Als Christian Kahlert die Bewerbungsunterlagen vor ihm aufschlägt, bleibt sein Blick abrupt hängen. Als Niederlassungsleiter arbeitet er damals bei einem Personaldienstleister und sucht Verstärkung für sein Team. „Bei einem Bewerber stand im Lebenslauf, dass er an der Hochschule Bochum berufsbegleitend den Verbundstudiengang Betriebswirtschaftslehre studiert hat. Mein Interesse war sofort geweckt. Denn ich hatte mir die fixe Idee in den Kopf gesetzt, mich beruflich noch einmal zu verändern und perspektivisch im öffentlichen Dienst zu arbeiten“, erzählt Christian Kahlert. „Und das Studium sah ich als meinen Weg dorthin.“
Christian Kahlert ist ursprünglich Journalist. 15 Jahre schreibt er für eine Fachzeitschrift im Trabrennsport. „Pferderennsport ist mein Hobby. Der Antrieb, mich beruflich neu aufzustellen, resultierte vor allem aus den Veränderungen und der rückläufigen Perspektive des Rennsports.“ Als Quereinsteiger wechselt er damals auf die Stelle des Niederlassungsleiters bei einem Personaldienstleister. „Ein akademischer Abschluss war für mich ein bewusster Schritt zur Erweiterung meiner beruflichen Perspektiven im letzten Drittel meines Erwerbslebens. Der Verbundstudiengang Betriebswirtschaftslehre entsprach genau meinen Vorstellungen und weckte meine Neugier auf dieses Studienmodell“, sagt der 55-Jährige. Das Verbundstudium ist ein Studienangebot der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Nordrhein-Westfalens. Der berufsbegleitende Studiengang Betriebswirtschaftslehre im Verbund-Modell macht es Studierenden möglich, ihren Beruf mit einem Studium zu verbinden. Christian Kahlert: „Innerhalb der Woche war ich Vollzeit im Unternehmen tätig. Zusätzlich habe ich jeden zweiten Samstag Vorlesungen an der Hochschule besucht, die um Selbstlernphasen und E-Learning-Kurse ergänzt wurden.“
Studienschwerpunkt nach individuellen Interessen wählen
In den ersten Studienjahren hört der Familienvater unter anderem Vorlesungen zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre, zum Rechnungswesen wie auch zu Investition und Finanzierung, gefolgt von Lehrveranstaltungen über Wirtschaftsmathematik und -statistik oder Controlling. „Wir haben in den ersten Semestern breit gefächerte betriebswirtschaftliche aber auch fachübergreifende Kompetenzen erworben. Besonders gefallen haben mir zum Beispiel die Vorlesungen zu Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsprivatrecht und Business English. Darüber hinaus haben wir in Lehrveranstaltungen wie Unternehmensführung Managementkompetenzen erworben.“ Ab dem sechsten Semester können die Studierenden Module frei wählen und sich gemäß ihren individuellen Interessen einen Studienschwerpunkt bilden, in dem sie ihr Wissen weiter vertiefen. „Ich habe mich für den Schwerpunkt Marketing entschieden, weil Marketing zum großen Teil Kommunikation ist und Kommunikation in meinem Beruf eine wichtige Rolle spielt. Am Studium besonders gefallen hat mir, dass wir vieles von dem, was wir gelernt haben, im beruflichen Alltag direkt ein- und umsetzen konnten. Das Studium ist sehr praxisnah, teils hatten wir Dozent*innen aus der Wirtschaft.“
Neues Wissen direkt im Berufsalltag einsetzen
