Büffeln in Down Under
Ein Wirtschaftsstudent reist um die halbe Welt und stellt fest, dass er in Bochum bestens ausgebildet wurde
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Der Bochumer Student Dominik Bahn vor einem der bekanntesten Gebäude der Welt, dem Opera House in Sydney.
Von Rüdiger Kurtz
Wenn schon im Ausland studieren, dann auch richtig weit weg, dachte sich Wirtschaftsstudent Dominik Bahn aus Bochum. Außerdem sollte es ein englischsprachiges Land sein. So stand Australien ganz schnell ganz weit oben auf der Wunschliste. Erste Erkundigungen wurden eingezogen. "In Australien hat die Hochschule Bochum leider keine Partneruniversitäten", erzählt Bahn: "Daher gab es auch keinerlei Verträge, in denen Dinge wie die Anerkennung von Kreditpunkten oder Einschreibemodalitäten geregelt sind." Auch bei Fragen zu Visumangelegenheiten, der Unterbringung vor Ort oder zu Studieninhalten betrat der 25jährige im wahrsten Sinne des Wortes Neuland.
Hilfe fand Dominik Bahn dann beim
Ranke-Heinemann-Institut in Essen. "Ohne deren Unterstützung wäre es sehr kompliziert geworden", so Bahn. Nachdem die wichtigsten Fragen und Formalitäten geklärt waren, ging es schließlich sehr schnell. "Mit dem Flieger von Düsseldorf nach Dubai, dann weiter nach Sydney", erinnert sich der Bochumer Masterstudent an die für ihn ungewohnt lange Reise. Und auch an deren unmittelbare Folgen: "Mit dem Begriff Jetlag konnte ich bis dato nicht viel anfangen", erzählt Bahn. Das habe sich nach der Landung in Sydney schnell geändert. Inzwischen kann er über die Erinnerung an den dicken Kopf und die ersten Tage, die er wie unter einer Dunstglocke verbrachte, lachen.
Zum Studieren hatte er sich die
Macquarie University ausgesucht, eine sehr angesehene Universität mitten in Sydney. Studenten aus über 100 Ländern studieren dort. "Der internationale Ruf der Universität ist sehr gut", so Dominik Bahn. In der Orientierungswoche lernte er schnell erste Kommilitonen kennen. "Bei mir waren das zu 90 Prozent Asiaten, fast alles Chinesen, einige Europäer und ein paar Amerikaner - kein einziger Australier!" Dann gab es auch noch Probleme mit der Einschreibung für die Kurse. "Ich war angeblich nur für einen Kurs angemeldet", erinnert sich der engagierte Wirtschaftsstudent: "Mindestens drei musste ich für die geforderte Anzahl an Kreditpunkten belegen, ansonsten drohte die vorzeitige Ausweisung." Nach dem ersten Schock wurde das Problem dank der freundlichen Unterstützung der Koordinatoren vor Ort schnell geklärt. Das Studium konnte beginnen.
"Ich habe schnell festgestellt, dass ich an der Hochschule Bochum sehr gut und praxisnah ausgebildet worden bin", erzählt Bahn: "Mit meinem Vorwissen gehörte ich klar zu den besten Studierenden." Die Qualität der Lehrveranstaltungen sei in Australien eher niedriger gewesen als in Bochum. Dafür wurde das Qualitätsdefizit durch ein hohes Maß an Quantität ausgeglichen. "Jede Woche mussten Leistungsnachweise erbracht werden", so der Wirtschaftsstudent: "Abendliches Büffeln war die Regel. Da blieb leider nur wenig Zeit, Land und Leute zu erkunden." Immerhin reichte es für einen Ausflug entlang der bekannten Great Ocean Road. Kängurus, ein riesiger Waran und viele faule Koalas säumten den Weg. Zusätzlich war im sogenannten Midsemester-Break ein Kurzurlaub auf Neuseeland möglich. "Das war sicherlich die schönste Woche", sagt Bahn: "Die Natur in Neuseeland war überwältigend."
Aber auch die Universität hatte mehr als nur Seminarräume zu bieten. Eine Bar mit Billardtisch und tollen Ausblick auf dem Campus, überall riesige und bunte Vögel, ein integriertes Sportcenter – alles sehr schön, aber alles auch sehr teuer. "Weder Kopien noch das Busticket für Sydney waren in den hohen Studiengebühren enthalten", erzählt Dominik Bahn. Und das bei stolzen 9000 Dollar, die pro Semester gezahlt werden mussten. Auch die Mieten waren mit Bochumer Verhältnissen nicht vergleichbar: "Für ein Zimmer etwas außerhalb des Zentrums musste ich 700 Euro zahlen." Dafür seien seine Vermieter allerdings auch sehr freundlich gewesen und hätten sich rührend um ihren deutschen Gast gekümmert. "Dennoch", so Bahn, "wäre der Auslandsaufenthalt ohne ein Stipendium des
DAAD nicht zu finanzieren gewesen."
Rückblickend hält der Bochumer Masterstudent seine Entscheidung für das Auslandsstudium auf jeden Fall für richtig. "Der Erwerb neuen Fachwissens war für mich eher zweitrangig. Die vielen Erfahrungen über andere Menschen und Kulturen sowie deren sehr unterschiedliche Herangehensweise an das Studium und - ganz allgemein - das Leben waren sicherlich die lehrreicheren Erlebnisse", resümiert Bahn. Am Ende sei er aber auch wieder froh gewesen, nach Hause zurückzukehren. "Insbesondere meine Freunde und die Familie habe ich während der Zeit in Australien vermisst", erzählt Dominik Bahn. "Und einen guten Döner", fügt er lachend hinzu.
Den hat er inzwischen bekommen. In Bochum soll das Studium nun beendet werden. Recherchen für seine Masterarbeit im Bereich der Energiewirtschaft stehen auf dem Programm. Das kalte Bochumer Winterwetter erleichtert den Gang in die Bibliothek. In Australien kündigt sich derweil der Sommer an…
