Projekt SolarCar

Springen Sie direkt zu: Inhalt, Hauptnavigation, Suche

Sprachwahl


Suchfunktion


Servicenavigation



Hauptnavigation überspringen

Hauptnavigation



21.6.2010: Wetterwende

Zieleinfahrt in Topeka
Zieleinfahrt in Topeka

Irgendwas liegt in der Luft: Kaum ist die Sonne aufgegangen, steht den Studenten der Schweiß bereits wieder auf der Stirn. Kaum ein Staat in den USA hat momentan eine Temperatur von unter 30 Grad zu verzeichnen. Aber es wird wohl eine nahende Gewitterfront sein, die das Warten auf den Rennstart keineswegs angenehmer macht.
So rechnet zumindest die Strategie für den heutigen Tag. Mittags und abends soll es nach der Wettervorhersage alles andere als sonnig werden. Wer heute Vollgas gibt, wird sein Pulver bereits für den nächsten Tag verschossen haben. Also heißt es erst mal einen Gang runter zu schalten und abzuwarten was kommt.

Es ist bekannt, dass in Amerika das Wort "groß" eine andere Bedeutung hat. Eine im Vergleich zu Deutschland pro Kopf sieben Mal größere Fläche will irgendwie gefüllt werden. Und eine Sache hat das Team schon bereits am Anflugtag zu spüren bekommen. Den Amerikanern mangelt es gewiss nicht an Beton. Bei Autobahnkreuzen müssen teils Höhenunterschiede von 30 oder mehr Metern überwunden werden, wenn man auf eine andere Verbindung wechseln muss. Bei sonst flachen Land.

Auch dem für diesen Tag nun angepeilten "Stagepoint" ist dies alles anzumerken. Es ist eine der Städte, die wie viele andere schnell aus dem Boden gestampft zu seien scheint. Die Geschichte von Topeka, der Hauptstadt des Staates Kansas, ist mit der der Eisenbahn verknüpft. Der Hochpunkt der Entwicklung der Schienenvernetzung der USA liegt weit zurück im 19. bis 20. Jahrhundert. Wer das Ruhrgebiet kennt, kann sich gut vorstellen, wie die Struktur der Bebauung hier aussieht. Auf Flächen so groß wie ganz Bochum kommen hier zudem gerade mal 122.000 Einwohner. Es ist eher flach und dafür zumindest ziemlich hell...

Das Support-Fahrzeug fährt heute als zweites Wetterfahrzeug bereits über eine Stunde mit Maximalgeschwindigkeit voraus. Es muss dringend geprüft werden, wie die reale Wetterlage in Topeka ist und wie sie sich entwickelt. Zunächst Schäfchenwolken, dann aber kurz vor Erreichen des Etappenziels, genannt Stagepoint, sieht es im wahrsten Sinne des Wortes düster aus. Starker Regen, kurz nachdem man am Hotel ankommt. Soweit alles nach den bisherigen Prognosen.

Gedränge an den Sonnenplätzen
Gedränge an den Sonnenplätzen

Doch der Fahrer des Solarcars sieht auf der eher kurzen Strecke - der Stagepoint sollte bis zum Mittag erreicht werden - keine einzige große Wolke. Der angesagte Sturm entpuppte sich nur noch als kleiner Ausläufer, der sich bis 11 Uhr von selbst auflöst. Nun wirklich nicht das, was erwartet wurde.

Das Team der Hochschule Bochum fährt um 12.05 Uhr ein, 40 Minuten nach Michigan. Dazwischen geschoben hatte sich noch einmal das Team Minnesota, das sich sichtlich über den vorläufigen zweiten Platz freut.  Ob sich mit deren Strategie der ständig wechselnden Geschwindigkeiten dieser Platz halten lässt, bleibt abzuwarten. Heute war es das zweite Überholmanöver, welches zur letztendlichen Platzierung beitrug. Wir lassen uns davon nicht zu sehr einschüchtern...
Das Solarcar des Teams Western Michigan fanden wir auf dem Parkplatz bereits im Trailer vor. Ebenso wie drei andere Teams haben sie die Etappe nicht komplett solar absolvieren können. Womöglich sind sie schon ausgeschieden.

Der Sinn des Stagepoints ist es, der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu bieten, viele der Solarautos zu sehen, die Teams sowie die Offiziellen wieder zusammen zu bringen und damit mehr Möglichkeiten zum Austausch zu bieten. Anders als in Australien, wo sich viele Teams genau einmal am Start und dann erst wieder im Ziel antreffen.

Auf dem eher kleinen Parkplatz in Topeka - heutiger Stagepoint - hat dies eine wirklich abstruse Folge. Zum Ende des Tages, als den Teams erst wieder das Laden der Autos gestattet wurde, beginnt ein heißes Schachern um die besten Plätze. Denn in genauer Nachbarschaft gibt es ein paar größere Häuser, die Schatten werfen. Ein Teammitglied kann am Ende noch knapp verhindern, dass im Trubel der Konkurrent Minnesota mit seiner Oberschale eines von Bochums wichtigsten Solarmodulen rammt. Andere Teams hatten da bereits selbst für das vorzeitigte Ende der eigenen Sonnentankstelle gesorgt, wie z.B. das asiatische Apollo-Team. Ein sehr großer Schaden am Array in Form von durchgebrannten Zellenkontaktierungen - vermutlich verursacht durch einen defekten Powerpoint-Tracker - minimiert die Leistung gravierend. Kentucky hingegen vergaß die ersten 1,5 Stunden des Tages das Array überhaupt anzuschließen. Nicht alle Teams konnten bis zur erneuten erzwungenen Abgabe der Batterien ("Impound" = Beschlagnahmung) die Sonne voll ausnutzen. Bochum schon.

Was vielen Teams sicherlich Freude bereitet hat, nämlich das doch freundlichere Wetter, schmälert zwar den strategischen Vorsprung des deutschen Teams. Aber zumindest geht es morgen mit vollen Batterien ins Rennen. Da erstmalig der gesamte Tag genutzt werden kann, möchten wir möglichst viele Meilen hinter uns bringen, um dem Ziel, Chicago, ein ganzes Stück näher zu kommen.

Nächster großer Zwischenhalt ist dann Jefferson City, Hauptstadt von Missouri.

Zusätzliche Information