Siedlungswasserwirtschaftler untersuchen Filtration und Versickerung von Regenwasser

- Die Niederschlagswasserbehandlungsanlage in der Bauphase: Im Vordergrund sind die Sickerrohre und die Zisterne zu erkennen, im Hintergrund die Filter- und die Messschächte.
Zur Verbesserung der ökologischen Situation ist die möglichst weitgehende Versickerung des in Siedlungsgebieten anfallenden Niederschlagswassers Ziel der NRW-Landespolitik. Dabei spielt die Frage nach den im Niederschlagswasser enthaltenen Inhaltsstoffen und deren Umweltauswirkungen eine besondere Rolle. Zink-, kupfer- oder bleigedeckte Dachflächen müssen dabei besonders betrachtet werden. Aufgrund der Umweltbelastung dürfen Niederschlagswässer von Metalldächern nicht ohne vorhergehende Behandlung versickert werden. Die Auswirkungen der Niederschlagsabflüsse von Metalldächern wurden in den vergangenen Jahren umfangreich untersucht. Zink und Kupfer sind essentielle Spurenelemente für die meisten Pflanzen und Tiere. Insbesondere für aquatische Organismen können jedoch zum Teil schon leicht erhöhte Konzentrationen toxisch wirken. Die Zink- und Kupferkonzentrationen in Dachabläufen von Dächern mit Metalleinbauten sind gegenüber Dächern ohne solche Einbauten deutlich erhöht und liegen größtenteils in Bereichen, die für aquatische Organismen toxisch sein können. Bei größeren Dachflächen muss das Niederschlagswasser von Dachflächen daher in der Kanalisation abgeleitet werden, da den Aufsichtbehörden keine Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit und den Betrieb geeigneter Behandlungssysteme vorliegen.

- Probe aus dem Regenfass: Oliver Schönberger untersucht das Niederschlagswasser auf Schwermetallkonzentrationen.
Im Rahmen des zwei Jahre dauernden Pilotprojektes wird unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Bernd Nolting, Projektbearbeitung durch Dipl.-Ing. Oliver Schönberger, die Versickerung von Niederschlagswasser eines Zinkdaches (Dachfläche 2.600 qm) in Lohmar-Wahlscheid untersucht. Das Niederschlagswasser der Dachflächen wird z.Zt. in den Kanal geleitet. Diese Vorgehensweise ist für den Betreiber der Anlage, das Altenheim Wahlscheid, mit entsprechend hohen Kosten verbunden. Hinzu kommt die Tatsache, dass auch die Ableitung des Regenabflusses von Metalldächern in den Mischwasserkanal nicht unproblematisch ist, da ein Großteil des Zinks und Kupfers im Klärschlamm von Metalldachflächen stammen könnte. Möglicherweise sind Metalldächer ein Grund, warum der Klärschlamm regional nicht verwertet werden kann, sondern entsorgt werden muss, was die wirtschaftlich schlechteste Alternative darstellt.
Das Pilotprojekt sieht die Untersuchung verschiedener Alternativen zur Elimination der kritischen Schwermetalle vor, um daraus Handlungsempfehlungen für die zukünftige Genehmigungspraxis in NRW abzuleiten. Bewähren könnte sich der Einsatz von unterirdischen Schachtbauwerken, die vor der eigentlichen Versickerung angeordnet und mit Filterkörpern ausgestattet sind. Diese bieten den Vorteil, dass die anfallenden wassergefährdenden Stoffe konzentriert gesammelt und nicht diffus über eine große Fläche wie bei der Muldenversickerung verteilt werden. Damit werden die Wartungs- und Entsorgungskosten auf ein Minimum reduziert.

Der Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Bochum baut auf dem Gelände des Altenheims Lohmar-Wahlscheid (Foto rechts) eine Behandlungsanlage, in der drei Filteranlagen parallel betrieben und untersucht werden können. Die Einrichtung der Versuchsanlage umfasst die Installation von Mess- und Regeltechnik sowie von Probenahmeeinrichtungen vor und nach der Behandlungsstufe. Während des auf ein Jahr festgelegten Untersuchungszeitraumes erfolgen die chemischen Analysen von Wasser- und Feststoffproben. Die Betreiber des Altenheims beabsichtigen, das vom Zink gereinigte Regenwasser durch eine weitere Behandlungsstufe nachhaltig in Nutzwasser umzuwandeln, um so Trinkwasser einsparen zu können.
Für die Bearbeitung des Projektes ist ein Gesamtzeitraum von 24 Monaten vorgesehen. In Verbindung mit dem Projekt sollen Empfehlungen für die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ausgesprochen werden. Das Forschungsvorhaben wird vom MUNLV des Landes NRW gefördert.

