Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

5 Jahre Lehrerausbildung an Fachhochschulen in NRW

ISD

Spannender Nachmittag beleuchtete besonderen Studienweg

Prof. Dr. Eckehard Müller, Leiter des Zentrums für Lehrerbildung an der Hochschule Bochum, erläuterte das spezielle Studienmodell der mit der Universität Wuppertal kooperierenden Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Die Bremer Professorin Dr. Maren Petersen weitere den Blick des Auditoriums auf die Berufschullehrer-Ausbildung durch ihre Beschreibung norddeutscher Lösungen und zeigte zudem auf, wie das Spannungsfeld verschiedener aufeinandertreffender Arbeits- und Sozialisierungsformen der angehenden Lehrerinnen und Lehrer ist.

Ist Lehrermangel schon an Grundschulen ein wachsendes Problem, ist er es erst recht an den Berufskollegs des Landes, an denen allgemeine mit beruflicher Bildung kombiniert wird. Denn dort stehen MINT-Fächer und technisches Arbeitsprozesswissen nicht selten im Mittelpunkt der Lehre. Woher sollen die Lehrerinnen und Lehrer kommen, die dies unterrichten?

Die Bertelsmann Stiftung, die 2018 ihren Bericht über den Einstellungsbedarf in beruflichen Schulen bis 2035 vorlegte, unterstreicht die Dringlichkeit von geeignetem Lehrerkräftenachwuchs. Der vorläufig prognostizierte Rückgang an Schülerzahlen wird die zukünftige Pensionswelle der Lehrkräfte an beruflichen Schulen nicht auffangen. In den kommenden 15 Jahren wird etwa die Hälfte aller Lehrkräfte aus dem Schuldienst ausgeschieden sein – genug Nachwuchs, der an den Universitäten ausgebildet wird, ist bisher nicht in Sicht. Angesichts dieser Situation bedarf es an Maßnahmen, die dem Lehrerkräftemangel entgegentreten.

Seit fünf Jahren leisten in NRW Fachhochschulen einen verstärkten Beitrag, um diesen Lehrermangel zu mildern: So entstand 2014 aufgrund der Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal an der Hochschule Bochum  ein „Zentrum für Lehrerbildung“. Daran erinnerte Hochschulpräsident Prof. Dr. Jürgen Bock bei einem Nachmittag am 12. Juni 2019 im Hörsaal des Geothermiezentrums, der sich diesem kleinen Jubiläum widmete, und zu dem eine Reihe von Gästen beteiligter Hochschulen und auch von Berufskollegs erschienen waren. Die Stunden standen unter dem Thema: 5 Jahre Lehrerausbildung an Fachhochschulen – Etabliert oder Seifenblase?

Prof. Dr. Eckehard Müller, Leiter des Zentrums für Lehrerbildung und Gastgeber der Veranstaltung, stellte das kooperative Studienmodell zwischen den Fachhochschulen und Universitäten in der Lehrerausbildung in NRW zusammen mit Carolin Mas Mas (BO) und Annekatrin Holz (FH SWS) vor. Dabei können die Studierenden ihr Ingenieur-Bachelorstudium normal durchlaufen. Es ist lediglich darauf zu achten, dass der Studiengang und seine Module für den Zugang zum Lehramt am Berufskolleg anerkannt werden. Für das anschließende Masterstudium (Master of Education) an der Bergischen Universität Wuppertal braucht es ausschließlich drei weitere Voraussetzungen: zum einen ein fünfwöchiges Praktikum an einer Schule, die Teilnahme an einem Bildungswissenschaftlichen Seminar(„Lehrer/-in am Berufskolleg“) und – optional – ein Blockseminar „Technikdidaktik“.

Dr. Michaela Heer, Geschäftsführerin des Servicebereichs der School of Education der Wuppertaler Hochschule betonte bei ihrer Vorstellung des berufsbegleitenden Studienmodells der Bergischen Universität auch wichtige Vorteile: Es gibt den Berufskollegs, bei denen die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer berufspraktische Erfahrungen sammeln, diese frühzeitig an sich zu binden. Zudem qualifiziert das Studienmodell am Ende zu einem vollwertigen Abschluss, der den Zugang zum Vorbereitungsdienst im Berufskolleg eröffnet und mit der Staatsprüfung abschließt. Die Absolventinnen und Absolventen können also verbeamtete Lehrkräfte erden. Es bietet also nicht nur eine modulare Weiterbildung, sondern ist ein Weg zum grundständigen Lehrerberuf.

Auch wenn jedes Jahr nur eine Handvoll Ingenieurstudierende den Weg nach Wuppertal und dann an die Berufskollegs finden mögen, so ist diese als Pilotprojekt angelegte Möglichkeit doch weit mehr als eine „Seifenblase“. So bekommt die Bergische Universität von den kooperierenden Fachhochschulen 20 zusätzliche Masterstudierende.  

Einen weiteren Focus brachte Prof. Dr. Maren Petersen von der Universität Bremen in das Bild der Berufskolleg-Lehrerausbildung: Gerade weil viele Wege zum Lehramt an Beruflichen Schulen führen, auch unterschiedliche von Bundesland zu Bundesland, ist es außerordentlich schwer, die Bedürfnisse der Studierenden auf dem Weg zur/m guten Berufskolleg-Lehrerin oder -Lehrer immer zufriedenstellend abzudecken. Und eine spezielle Herausforderung sei das Aufeinandertreffen verschiedener Arbeits- und Sozialisierungsformen. So prägt die Ingenieurausbildung zu einem systematischen ergebnisorientierten Denken, das lehrpädagogische Können hingegen stellt die Interaktion von Menschen in den Mittelpunkt. Reines Fachwissen, wie es im Studium erworben wird, ist mit dem Arbeitsprozesswissen, das häufig am Berufskolleg vermittelt werden soll, nicht identisch. Diese Spannungsfelder müssen die Berufsschullehrer aushalten und zusammenbringen.

Das, so stellte die Podiumsdiskussion am Ende des Nachmittags fest, braucht vor allem Geduld und Zeit. Aber es lohnt sich.