Anna-Lena Goldner hat am Gesundheitscampus der Hochschule Bochum den Bachelorstudiengang Logopädie absolviert. Seither arbeitet sie als Logopädin in einer Sprachheilpraxis und stärkt Menschen in deren Kommunikation. Parallel ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich Logopädie tätig und schreibt an ihrer Abschlussarbeit im Masterstudium Angewandte Gesundheitswissenschaften. In unserer Alumni-Interview-Reihe blickt Anna-Lena Goldner aufs Studium der Logopädie zurück und berichtet aus ihrem heutigen Berufsleben.
Warum der Studiengang …
Große Teile meiner Familie sind im Gesundheitsbereich tätig. Meine Mutter hat zum Beispiel in der Altenpflege gearbeitet und ist heute in der Pflegeberatung tätig. Mir war früh klar, dass mein beruflicher Weg ebenfalls in den Gesundheitsbereich führen soll. Beim Pflegepraktikum in einem Krankenhaus habe ich eine Logopädin kennengelernt, die im stationären Setting mit Menschen an Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen arbeitet. Das fand ich sofort spannend. Schon beim ersten Reinschnuppern hat mich das Logopädie-Studium am Gesundheitscampus überzeugt. Das Studium vermittelt Inhalte aus der Medizin, Linguistik, Psychologie und Pädagogik. Wissenschaft und die praktische Berufsausbildung werden dort miteinander kombiniert, sodass mit dem Studium zwei Qualifikationen erworben werden: die Zulassung als staatlich anerkannte Logopädin oder anerkannter Logopäde für den Berufsweg in die Praxis und der akademische Grad ‚Bachelor of Science‘ für den weiteren wissenschaftlichen Werdegang.
Was nach dem Studium geschah …
Im fünften Semester gehen die Studierenden in eine Praxisphase, in der sie für jeweils drei Monate zwei verschiedene Einrichtungen besuchen. Mit einem Mal war ich ganz schnell mittendrin im logopädischen Arbeiten. Dort habe ich eigene Behandlungspläne entwickelt und Therapien begleitet. Der Studienbereich verfügt über einen stetig wachsenden Pool mit über 200 Praxispartnerinnen und -partnern, darunter sind zum Beispiel ambulante Praxen, Rehakliniken oder Krankenhäuser. Ich bin heute als Logopädin in einer Bochumer Sprachheilpraxis tätig, die auch in dem Praxispartner*innenpool vertreten ist. Parallel zu meiner Tätigkeit in der Praxis schreibe ich am Gesundheitscampus meine Abschlussarbeit im Masterstudium ‚Angewandte Gesundheitswissenschaften‘ zum Berufsbild der akademisch ausgebildeten Logopädin und unterstütze das Team des Studienbereichs Logopädie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Lehre, Forschung und Verwaltung.
Mein heutiger Berufsalltag …
in der logopädischen Praxis ist abwechslungsreich und erfüllend, weil ich mit Menschen zusammenarbeiten darf. Besonders schön ist es zu sehen, wie viel Vielfalt in unserem Patient*innenstamm steckt. In der Logopädie arbeiten wir mit Menschen aller Altersstufen – vom Säugling bis hin zum Senior im höheren Lebensalter. Meist beginnt mein Tag morgens in einer Kindertagesstätte. Beim Spielen mit den Kindern beobachte ich sie auf sprachliche Auffälligkeiten hin und fördere spielerisch ihre Kommunikation. Anschließend bespreche ich Auffälligkeiten und Entwicklungen mit den Erzieher*innen. Gemeinsam arbeiten wir Förderkonzepte für einzelne Kinder aus. Außerdem unterstützen mich die Erzieher*innen bei der Übermittlung von Empfehlungen und Hausaufgaben an die Eltern. Dann wechsle ich in die Praxis, wo ich je nach Terminplan 45-minütige Einzeltherapieeinheiten mit Kindern oder Erwachsenen durchführe. Aktuell habe ich viele kleine Patientinnen und Patienten mit Sprachentwicklungsstörungen, mit denen ich an ihrer Artikulation, Grammatik oder ihrem Wortschatz arbeite. Neben der Kindersprache liegen meine Schwerpunkte im Bereich Redeflussstörungen wie Stottern und Poltern sowie Stimmtherapie, beides vor allem bei Erwachsenen. Mit Personen, die stottern oder poltern arbeite ich zum Beispiel gemeinsam an der Identifikation der Auffälligkeiten im Redefluss und zeige Techniken für eine flüssigere Kommunikation. Bei Menschen mit Stimmproblemen stehen das Wahrnehmen und Ablegen ungesunder Angewohnheiten in der Stimmgebung zugunsten nachhaltiger Sprechtechniken im Vordergrund. Das Berufsbild der Logopädie ist sehr vielfältig, es ist aber auch eine engere Spezialisierung möglich. An die Therapiezeit schließt sich meine Bürozeit an, in der ich die Therapieeinheiten des Tages dokumentiere, einzelne Elterngespräche führe und mir Zeit für interprofessionellen Austausch nehme, um beispielsweise Behandlungsziele aufeinander abzustimmen. Im Studium habe ich es sehr geschätzt, dass wir Logopädie-Studierenden auch gemeinsame Lehrveranstaltungen mit Studierenden benachbarter Disziplinen der Gesundheit hatten, zum Beispiel aus der Ergo- oder Physiotherapie. Die gute Vorbereitung aufs interprofessionelle Arbeiten hilft mir heute sehr. Ich greife häufiger zum Telefon und bespreche mich mit Kolleg*innen aus dem Gesundheitswesen, daraus haben sich schöne Kooperationen ergeben, um interdisziplinär anspruchsvolle Störungsbilder ganzheitlich zu behandeln.
