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Zwischen Organisation und Improvisation

Wirtschaftsstudierende der Hochschule Bochum zeigen Ausstellung "Perspektivwechsel"

Kunstaustellung "Perspektivwechsel" von BWL-Studierende

Großer Andrang herrschte bei der Vernissage der Kunstaustellung "Perspektivwechsel" an der Hochschule Bochum. Neben Zeichnungen und Gemälden präsentierten die ausstellenden BWL-Studierenden auch verschiedene Stuhlplastiken.

Von Rüdiger Kurtz

Ein Jahr lang lernten fünf Bochumer BWL-Studierenden in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Karla Christoph verschiedene Kunstbereiche und Maltechniken kennen. Ziel war es, die eigene Kreativität, die im Wirtschaftsstudium oft zu kurz kommt, neu zu entdecken, eigene Kunstwerke anzufertigen und diese schließlich auch der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Anfänglich keine leichte Aufgabe, wie die Studierenden auf Nachfrage verrieten. "Im BWL-Studium haben wir ein Fach Organisation jedoch kein Fach Improvisation", erzählte Murat Konusul: "Dieser Aspekt wird vernachlässigt, obwohl er sicherlich genauso wichtig ist. Was tun, wenn etwas nicht so klappt wie man es geplant und organisiert hat? Dann muss man Improvisieren, schnell und oft auch kreativ richtige Entscheidungen finden und treffen."

Aber wie gelangt man von dem zuvor im Studium gelernten strukturierten Vorgehen zu einer kreativ künstlerischen Herangehensweise? Zunächst einmal besuchte die Studierendengruppe mehrere Kunstausstellungen. Über Gespräche mit den Künstlern entwickelte sich ein erster Zugang zu den teilweise abstrakten und anfänglich auch unverständlichen Werken. Schon bald folgten erste Gedanken zu den eigenen Kunstwerken.

"Wir haben uns schnell auf den Ausstellungstitel 'Perspektivwechsel' geeinigt", erinnerte sich Rukiye Dogan. Auf Richtlinien und konkrete Zielvorgaben zur Umsetzung der eigenen Ideen wurde bewusst verzichtet. "Die Studierenden sollten individuelle Wege zu ihren Kunstwerken finden", erläuterte Karla Christoph: "Diese Strukturlosigkeit zu ertragen war für einige anfangs sehr schwierig." Nachdem die ersten Hemmungen abgebaut waren, machten sich die Studierenden dann aber schnell und mit wachsender Begeisterung ans Werk.

"Konkreter Ausgangspunkt für unsere eigenen Arbeiten sollte jeweils ein Stuhl als Symbol für Bodenständigkeit und Stabilität sein", erinnert sich Hilal Surul. Die fünf BWL-Studierenden beschlossen, jeweils einen wirtschaftlichen Begriff anhand eines Stuhles gestalterisch umzusetzen. Nadine Grinimajer entschied sich für den Begriff "Konkurrenz". Zuerst schliff sie ihren Stuhl sorgfältig ab. Dann wurde er weiß lackiert und die Sitzfläche entfernt. An ihre Stelle trat die eigentliche künstlerische Komposition, ein riesiges Bündel langer transparenter Strohhalme, die pyramidenförmig angeordnet wurden. "Das ist meine Vision von Konkurrenz: jeder fängt klein an und versucht sich nach oben zu arbeiten, um einen Platz an der Spitze zu ergattern", erläuterte Grinimajer: "Die Basis ist breit, die Spitze setzt sich aus nur wenigen Halmen zusammen."

Vladimir Krashnouhov wählte den Begriff "Qualität". Zunächst sägte er seinen Stuhl in zwei gleiche Hälften. Die eine ließ er wie sie war, die andere wurde "aufgewertet". "Ich habe eine Umfrage durchgeführt, was sich Menschen unter einem qualitativ hochwertigen Stuhl vorstellen", erläutert Krashnouhov seine Herangehensweise: "Häufig genannt wurden Stabilität, eine gute Polsterung, edle Materialien und harmonierende Farben." Entsprechend gestaltete er die eine Stuhlhälfte mit schwarzem Hochglanzlack und einer edlen Lederpolsterung, die einen starken Kontrast zu der groben Holzversion der anderen Hälfte bildet.

"Allen Studierenden ist es hervorragend gelungen, ihre Begriffe gleichzeitig künstlerisch und für den Betrachter nachvollziehbar umzusetzen", freute sich Wirtschaftsprofessorin und Mitorganisatorin Martina Meyer-Schwickerath über das gelungene Projekt. Neben den Stühlen präsentierten die Studierenden auf der Vernissage auch zahlreiche spannende Zeichnungen und Gemälde. Begeistert zeigten sich neben den vielen erschienen Gästen am Ende auch die jungen Künstler.

"Auch in der Kunst gibt es Regeln und Techniken, die, wenn man sie beherrscht, zu guten Ergebnissen führen", resümierte Studentin Nadine Grinimajer: "Im Unterschied zur BWL setzen sie einem aber keine Grenzen, sondern unterstützen das eigene Schaffen. Diese Erkenntnis hat meinen Horizont erweitert und mir gezeigt, dass es viele Wege gibt, um sein Ziel zu erreichen."

 

Bildunterschrift des nachfolgenden Fotos:

Großer Andrang herrschte bei der Vernissage der Kunstaustellung "Perspektivwechsel" an der Hochschule Bochum. Neben Zeichnungen und Gemälden präsentierten die ausstellenden BWL-Studierenden auch verschiedene Stuhlplastiken.