Perfect, no doubts!
Im Rahmen eines seit dem Jahr 2004 bestehenden Austausches zwischen der Universität Tartu, dem Ingenieurbüro Stratum (Tallinn/Tartu) und der Hochschule Bochum hat Veit Kriegel am Fachbereich Bauingenieurwesen im WS 07/08 seine Diplomarbeit über die „schallimmissionstechnische Berechnung der Planungsszenarien für den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Tartu“ verfasst. Am 20.02.2008 hat der Diplomand seine Arbeit an der Universität Tartu vor Studenten und Lehrkräften der geografischen Fakultät sowie Mitarbeitern der estnischen Straßenbauverwaltung und der Planungsverwaltung der Stadt Tartu vorgestellt. Als Zweitprüfer dieses Diplomkolloquiums konnte Prof. Dr. Dago Antov von der Technischen Universität Tallinn gewonnen werden, der den VEP Tartu erarbeitet und die notwendigen Daten und Informationen für die Diplomarbeit zur Verfügung gestellt hatte.
In den estnischen Städten werden zunehmend ganzheitlich orientierte Verkehrsentwicklungspläne aufgestellt, um die dynamischen Entwicklungen des Verkehrs in umwelt- und stadtverträgliche Bahnen zu lenken. Die Prognose der Auswirkungen unterschiedlicher Handlungsszenarien auf die Luft- und Lärmimmissionen in der Stadt spielt dabei eine wichtige Rolle. Veit Kriegel untersuchte die heutige Situation des Straßenverkehrslärms in der 100.000-Einwohner-Stadt Tartu und stellte sie dem von Prof. Antov berechneten Trendszenario sowie einem umweltorientierten Handlungsszenario gegenüber. Für die flächendeckende Immissionsberechnung des Stadtgebietes wurde das Programmsystem Soundplan verwendet, das in Deutschland in der Verkehrs- und Umweltplanung weit verbreitet ist.
Zunächst musste ein digitales Geländemodell und ein Höhenmodell der Bebauung auf der Grundlage eines geo-referenzierten Stadtplanes erstellt werden. Hierbei unterstützte den Diplomanden dankenswerterweise Prof. Fröhlich vom Fachbereich Vermessung und Geoinformatik. Das Straßennetz der Stadt Tartu wurde digitalisiert und mit den für Lärmberechnungen notwendigen Daten versorgt. Dabei konnte auf eine im Jahr 2006 abgeschlossene Diplomarbeit zur Luftreinhalteplanung der Stadt Tartu zurückgegriffen werden, die ebenfalls in einer Kooperation der Hochschulen Bochum und Tartu entstanden war. Die Verkehrsmengen und Lkw-Belastungen der Szenarien wurden aus dem Verkehrsmodell von Prof. Antov hochgerechnet und in das Immissionsmodell übertragen.
Grundlage der anschließenden Immissionsberechnungen waren die deutschen Berechnungsvorschriften für Straßenverkehrslärm (16. BImSchV, RLS´90), die der Diplomand den in Estland verwendeten Berechnungsalgorithmen und den dort gültigen Grenzwerten gegenüberstellte. Dabei ergab sich eine weitgehende Übereinstimmung zwischen beiden Ländern, wobei der in Estland verfolgte Ansatz einer mehrstufigen Differenzierung von Grenz- und Alarmwerten für den Straßenverkehrslärm auch für die Planungspraxis in Deutschland hilfreich sein könnte.
Die Ergebnisse der Berechnungen von Veit Kriegel zeigten nur geringe und nur lokal auftretende Reduzierungen der Lärmbelastung der Bevölkerung durch die im VEP Tartu vorgesehenen Maßnahmen. Die dynamische Zunahme des Autoverkehrs und die - verkehrsplanerisch durchaus sinnvolle – Konzentration der Kfz-Fahrten im Hauptverkehrsstraßennetz zugunsten von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in den Wohngebieten lassen für die Zukunft keine deutlichen Verbesserungen der Lebensqualität an den stark befahrenen Hauptstraßen erwarten. Damit steht die Stadt Tartu vor denselben Herausforderungen an die Umweltplanung wie vergleichbar große Städte in Deutschland.
Veit Kriegel konnte seine Zuhörer nicht nur durch seine plausiblen und gewissenhaft erarbeiteten Berechnungsergebnisse und die sehr umfangreiche Modellentwicklung beeindrucken, sondern wusste auch in der souverän in englischer Sprache vorgetragenen Präsentation sowie in der anschließenden Diskussion zu überzeugen. Der Kollege Antov brachte das Ergebnis dieser sehr gut bewerteten Arbeit auf den Punkt: „Perfect, no doubts!“
Die Vorstellung der Arbeit in Estland wurde freundlicherweise von der Gesellschaft der Förderer unserer Hochschule gefördert und mit Mitteln aus den Studienbeiträgen kofinanziert.

