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Demokratie braucht Inklusion – Hochschulen mit Vorbildfunktion

An der Hochschule Bochum wird derzeit ein Aktionsplan zum Thema Inklusion erarbeitet

Jürgen Dusel (links), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, traf sich mit dem Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Studium und Behinderung in NRW, Prof. Dr. Dieter Rüth, sowie Studierendenvertreter Benjamin Thomas in Bochum zum Austausch über das Thema Inklusion an Hochschulen.

Von Rüdiger Kurtz

Mit Jürgen Dusel war der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Ende der Woche an die Hochschule Bochum gereist, um sich mit Prof. Dr. Dieter Rüth, dem Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Studium und Behinderung in NRW, sowie Studierendenvertreter Benjamin Thomasintensiv über das Thema Inklusion an Hochschulen auszutauschen.

"Ich möchte meine Amtszeit dazu nutzen, dass Inklusion in Deutschland zur Normalität wird", erläutert Dusel, der am 9. Mai 2018 von der Bundesregierung als Beauftragter für die aktuelle Legislaturperiode ins Amt berufen worden war. "Teilhabe ist ein grundlegendes Menschenrecht, das für uns alle gilt", so der ausgebildete Jurist, der selbst seit seiner Geburt stark sehbehindert ist. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam aufwachsen, leben und voneinander lernen könnten. "In einer vielfältigen und gut funktionierenden Demokratie brauchen alle Menschen Wertschätzung, faire Chancen und umfassende Möglichkeiten der Teilhabe. Daher lautet das Motto meiner Amtszeit auch 'Demokratie braucht Inklusion'", so Dusel.

Barrierefreiheit sei in diesem Zusammenhang ein zentrales Thema. An vielen Hochschulen und Universitäten in Nordrhein-Westfalen stellt die Barrierefreiheit allerdings immer noch eine große Herausforderung für die Inklusion in den Hochschulalltag dar, wusste Prof. Dr. Dieter Rüth, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Studium und Behinderung in NRW, zu berichten: "Leider wird die Barrierefreiheit immer noch zu häufig negativ konnotiert", so Rüth: "Dabei sollte sie insbesondere auch bei öffentlichen Einrichtungen selbstverständlich sein, um Menschen mit Behinderungen die gesellschaftliche Teilhabe und damit ein würdiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen."

Als Studierendenvertreter wies Benjamin Thomas darauf hin, dass die kürzlich veröffentlichte BEST2-Studie des Deutschen Studierendenwerks deutlich gezeigt habe, dass sich immer mehr Menschen mit Behinderung ein Studium zutrauen. "Aktuell haben über 10 % der Studierenden an Hochschulen in NRW eine Einschränkung", so Thomas. Insbesondere die Zahl der Studierenden mit nichtsichtbaren Behinderungen sei in den letzten Jahren stark gestiegen.

"An der Hochschule Bochum erstellen wir derzeit einen Aktionsplan, um dem Thema der Inklusion Rechnung zu tragen", berichtete Professor Dieter Rüth, der sich als Senatsbeauftragter für Behinderte und chronisch Kranke seit Jahren intensiv mit dem Thema befasst. Wichtig sei dabei die Einbindung aller Statusgruppen. "Die Inklusion von Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung in die Mitte unserer Gesellschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", pflichtete Jürgen Dusel ihm bei und bedankte sich dafür, dass die Hochschule Bochum hierbei eine Vorbildfunktion übernehmen möchte.