Wer nach einem Schlaganfall oder bei Erkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose oder ALS wieder deutlicher sprechen möchte, braucht vor allem eines: regelmäßiges Üben. Genau dafür haben Prof. Dr. Kerstin Bilda und Steffen Glückselig von der Hochschule Bochum fünf Übungen für die App „Besser Sprechen“ entwickelt. Sie stehen seit dem 1. Oktober 2026 als eigener Praxisbereich in der App der Berliner Speakz Media GmbH zur Verfügung, die das Training gemeinsam mit der Hochschule umgesetzt hat.
Verantwortet hat den Praxisbereich Prof. Dr. Kerstin Bilda, Professorin für Logopädie im Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften der Hochschule Bochum. Sie hat die Übungen auf Grundlage ihrer langjährigen klinischen Erfahrung konzipiert und die Sprechvorbilder selbst eingesprochen. Gemeinsam mit ihr hat Steffen Glückselig, Sprechwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Bochum, die Übungen sprechwissenschaftlich ausgearbeitet – von der Auswahl des Übungsmaterials über die Taktvorgaben im Silbensprechen bis zur Gestaltung der Messaufgaben. Die App ist über die Speakz Media GmbH verfügbar.
Der Praxisbereich ist als Übungsangebot für die Zeit zwischen den Terminen konzipiert; Diagnostik und Therapieplanung bleiben Aufgabe der behandelnden logopädischen Praxis.
Nicht nur nachsprechen: fünf verschiedene Übungsformen
Der Praxisbereich bildet Aufgabentypen ab, die in der Therapie bei neurologischen Sprechstörungen gebräuchlich sind. Bei Deutlich Sprechen hören die Übenden eine Phrase, sprechen sie nach und vergleichen die eigene Aufnahme unmittelbar mit dem Sprechvorbild. Silbensprechen trainiert den Wechsel zwischen Artikulationsorten unter Taktvorgabe. Die Übung Lautstärke schult die bewusste Steuerung der Stimmstärke in vier Stufen – vom Flüstern bis zum Rufen. Zwei weitere Übungen haben Messcharakter: Lautdauer erfasst die maximale Phonationsdauer, Nordwind und Sonne das Lesetempo am Standardtext der Phonetik.
„In der Sprechtherapie ist intensives, regelmäßiges Üben entscheidend – die Zeit in den Therapieterminen allein reicht dafür meist nicht aus. Der Praxisbereich ist deshalb so gestaltet, dass Betroffene zwischen den Terminen eigenständig und strukturiert weiterüben können.“, Prof. Dr. Kerstin Bilda, Professorin für Logopädie, Hochschule Bochum
