Im Schneidersitz zum Welterfolg
"Dienstagsgespräch" des Fachbereichs Wirtschaft mit Globalplayer Robert Böcker
Wer ein mittelständisches Unternehmen erfolgreich führen kann, hat Wirtschaft- Studierenden sicherlich eine Menge Interessantes zu berichten. Diese einleuchtende Annahme füllte Prof. Jürgen Bock, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft an der Hochschule Bochum, in den vergangenen zwei Monaten mit Leben. In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Dortmund organisierte er die so genannten „Dienstagsgespräche", in denen verschiedene Unternehmer aus der Region aus ihrer täglichen Praxis berichteten und den Studierenden gleichzeitig die Vielfältigkeit der handwerklichen Aktivitäten in mittelständischen Unternehmen vor Augen führten.
Die Reihe wurde von Anfang an mit großem Interesse aufgenommen. Regelmäßig war der Seminarraum mit über 70 Studierenden gut gefüllt. Die Berichte aus der Praxis beleuchteten für die interessierten Nachwuchskräfte die täglichen Herausforderungen, denen sich das Führungspersonal eines mittelständischen Unternehmens stellen muss.
Auch Robert Böcker von der Böcker AG gab in der vorerst letzten Veranstaltung einen Einblick in seinen Unternehmeralltag und referierte über Markteintrittsstrategien. Da er selbst "vor langer Zeit" sein Wirtschaftsdiplom an der Fachhochschule Bochum abgelegt hatte, wurde die Veranstaltung zum gleichermaßen unterhaltsamen wie informativen Heimspiel.
350 Beschäftige und Vertretungen in über 30 Ländern kann der Kran- und Aufzugsspezialist aus dem westfälischen Werne derzeit vorweisen, Tendenz steigend.
Robert Böcker hat das Unternehmen von seinem Vater übernommen und konsequent zum Branchenprimus ausgebaut. Sein spezielles Interesse galt und gilt dabei der Gewinnung und Betreuung von Kunden in aller Welt.
"Jedes Land hat seine ganz individuellen Anforderungen sowohl im Hinblick auf die Konstruktion der Gebäude als auch auf die Mentalität der Menschen", erläutert Böcker. So wurde etwa vor dem Markteintritt in Korea für ihn ein Benimmkurs nötig, in dem neben dem Essen mit Stäbchen auch die richtige Sitzhaltung für den Geschäftsabschluss eingeübt wurde. "Vier Stunden mit deutlich über 100 Kilo Körpergewicht im Schneidersitz zu hocken, war kein Vergnügen", lacht der stattliche Firmenchef.
Auf seinen Reisen erfährt er aus erster Hand, welche Wünsche seine Kunden haben und in welche Richtung sich die Branche entwickelt. "Es ist extrem wichtig, nicht nur im Büro zu hocken, sondern die Ohren immer am Markt zu haben", sagt Böcker. Dementsprechend sind auch die Ansprüche an seine Angestellten. Sprachliche Kenntnisse seien ebenso gefragt wie technische, so Böcker. Und jemand, der über den Tellerrand hinausblicken würde, hätte bei der internationalen Ausrichtung vieler deutscher Unternehmen sowieso bessere Karten.
Vom Europäischen Wirtschaftssenat (EWS) wurde Böcker in diesem Jahr zum Wirtschaftssenator berufen und soll mit seinem Wissen und seiner Erfahrung einen Beitrag für eine erfolgreiche Zukunft leisten. An der Hochschule Bochum kam er diesem Auftrag mit konkreter Wissensvermittlung und einer gesunden Portion Humor nach.
Die Reihe der "Dienstagsgespräche" wird im nächsten Jahr am Fachbereich Wirtschaft fortgesetzt. "Das Konzept ist sehr erfolgreich", freute sich Dekan Jürgen Bock: "Die Nachfrage bei den Studierenden war von Anfang an sehr groß und ein Austausch zwischen Hochschulen und Unternehmen kommt letztlich allen zugute." Dies bestätigten auch die durchwegs positiven Bewertungen in einer Umfrage, die Wolfgang Diebke von der Handwerkskammer Dortmund mit den Studierenden durchgeführt hatte.

