14.6.2010: Alles im grünen Bereich
Der Tag bricht an. Bei einer frischen Brise trifft sich das Team auf dem Parkplatz vor der Unterkunft, um sofort loszufahren. Heute wird sich zeigen, ob sich die Mühen der vergangenen Tage auszahlen.
Eine kurze Teambesprechung auf dem Testgelände, schon kommt der erste Offizielle. Es soll sofort losgehen, ein umfangreiches Testprogramm muss absolviert werden. Nach Möglichkeit sollte alles an einem Tag geschehen.
Ein straffer Zeitplan von 9 bis 17 Uhr lässt keinen Spielraum für Fehler. Im stündlichen Wechsel sollen Elektrik und Mechanik, das Batterie-Überwachungssystem, Dynamik, Support-Ausrüstung, Fahrer, Aufbau und Maße, und das Solar-Array genau untersucht werden.
Zum ersten Treffen der Veranstaltung geht es nun geschlossen. Die Offiziellen stellen sich alle einmal vor. Sie machen klar, dass es ihnen nicht darum geht, hier Türsteher zu spielen, die diejenigen herein lassen, die ihnen gerade so gefallen. Doch das Fazit ist klar: Sicherheit geht vor. Was den Anforderungen der Prüfer nicht genügt, darf nicht ins Rennen.
Steve McMullen, der die ersten Tests und Befragungen durchführt, ist wie viele andere von der ASC kein Unbekannter für die Bochumer. Das Team stand seit langen mit allen wichtigen Personen in Kontakt, um schon im Vorfeld Regel- und Testdetails abzuklären. Die Tests verlaufen schnell und die kritischen Detailfragen von McMullen können kompetent beantwortet werden. Wer die Regularien gut kennt, ist hier klar im Vorteil
Keine 20 Minuten vergehen, dann darf Julian Stentenbach die erste Unterschrift auf einem grünen Aufkleber entgegennehmen: Bestanden! Statt eines Kommentars über mögliche Probleme steht in der Testzusammenfassung: "Very clean electrical system!"
Dem will Mechanik-Chef Nico Blüggel nicht nachstehen. Hier läuft es im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos. Die Reifen von Sponsor Schwalbe geben ein ebenso gutes Bild ab wie das gesamte Bremssystem. Kurvenfahrten, Starts und Stopps ohne besondere Vorkommnisse. Ein spannender Test: Der Notausstieg. Jeder Fahrer muss innerhalb kürzester Zeit aus dem geschlossenen Solacar aussteigen. Alle schaffen es mit sicherem Abstand zur 10-Sekunden-Hürde.
Am Abend des ersten Tages darf sich das Team damit rühmen, das erste und bisher einzige zu sein, das das dynamische Scrutineering geschafft hat. Gelbe und rote Punkte für problematische oder gar unzulässige Technik lassen sich auf der Liste der Teststationen nicht finden. Ein paar wenige Details wie eine zu leise Hupe und der enge Blickwinkel der Rückfahrkamera verhindern, dass bereits an diesem Tag das Scrutineering vollständig beendet werden kann. Probleme, die bis zum nächsten Morgen einfach zu beheben sind. Danach fehlt nur noch ein allerletztes Datenblatt zu den Batterien.
Viele Teams haben damit Probleme, vernünftige Datenblätter der Batteriehersteller zu erhalten. Das, was die Bochumer vorlegen konnte, überzeugte den Prüfer an entscheidender Stelle nicht: Laden nur bis 40°C Batterietemperatur. Dass SolarWorld No.1 mit einer Temperatur um die 50°C problemlos quer durch Australien und die USA gefahren ist, konnte diese Meinung leider nur wenig ändern.
Am Sonntagmorgen konnte, wie zu erwarten war, nun auch mit lauter Hupe und verbesserter Kamera geglänzt werden. 88 statt den nötigen 75 Dezibel, 150 Grad Weitwinkel anstatt der geforderten 60.
Um die verbleibende Zeit gut zu nutzen, geht es zum Üben wieder auf die Straßen. Mal schnurgerade durch die Landschaft geteert, mal im Zick Zack um jede Ranch. Immer mit den bekannten gelben Mittelstreifen und Schildern. Entgegen kommen entweder große Pick-ups und Mustangs auf dem Land oder Vans und Kleinwagen in der Stadt. Das Tempo ist begrenzt. Dafür fahren PKW wie LKW mit beinahe derselben Geschwindigkeit. Mit 110km/h über die Autobahn und immer noch mit 90 vorbei an den ländlichen Schulen.
Zurück auf der Motorsport Ranch bei Cresson. Bisher haben nur drei Teams auch den dynamischen Test geschafft. Aber es zeigt sich, was die Gemeinschaft der Solarcarteams bedeutet. Während die Crews, deren Checklisten bisher mit Rot und Gelb durchwachsen sind, emsig arbeiten, schwärmen andere, allen voran die Studierenden der Hochschule Bochum aus, um zu helfen. Michigans Wunsch nach einem Stück Holz zum Verkeilen ihrer Batterien konnte leider nicht nachgekommen werden. Dafür konnte man beispielsweise dem taiwanesischen Apollo-Team mechanisch wie elektrisch auf die Sprünge helfen. Neben ein paar Aluschrauben bekam das Team auch ein Batteriemodul ausgeliehen, um die nötige Abschaltung bei Übertemperatur zu realisieren. Damit die Taiwanesen, die eigentlich ein optisch durchaus schönes Auto vorzeigen können, zumindest schon mal ein zweites "Grün" bekommt. Zum Glück steht es nicht bei allem Teams so schlecht.
Am nächsten Morgen dann endlich Post von VRI, Sponsor des Teams in Sachen Batterien. Eine Bescheinigung, die die Eignung der Batterien offiziell macht.
Kurz nach acht Uhr gibt es nun endlich den ersehnten letzten grünen Aufkleber und die entsprechende Unterschrift. Bereit für die Rennstrecke und bereit für die Straße. Als erstes Team geht das SolarCar-Projekt der Hochschule Bochum durch das Scrutineering der ASC 2010.



