Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

Mittlerin zwischen den Disziplinen

Mit Prof. Dr. Mi-Yong Becker kommt eine praxiserfahrene Wissenschaftlerin nach Bochum, die erst kürzlich mit dem Deutschen Umweltpreis 2018 ausgezeichnet wurde

Mi-Yong Becker auf dem Hügel der Zitadelle von Amman während ihres Jordanien-Aufenthaltes.

Mi-Yong Becker freute sich gemeinsam mit ihren Kollegen Dipl.-Ing. Michael Hirschfeld, Dr. Manfred van Afferden und Prof. Dr. Roland Müller (v.l.n.r) über die Verleihung des Deutschen Umweltpreis 2018 durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) in der Messehalle Erfurt. Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Von Rüdiger Kurtz
Ab diesem Sommersemester wird Mi-Yong Becker als Professorin für Nachhaltigkeit, insbesondere ökonomische Ausrichtung, am Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bochum lehren. Ihr Interesse gilt insbesondere den "Rändern" der Wirtschaftswissenschaften und der Frage, wie verschiedene Wissenschaftler und Disziplinen voneinander profitieren können. Für den Studiengang Nachhaltige Entwicklung sei der Wissenstransfer essentiell, so die 48-jährige: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man zu den besten Ergebnissen kommt, wenn mehrere kluge Köpfe mit unterschiedlichem Vorwissen gemeinsam mit der Praxis nach Lösungen suchen." Daher möchte sie gerne als Mittlerin zwischen den Disziplinen und Studiengängen an der Hochschule Bochum fungieren.

Ihre Eltern waren Ende der 60er Jahre als Gastarbeiter aus Korea nach Deutschland gekommen. Ihr Vater war unter anderem als Bergmann im Ruhrgebiet tätig, die Mutter hat lange als Krankenschwester gearbeitet. Der Kontakt zu Verwandten nach Korea besteht nach wie vor. Über ein Stipendium verbrachte Mi-Yong Becker 1999 ein Jahr zu Forschungszwecken in Südkorea.

Geboren und aufgewachsen in Köln, studierte sie nach dem Abitur zunächst in Bielefeld, wo sie bereits ihren heutigen Mann, den Journalisten Stefan Becker, kennenlernte. Nach der Promotion in Heidelberg und einem DFG-Stipendium an der Universität Tübingen, wechselte Mi-Yong Becker 2007 an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Für das UFZ war sie bis Februar 2019 tätig, zuletzt als Leiterin der Arbeitsgruppe "Steuerung und Innovation" im Department Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum. Von 2012 bis 2015 war sie Leiterin des Büros des Nationalen Implementierungskomitees für dezentrales Abwassermanagement im jordanischen Wasserministerium.

"Die Zeit in Jordanien war spannend und sehr intensiv", so Becker. Für die Entwicklung und die politische Umsetzung einer dezentralen Abwassersystemlösung im Haschemitischen Königreich erhielt Mi-Yong Becker gemeinsam mit drei Kollegen vom UFZ den Deutschen Umweltpreis 2018. Die mit insgesamt 500.000 Euro höchstdotierte unabhängige Umweltauszeichnung Europas wurde dem Team sowie einer weiteren Forscherin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

"Der Medienrummel um die Preisverleihung war enorm", erinnert sich Becker. Inzwischen sei zum Glück wieder etwas Ruhe eingekehrt. "Die brauche ich jetzt auch, um mich auf meine Lehrtätigkeit an der Hochschule Bochum vorzubereiten", so die Wirtschaftsdozentin. Mit viel positiver Energie startet sie in ihren neuen Lebensabschnitt. Diese Energie möchte sie auf ihre Studierenden übertragen. "Wissenschaft kann auch Spaß machen", lacht Becker, auf deren Lehrplan unter anderem die Fächer "Wissenschaftstheorie und Ethik der Nachhaltigkeit" und "Theorien zum Verhältnis von Mensch, Technik, Natur und Gesellschaft" stehen.

Auf die Frage, wie ihre ersten Eindrücke von der Hochschule und von Bochum seien, antwortet die Dozentin spontan mit "Super!". Erst kürzlich hat sie eine Wohnung im Ehrenfeld bezogen. "Gut, die Architektur ist von zweifelhafter Schönheit", sagt sie augenzwinkernd, "aber die Menschen sind offenherzig und die Stimmung sowie das Umfeld an der Hochschule und in der Stadt gefallen mir sehr gut."

Ihre recht knapp bemessene Freizeit verbringt die Neu-Bochumerin am liebsten mit aktiver Entspannung: Kochen, Stricken, Yoga und Wandern stehen ganz oben auf der Liste. Letzteres gerne auch lange und intensiv. Den europäischen Fernwanderweg von Oberstdorf nach Meran und einige Dolomitenhöhenwege ist sie bereits gewandert. Weitere sollen folgen. "Dafür trainiere ich jetzt täglich bei meinen Wanderungen zwischen den Hörsälen und meinem Büro in der 5. Etage", lacht die frisch ernannte Professorin für Nachhaltigkeit.