In Regelstudienzeit – mit drei Kindern!
Natallia Zapko aus Weißrussland erhält den erstmalig vom Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bochum verliehenen "Förderpreis für die erfolgreiche Vereinbarkeit von Studium und Kindererziehung"
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Preisträgerin Natallia Zapko (rechts) mit ihren Kindern Michael, Nicole und Thimofej in der Spielecke der Hochschule Bochum. Projektleiterin Brigitte Kriebel (Mitte) und Wirtschaftsprofessorin Margit Geiger freuten sich mit der erfolgreichen Absolventin.

Brigitte Kriebel (links) und Wirtschaftsprofessorin Margit Geiger (rechts) gratulierten Natallia Zapko zum erstmalig von der Hochschule Bochum verliehenen "Förderpreis für die erfolgreiche Vereinbarkeit von Studium und Kindererziehung".
Von Rüdiger Kurtz
Ihr drittes Kind hat sie Anfang des Jahres zur Welt gebracht und ihr Wirtschaftsstudium mit einer hervorragenden Note von 1,7 in der Regelstudienzeit beendet. Dass ihr Mann lange Zeit schwer krank war, konnte sie ebenso wenig beirren wie die schwierige finanzielle Lage der jungen Familie. "Ich denke immer positiv und bete zu Gott, dass er uns in allen Lebensbereichen unterstützt und das tut er tatsächlich", sagt Natallia Zapko. Leise und selbstsicher spricht die 31jährige, die aus ihrem christlichen Glauben keinen Hehl macht. Und sie freut sich aufrichtig über die mit 500 Euro dotierte Auszeichnung, die ihr vom Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bochum verliehen wurde.
2003 war Natallia Zapko aus Homel, der zweitgrößten Stadt Weißrusslands, nach Deutschland gekommen. Ein Jahr wollte sie bleiben, ihr Deutsch verbessern und Wirtschaft studieren. Dann lernte sie in Bayern ihren heutigen Mann kennen, Gregor aus Kasachstan. Schnell waren sich beide sicher, den richtigen Partner gefunden zu haben. In Sprockhövel wurde geheiratet. Eltern und Freunde konnten wegen der großen Entfernung oder aus Kostengründen nicht anreisen. "Wir waren nur zu zweit, aber es war trotzdem sehr schön", erinnert sich Natallia Zapko. Ende 2004 wurde Tochter Nicole geboren, zwei Jahre später Sohn Michael. Den Traum vom Studium wollte die junge Weißrussin trotz der beiden Kinder nicht aufgeben. 2008 schrieb sie sich an der Hochschule Bochum für den Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften ein. Zu dieser Zeit erkrankte ihr Mann schwer und konnte nicht arbeiten. "Der Vorteil war, dass Gregor zuhause bleiben musste und so auf die Kinder aufpassen konnte, während ich an der Hochschule war", erzählt Natallia Zapko. Die gemeinsame Wohnung war klein und die finanzielle Lage trotz Unterstützung durch BAföG alles andere als rosig, aber – so die frischgebackene Hochschulabsolventin - die eigene Zufriedenheit hänge schließlich immer von den persönlichen Ansprüchen ab. "Meine Kinder fanden es toll, wenn wir uns ab und zu mal gemeinsam in der Mensa zum Essen getroffen haben." Spezielle Hochstühle für Kinder und der leckere Pudding fanden begeisterte Abnehmer.
Die Unterstützung seitens der Hochschule, die bereits 2008 offiziell als "familiengerechte hochschule" zertifiziert wurde und für ihre Studierenden und Mitarbeiter unterschiedlchste Unterstützungsmöglichkeiten anbietet, habe ihr das Studieren sehr erleichtert, berichtet Natallia Zapko. "Wir helfen nicht nur bei Fragen der Kinderbetreuung, sondern bieten auch Beratung bei familiären Problemen, etwa wenn jemand in Pflegeverantwortung gerät", erläutert Projektleiterin Brigitte Kriebel. Unterstützt wurde die junge Mutter auch von Wirtschaftsprofessorin Margit Geiger. "Neben der intensiven Hilfe bei der Themenfindung war Frau Geiger für mich auch kurzfristig und abseits der normalen Sprechzeiten erreichbar", erzählt Natallia Zapko. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über die Möglichkeiten zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit osteuropäischer Ärzte in deutschen Krankenhäusern. "Das Thema passte zu Frau Zapko, da sie selber einen Migrationshintergrund hat und über die Krankheit ihres Mannes mit vielen Ärzten in Kontakt gekommen ist", so Professorin Margit Geiger, die sich besonders darüber freut, dass einige der von Natallia Zapko erarbeiteten Ansätze bereits in der Praxis umgesetzt werden.
Zwei Monate nach der erfolgreichen Beendigung des Studiums brachte Natallia Zapko ihren zweiten Sohn Thimofej zur Welt. Vater Gregor Zapko ist inzwischen von seiner Krankheit genesen und wird zum technischen Zeichner umgeschult. Und erstmalig kamen in diesem Jahr auch die Großeltern gemeinsam zu Besuch. "Alles hat sich sehr gut entwickelt", freut sich Natallia Zapko: "Wir sind gesund, mein Mann hat einen Ausbildungsplatz und ich ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium – mehr können wir uns nicht wünschen."
