Gleichstellungsbüro - der FH Bochum

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Gender in der Lehre

Allgemeine Infos

Gender in der Lehre will …

  • interessante Studiengänge für beide Geschlechter gestalten, um den Studierenden eine vielfältige, interdisziplinäre, gesellschafts- und praxisorientierte Ausbildung zu ermöglichen,
  • über die Aneignung von Faktenwissen hinaus die Einbettung technischer Projekte in politische und soziale Bezüge thematisieren,
  • den Gesellschaftsbezug von Technik unterstreichen.


Gender in der Lehre meint …

  • Talentpool vergrößern: Hochschulen müssen Karrierewege so gestalten, dass sie für Lehrende beiderlei Geschlechts attraktiv sind;
  • Demografischen Wandel berücksichtigen: Das Thema „Frauen in technischen Berufen“ erlangt immer mehr politische und wirtschaftliche Bedeutung;
  • Studentinnen akquirieren: Ingenieurwissenschaftliche Fachbereiche wollen mehr Studentinnen gewinnen, daher müssen die „Männer-Domänen“ für Bewerberinnen attraktiver werden.

Genderaspekte in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen werden in drei Bereiche unterteilt:

1. Professionsebene – inhaltliche und strukturelle Gestaltung von Studiengängen

  • Wie verteilen sich Personalstellen auf die Geschlechter, auch bezogen auf unterschiedliche Hierarchieebenen (Aufstiegschancen)?
  • Wie fördert eine Organisationskultur Frauen oder Männer? Welche Bedingungen machen es Frauen von vornherein schwer, in der Wissenschaft Fuß zu fassen? Beispiele:
    o Die Forderung nach permanenter Verfügbarkeit der Lehrenden kann nur geleistet werden, wenn die Entlastung von familiären Aufgaben gegeben ist.
    o Vorurteile wie Zweifel bestehen häufig an der technischen Kompetenz von Ingenieurinnen oder an ihrer körperlichen Belastbarkeit oder an ihrer Durchsetzungsfähigkeit im Beruf (z. B. auf Baustellen).
  • Wie sind die Studienbedingungen gestaltet?
    Beispiel: Prof. Dr. Beate Curdes (Fachhochschule Oldenburg-Ostfriesland) forschte zur genderbewussten Mathematikdidaktik. Sie untersuchte u. a. die Frage, warum sich Studentinnen in der Mathematik seltener für eine Promotion entscheiden. Es zeigte sich, dass sich Ursachenkomplexe wie das Bild von Mathematik und das fachbezogene Leistungsselbstkonzept deutlich auf die Einstellungen zur Promotion auswirkten, während Rollenvorstellungen keinen Einfluss hatten. Curdes setzt auf Methodenvielfalt, einen stärkeren Anteil von Gruppenarbeitsphasen, auf kommunikative und kooperative Lernmethoden in Kleingruppen.

2. Forschungsinhalte

Bereits in der Auswahl von Forschungsfeldern können die geschlechterspezifische Aspekte Berücksichtigung finden.

Beispiel
Das „Frauen-Handy der Zukunft“ von Gesche Joost (Juniorprofessorin an der TU Berlin) will im interaktiven Design weibliches Kommunikationsverhalten berücksichtigen. Es geht um bestimmte Gewohnheiten wie häufiges Telefonieren mit der Familie und Bedürfnisse wie besondere Sicherheitsaspekte. Frauen verleihen z. B. ihr Handy öfter, wollen aber nicht, dass andere ihre SMS lesen können. So erforscht die Wissenschaftlerin eine neue Informationsstruktur fürs Mobiltelefon. Es soll intuitiv bedienbar sein und eine Gestaltung aufweisen, die von Bedürfnissen geleitet ist. Das technisch Machbare – was bei den derzeitigen Handys Priorität hat - tritt in den Hintergrund.


3. Anwendung von Forschungsergebnissen

Gender Mainstreaming soll dafür sorgen, dass sich Entwickler und Ingenieure zu Beginn ihrer Planung verstärkt Gedanken über die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen machen. Die Entwicklungen fallen anders aus, wenn von Beginn an klar ist, welche Auswirkungen Produkte auf beide Geschlechter haben. Neue Produkte, z. B. in der Autoindustrie oder in der Pharmakologie, wurden in der Vergangenheit meist nur an Männern ausprobiert bzw. auf männliche Bedürfnisse zugeschnitten. Für Frauen sind diese Produkte unter Umständen nicht geeignet.

