20.07.08: Entschieden
Die Sonne macht sich rar in Kanada
Trotz wetterbedingtem Ausfall der morgendlichen Ladephase geht das schönste SolarCar der Welt am Red River College in Winnipeg als drittes an den Start. Eine ungewisse Entscheidung, da kurz zuvor noch überlegt wurde, ob SolarWorld No.1 überhaupt an den Start der achten Etappe gehen soll. Mit ungefähr 2kWh ist zwar genug Energie in den Batterien, um den nächsten Check Point in der maximal zulässigen Zeit zu erreichen, aber es bliebe keine Reserve für den restlichen Tag. In diesem Fall wurde eine rein rationale Entscheidung gefällt. Neben dem Fahren der Etappe stand der Transport des SolarCars mit dem Anhänger zur Debatte. Die abzuwägenden Kriterien waren die angerechnete Zeit und die verbleibende Energie nach Erreichen des Check Points im 135 Meilen entfernten Brandon. Die allgemeinen Wettervorhersagen der Teams besagen, dass ab Brandon die Sonne scheinen soll. Trifft dies zu und endschließt sich das Team zum Transport mit dem Anhänger, so kann im Check Point gute drei Stunden geladen werden. Wertvolle Energie für die verbleibenden Etappen. Das aktuellste Bild des Wolkenradars lässt nicht ausschließen, dass sich nicht doch noch ein paar Wolken in den Weg der Bochumer schieben. Da die Entscheidung auf der Kippe steht und nicht das ausschlaggebende Argument für die eine oder die andere Vorgehensweise gefunden werden kann, entscheidet die Strategie zu fahren. Zur Sicherheit wird das Gepäck und die Ausrüstung aus dem Hänger auf die Fahrzeuge der mitreisenden Professoren Beese und Biesenbach aufgeteilt. So kann SolarWorld No.1 schneller verladen werden, falls sich herausstellt, dass die Etappe doch nicht zu schaffen ist.
Wie sich bald herausstellt, war die Entscheidung weiter zu fahren die richtige. Mit konstanten 60 Kilometern pro Stunde und damit 50% schneller als nötig, durchquert das Team die kanadische Einöde. Der erste Check Point des Tages wird sogar wieder einmal vor Waterloo erreicht. Das Principia College ist eine halbe Stunde vor den Bochumern angekommen und will gerade die Weiterreise antreten, stößt aber auf Probleme und kann erst verspätet starten. Ein paar Stunden später kann der deutsche Sonnenracer sogar an dem Zweitplatzierten vorbeiziehen, als dieser am Straßenrand steht. Die Wolkendecke ist mittlerweile durchbrochen und die Strecke ist nur noch vereinzelt abgeschattet.
Mit diesen gleichbleibenden Bedingungen können bis 18:20 Uhr etwa 310 Meilen zurückgelegt werden. An diesem Abend übernachten erstmalig alle zum deutschen Rennteam gehörenden Personen am gleichen Ort. Raststätte ist ein Campingplatz in „Indian Head“, an dem auch das Team aus Arizona unterkommt. Am morgigen Tag muss der nächste Stage Point in Medicine Hat erreicht werden. Ein anspruchsvolles Stück Weg von etwa 350 Meilen liegt jetzt noch vor den Bochumern. Schaffen sie die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit wie heute und treten keine unvorhergesehenen Ereignisse auf, sollte dies zu schaffen sein. Zumal das Wetter vielversprechend aussieht. Da eine neue Zeitzone erreicht wurde, ist das Team jetzt acht Stunden hinter der deutschen Zeit.



