Branchenpolitik
DAS SEMINAR IST KOMPLETT BELEGT !
THEMEN:
- Die Forderung nach einer „strategischen Industriepolitik“: Theoretische Grundlagen
- Der Fall EADS: Der Airbus – Beleg für den erfolg der europäischen Industriepolitik?
- Der Fall Frankreich: Erfahrungen der französischen Industriepolitik
- Der Fall Japan: Die Industriepolitik des MITI
- Der Fall des Ruhrgebiets: Subventionierung des Steinkohlebergbaus
- Der Fall der deutschen Werftindustrie
- Ostdeutschland 1: Lage und Ursachen der ökonomischen Rückständigkeit der neuen Länder
- Ostdeutschland 2: Wie weit ist der „Aufbau Ost“ bisher gekommen?
- Europäische Strukturpolitik: Anspruch und Wirklichkeit
- Technologiepolitik 1: Brauchen wir eine Förderung der Photovoltaik?
- Technologiepolitik 2: Förderung der Brennstoffzelle
- Technologiepolitik 3: Transrapid
Die Themen werden höchstens doppelt besetzt.
Erläuterungen zu den Themen
Ad 1: Seit den 80er Jahren wird darüber diskutiert, ob es ökonomisch Sinn macht, strategische Industriepolitik, d.h. die Förderung bestimmter Branchen oder sogar einzelner Unternehmen zu betreiben. Der Hintergrund ist die sog. „neue Außenhandelstheorie“. Ihr zufolge muss man realistischerweise von monopolistischen oder wenigstens oligopolistischen internationalen Märkten ausgehen, in denen Größen- und Verbundvorteile ökonomische Konzentration sinnvoll erscheinen lassen. Durch gezielte Maßnahmen des Staates sollen die damit verbundenen übernormalen Gewinne ins eigene Land gelenkt werden. Im Thema 1 sollen die theoretischen Grundlagen der neuen Außenhandelstheorie erklärt und mit den Aussagen der klassischen Handelstheorie kontrastiert werden.
Ad 2: Der Aufbau einer europäischen Luftfahrtindustrie scheint ein gelungenes Beispiel strategischer Industriepolitik darzustellen. Immerhin gelang es, im internationalen Flugzeugbau einen europäischen Konkurrenten gegenüber Boeing dauerhaft am Markt zu etablieren. Diese Einschätzung erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als voreilig. Im Thema 2 soll das Airbusprogramm erläutert und kritisch betrachtet werden.
Ad 3: In Frankreich hat aktive Industriepolitik eine lange Tradition. So versuchte der französische Staat gezielt die Montanindustrie am Leben zu erhalten, aber auch etwa eine eigenständige Computerindustrie aufzubauen. Die Erfahrungen Frankreichs mit strategischer Industriepolitik sollen im Thema 3 skizziert werden.
Ad 4: Lange Zeit wurde der kometenhafte wirtschaftliche Aufstieg Japans der strategischen Industriepolitik des japanischen Handelsministeriums MITI zugeschrieben, das gezielt versuchte, die internationale Wettbewersfähigkeit japanischer Unternehmen zu fördern. Neuere empirische Studien zeichnen jedoch ein weit kritischeres Bild. Im Thema 4 soll der Fall Japan anhand neuerer empirischer Untersuchungen diskutiert werden.
Ad 5: Strategische Industriepolitik sollte theoretisch insbesondere bezüglich innovativer, zukunftsträchtiger Branchen betrieben werden. In der Praxis hat die Industriepolitik aber allzu oft versucht, gewachsene ökonomische Strukturen zu erhalten. Am Fall des Steinkohlebergbaus sollen die Folgen einer solchen Politik diskutiert werden.
Ad 6: Am aktuellen Beispiel der Werftindustrie sollen die Ursachen der Werftenkrise analysiert und die Frage diskutiert werden, ob der Staat strukturerhaltend eingreifen sollte.
Ad 7: Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung hat der deutsche Osten ökonomisch erheblichen Nachholbedarf: Einkommen und Produktivität liegen immer noch deutlich unter den westdeutschen Niveau. Was sind die Ursachen dafür, dass die Konvergenz längst nicht so schnell vorangekommen ist, wie erwartet?
Ad 8: Thema 8 knüpft direkt an die Situationsanalyse aus Thema 7 an. Es soll aufgezeigt werden, mit welchen wirtschaftspolitischen Strategien bisher der Aufbau Ost betrieben wurde. Welche (Miss-)erfolge kann die Regionalpolitik vorweisen? Insbesondere soll die Strategie der Etablierung von „Wachstumskernen“ kritisch hinterfragt werden.
Ad 9: Struktur- und Industriepolitik findet mittlerweile im großen Maßstab auf euroäischer Ebene statt. Auch die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die ökonomische Konvergenz der ökonomisch sehr heterogenen Regionen Europas zu fördern. Die EU-Strukturpolitik soll in Grundzügen erläutert und kritisch hinterfragt werden. Was hat die Politik gezielter regionaler Förderung bisher tatsächlich erreichen können?
Ad 10/11/12: Statt einzelne Industrien/Branchen gezielt zu fördern wird häufig gefordert, die Entwicklung mutmaßlich zukunftsträchtiger Technologien zu forcieren. Macht staatliche Technologieförderpolitik tatsächlich Sinn? Am Beispiel dreier Fallstudien soll dieser Frage nachgegangen werden. Die erste Fallstudie (Thema 10) beschäftigt sich mit der Förderung erneuerbarer Energien, insbesondere der Photovoltaik. Baucht Deutschland tatsächlich eine so massive Förderung, wie die Photovoltaik-Branche sie in den vergangenen Jahren erfahren hat? Ist die Förderung aus industriepolitischer Sicht zu verteten? Und falls nein: Ist sie wenigstens aus energiepolitischen/umweltpolitischen Aspekten her vertretbar? In ähnlicher Weise soll die Förderung der Brennstoffzelle bzw. des Transrapid kritisch hinterfragt werden.