Das habe ich aus dem Studium mitgenommen …
Das Logopädie-Studium befähigt selbständig in der Praxis zu arbeiten und erworbene Forschungskompetenzen anzuwenden. Wenn ich heute Patient*innen mit sehr komplexen Störungsbildern betreue, recherchiere ich häufig nach aktuellen Studien, in die ich mich hineinlesen und über die ich zusätzliche Erkenntnisse gewinnen kann. Diese Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens habe ich im Studium erworben und ist im Praxisalltag wertvoll. Die Logopädie befindet sich in einem ständigen Wandel. Durch technologischen Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse über logopädisch relevante Erkrankungen können wir Therapien fortlaufend optimieren und so das Patient*innenwohl sichern. Der Studienbereich hat uns mitgegeben, dass wir als akademisch qualifizierte Fachkräfte neben der Arbeit in der Praxis auch gebraucht werden, um unsere noch junge Disziplin weiterzuentwickeln. Ich finde den Gedanken schön, nicht nur ein Rädchen im System, sondern auch Teil derer zu sein, die den eigenen Beruf über Forschungstätigkeiten weiterentwickeln. Dabei habe ich aus dem Studium ebenso mitgenommen, beim Forschen nie den Bezug zur Praxis zu verlieren, sondern anwendungsorientiert mit Blick auf aktuelle logopädische Störungsbilder zu forschen.
Erinnerungen an meine Studienzeit …
Ein Highlight im Studium war das Arbeiten in den Skills-Labs, den praxisnahen Lehrräumen am Gesundheitscampus. Das Herzstück des Studiengangs ist die Lehr- und Forschungsambulanz, die aus mehreren Behandlungs- und Beobachtungsräumen besteht. Im Behandlungsraum gewinnen die Studierenden erste therapeutische Praxiserfahrungen an echten Patient*innen unter der Anleitung erfahrener Lehrkräfte. Im Beobachtungsraum haben Kommiliton*innen die Möglichkeit hinter verspiegelter Fläche Behandlungen zu beobachten. Woran ich mich ebenfalls gerne erinnere ist der Materialschrank des Studienbereichs. Zum Kennenlernen und Ausprobieren hält er für die Studierenden eine enorme Bandbreite an logopädischen Diagnostik- und Therapiematerialen bereit. Neues Material kommt dort sofort hinein, da sind alle aus dem Studienbereich hinterher. Schöne Erinnerungen verbinde ich auch mit den Kommiliton*innen. Ich erinnere mich an viele Momente des gemeinsamen Lernens, die besonders dann richtig guttaten, wenn man selbst gerade am Lernstoff verzweifelte. Jeder Lerntyp ist anders, aber mir hat es sehr geholfen mit anderen zusammen zu lernen, sich über die Inhalte auszutauschen und gemeinsam den Lernstoff zu wiederholen – darauf blicke ich gerne zurück.
Mein Tipp für Studierende …
Der Studiengang ist sehr studierendennah angelegt. Der Kontakt zu den Lehrenden war übers ganze Studium hinweg wahnsinnig gut. Daher lege ich Studierenden ans Herz Lerninhalte früh zu wiederholen und Fragen zu stellen, wenn etwas unklar ist. Wir konnten immer und zu allem Fragen stellen. Die Atmosphäre am Studienbereich ist sehr warmherzig. Man spürt, dass die Lehrenden die Lerninhalte leben und Freude daran haben sie Studierenden zu vermitteln.
Das Interview führte Daniela Schaefer, Online-Redakteurin.