(Negativ-)Beispiele

  • Airbags und Sicherheitsgurte testete man anfänglich nur an Dummies mit männlichen Körpermaßen.  Für (schwangere) Frauen boten die Erfindungen keine Sicherheit, sondern stellten sogar ein Risiko dar. 
  • Eine Forschergruppe baute in einem afrikanischen Land Brunnen, die nur über ein Podest zugänglich waren. Das Wasserholen war Aufgabe der Frauen, die in der Region traditionell mit Röcken bekleidet sind. Durch die erhöhte Position auf dem Podest waren die Frauen den Blicken der Umstehenden preisgegeben. Die Brunnenanlage wurde aus kulturellen Gründen nicht angenommen.
  • Spracherkennungssysteme wurden in den USA zunächst nur für männliche Stimmlagen entwickelt. Bei der Benutzung durch Frauen reagierten die Systeme nicht, da sie breit angelegte oder hohe Stimmlagen nicht berücksichtigten.


Gender-Projekte an der Hochschulen

Veränderungen finden meist in mehreren der genannten drei Bereiche statt:

Ein Leuchtturmprojekt stellt die Reformierung des Informatikstudiengangs an der Carnegie Mellon University (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania dar. Sie schaffte es, den Anteil von Studentinnen von 7 Prozent auf nahezu 45 Prozent zu erhöhen. Vorausgegangen waren Maßnahmen zur Organisations-, Personalentwicklung und zur Qualitätssicherung der Lehre. Die Veränderungen betrafen alle Bereiche des Informatik-Studiums: Lehrpläne und Lehrstil orientierten sich stärker an den Interessen der Studierenden und es wurden interdisziplinäre Themen und Projekte eingeführt. Aktivierende Didaktik, Gruppenarbeit und Übungen frühzeitig mit Experimente ergänzt. Das Kommunikationsklima verbesserte sich deutlich und die Studierenden durften sich über besseren Service und Betreuung freuen.

Das Projekt „Chemiestudium unter Genderaspekten“  der Universität Göttingen hatte mehrere Ziele: Es wollte Schülerinnen für naturwissenschaftliche Studiengänge interessieren, den Frauenanteil im Diplom- und Promotionsstudium Chemie zu erhöhen und Absolventinnen für eine Forschungskarriere in Hochschule und Industrie zu qualifizieren. Neben Schnupperpraktika und Schulkooperationen organisiert die Fakultät für Chemie Praxiskontakte speziell für Studentinnen. Hinzu kommen Zusatzqualifikationen für Doktorandinnen, so durch die Teilnahme an Weiterbildungskursen in Partnerunternehmen. Bestandteil des Projektes ist außerdem die Hilfestellung bei der Kinderbetreuung oder beim beruflichen Wiedereinstieg von Müttern. (Das Konzept entwickelte die Fakultät für Chemie im Jahr 2002).

Mit dem Programm „Join the top - Qualität für Studium und Beruf“ hat die Universität Hannover ein fachübergreifendes Qualifizierungsprogramm geschaffen. Das Angebot richtet sich an Studentinnen technischer Studiengänge (Fachbereiche Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Bauingenieur- und Vermessungswesen), sie bekommen die Gelegenheit vorhandene Schlüsselqualifikationen auszubauen und zu stärken. Während der vorlesungsfreien Zeit erarbeiten die Teilnehmerinnen in Seminaren Inhalte zu Kommunikations- und Teamfähigkeit, Projektmanagement und Präsentationstechniken. Daran schließen sich interdisziplinäre, durch professionelle Coaches begleitete Projektarbeiten im Team bei namhaften Unternehmen an. Das Programm soll besonders Frauen motivieren, ihre Karrierechancen in technischen Berufsfeldern zu nutzen.

 

 

 

Zusätzliche Information

zu den Webseiten 'familiengerechte Hochschule'