Projekt SolarCar

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Freitag, der dreizehnte... Das Rennen ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist

Jubel im Ziel
Jubel im Ziel
Auf dem Weg nach Adelaide
Auf dem Weg nach Adelaide

Die Nacht brachte das Thermometer in die 10-Grad-Region. Von kühler Stimmung kann aber keine Rede sein im Bochumer Lager. Die Spannung so kurz vor dem Ziel spürt man bei jedem. Das Rennteam muss heute früher los, denn zwischen Schlafplatz und Startlinie des Solarcars liegen ein paar Kilometer.

Der Wetterbericht kündigt für den späten Vormittag Regen an. Die Batterie ist wieder vollgeladen, also geht es mit 90 km/h auf die Straße nach Adelaide. Eine Wasserschlacht, die außerhalb des Springbrunnens auf dem Victoria-Square stattfindet, will man unbedingt vermeiden. Links und rechts der Strecke prägen weite Kornfelder die Landschaft. Noch ziehen Sonnenstrahlen über die Ähren, es zieht sich aber immer mehr zu.

Die Kollegen aus Eindhoven haben das Problem mit Mittelkonsole und Lenkung offensichtlich in den Griff bekommen und verfolgen die Bochumer mit etwa 40 Kilometern Abstand. Noch 80 km bis zur Ziellinie. Der vom Veranstalter zugewiesene Funkkanal füllt sich zunehmend mit australischen Funksprüchen. Manchmal taucht das Wort "Solarcar" in dem breiten Sprachfluss auf, mehr ist kaum zu verstehen bis auf ein Wort mit f, dessen vollständige Verschriftlichung sich in diesen Zeilen verbietet.

Zeit für eine vorläufige Bilanz für das Bochumer Team: Wie erwartet, findet auch der thyssenkrupp blue.cruiser mit seinem spektakulären Design den Schlüssel, um Emotionen bei allen zu wecken, die ihn sehen. Technik und Wetter stellten die Studierenden vor unglaubliche Herausforderungen. Selten war ein Solarcar so knapp davor, den Wettbewerb ohne Wertung beenden zu müssen. Mut, Ausdauer und Teamgeist zeichnen diese Studierenden aus. Diese "Tugenden" haben sie durch den roten Kontinent gebracht. Große Sympathie begegnet den Deutschen bei anderen Teams. Offenheit und Hilfsbereitschaft zeichnen diese World Solar Challenge aus. Michigan vertauscht Diesel und Benzin beim Tanken, die Bochumer helfen beim Abpumpen. Ohne die Controller aus Cambridge hätte Bochum gar nicht erst starten können. Ein Bohrschrauber fehlt zum Nachbessern bei der Abnahme? Kein Problem, eine Leihgabe aus Schweden hilft weiter.

Mit dem Trailer auf den letzten Metern angekommen
Mit dem Trailer auf den letzten Metern angekommen
Erlöste Gesichter beim Bochumer SolarCar-Team
Erlöste Gesichter beim Bochumer SolarCar-Team

Die Straße wird vierspurig. Unangenehme Erinnerungen ewerden bei denen wach, die vor 2 Jahren hier mit dabei waren. Der SunRiser musste in dichtem Verkehr mit leerer Batterie stehen bleiben und zum Laden in die Wiesenböschung fahren. Das kann heute nicht passieren, 40 Kilometer vor dem Ziel.

Die Wolkendecke lässt nur noch wenig Energie von der Sonnen durch. Am Horizont scheint Regen zu fallen. Reicht die Zeit, um trocken anzukommen?

Irgendwie spannend muss es am Ende wohl immer sein. Die Hände werden jedenfalls schon mal feucht. Die ersten Tropfen treffen die Windschutzscheibe. Der Scheibenwischer beim blue.cruiser ist aus aerodynamischen Gründen abgebaut. Unkritisch an dieser Stelle, denn es bleibt bei wenigen Tropfen.

Der Victoria-Square kommt in greifbare Nähe. 2 Kilometer vorher ist ein Haltepunkt eingerichtet. Hier müssen alle Begleitfahrzeuge abgestellt werden. Die Teammitglieder sollen in einen Bus umsteigen. Das Solarcar soll in Begleitung von Marshall-Fahrzeugen den Berg zur finalen Ziellinie auf dem Siegesplatz allein fahren. Einige steile Anstiege sind bis dahin noch zu absolvieren. Wenige hundert Meter vom Haltepunkt passiert es: Wieder steigt ein Motorcontroller endgültig aus, mit einem allein fährt der blue.cruiser nicht mehr an, er braucht schiebende Unterstützung. So geht es natürlich auch den letzten Anstieg zur Ziellinie nicht mehr hoch. Also wird das Solarcar per Trailer die letzten 2 Kilometer gebracht. So kurz vor dem Ziel, einen bittere Erfahrung für das Team. Trotzdem lässt man sich die Stimmung nicht vermiesen und feiert den Zieleinlauf nach Bochumer Tradition laut und heftig. Und natürlich darf auch ein Burn-out nicht fehlen, diesmal aber mit Unterlage, damit der rote Empfangsteppich an der Ziellinie kein Loch bekommt.

Bad im Brunnen
Bad im Brunnen
Auf Händen getragen: Team-Chefin Carina Heyer
Auf Händen getragen: Team-Chefin Carina Heyer

Der Ankunftsritus verlangt jetzt ein kollektives Bad im Springbrunnen des Platzes. Mit großem Geschrei und Wasserspielzeugen, die Matthias Wiemers besorgt hat, geht es ins Wasser. Feiern können die Bochumer und sie haben trotz des Dramas am Schluss auch allen Grund dazu. Drei Teams mit Bochum aus der Cruiser-Klasse und 12 Teams aus der Challenger-Klasse haben die Distanz über 3000 Kilometer in der vorgesehenen Zeit gemeistert, 30 Solarcars sind aus der Wertung ausgeschieden. Noch steht der blue.cruiser auf Platz 2 der Scoring-Wertung. Ob die nicht selbst gefahrenen kurzen Strecken Konsequenzen haben werden, bleibt abzuwarten. Morgen startet die Praktikabilitätsprüfung. Es bleibt abzuwarten, wieviel Punkte man dabei ohne funktionierenden Antrieb machen kann.

Noch ist der Wettbewerb nicht zu Ende. Dieser Freitag, der dreizehnte, wird aber in Erinnerung bleiben.

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