITEKTURFÜHRER RUHRGEBIET 
© Konzept 1994-1998 FH Bochum FB1 Architektur © Text + Fotos: stud.arch. Jens Hoellger