Christian Kahlert berichtet aus einem Projektseminar: „In kleineren Gruppen eingeteilt, haben wir ein reales Projekt aus einem Unternehmen bearbeitet. Meine Gruppe hatte die Aufgabe, für das Unternehmen ein Seminar zum Thema Cybersicherheit zu organisieren. In dem Seminar habe ich viel über Techniken und Werkzeuge des Projektmanagements gelernt, über die Planung bis hin zur Steuerung von Projekten. Ich fand es spannend, Themen zu bearbeiten, mit denen ich sonst in meiner beruflichen Tätigkeit weniger in Berührung komme.“ Virtuell war der Gelsenkirchener im Studium bereits in jedem Bereich eines Unternehmens einmal tätig. „Wir durften an einem virtuellen Planspiel teilnehmen und sind dort in unterschiedliche Rollen geschlüpft. Über eine spezielle Software haben wir Entscheidungen simuliert, die wir in unseren Rollen gefällt haben“, erzählt Christian Kahlert und führt beispielhaft auf, mit welchen Fragen er sich in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen beschäftigt hat. „Welche Effekte hat es, wenn wir mehr in Werbung investieren? Was passiert, wenn wir die Produktion erhöhen? Welche Auswirkungen hat eine Preissenkung auf den Absatz? Das war sehr interessant.“ Am meisten Spaß habe ihm jedoch die vom Studiengangsleiter Prof. Dr. Michael Toth betreute Bachelorarbeit gemacht. „Dort habe ich mich mit Künstlicher Intelligenz im Studium beschäftigt und dem verantwortungsbewussten Umgang mit der Technologie. Dafür habe ich Umfragen mit Studierenden und Interviews mit Professor*innen geführt. Das war wie eine kleine Zeitreise durchs Studium, weil ich mit denen gesprochen habe, die mir zuvor als Lehrkräfte gegenüberstanden. Es waren angenehme Gespräche.“
Berufsbegleitendes Studium ermöglicht Netzwerkaufbau
Heute arbeitet Christian Kahlert an der Schnittstelle von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Er beobachtet die Entwicklungen der Wirtschaft und unterschiedlichen Branchen, bringt Unternehmen und Arbeitssuchende zusammen. „Mit Abschluss des Studiums im vergangenen Herbst hat sich für mich eine neue berufliche Tür geöffnet. Als Arbeitsvermittler mit Beratungsaufgaben arbeite ich heute bei der Bundesagentur für Arbeit. Der erfolgreiche Studienabschluss bildete die Grundlage für meine heutige Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Ich habe viel aus meinem Studium mitgenommen, auch neben dem eigentlichen Abschluss.“ Zum Beispiel aus dem Modul Managementkompetenzen. Dort lernen die Studierenden unter anderem Modelle und Techniken der Kommunikation sowie Formen der Gesprächsführung kennen. „Das setze ich heute in meinen Beratungsgesprächen ein. Im Studium habe ich Kompetenzen in verschiedenen Rechtsgebieten erworben und ausgebaut, die ich in meinem aktuellen Beruf nutze. Im Modul zu Produktion und Logistik standen zentrale Konzepte zur Optimierung von Arbeitsabläufen im Fokus. Zwar ließ sich nicht alles eins zu eins übernehmen, doch viele Ansätze konnte ich erfolgreich auf meinen eigenen Arbeitsalltag übertragen. Außerdem habe ich im Studium Lernkompetenz erworben, wodurch ich mich heute viel schneller in neue Aufgaben reinarbeite.“
Besonders gerne erinnert sich Christian Kahlert an den Zusammenhalt unter den Kommiliton*innen zurück. „Wir haben neben dem Studium in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Manche waren und sind in der Unternehmenskommunikation tätig, andere im Rechnungswesen, wieder andere im sozialen Bereich. Es ist eine Challenge, Studium, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, aber mit dem Konzept der Hochschule ist es zu meistern.“ Sein Tipp für Studienanfänger*innen: „Schnell Kontakte zu Kommiliton*innen knüpfen, ein Netzwerk aufbauen, das sich gegenseitig hilft. Sich durch die Anderen motivieren lassen aber auch selbst die Anderen zu motivieren. Dieses Geben und Nehmen führt zum Studienerfolg.“
Bericht: Daniela Schaefer, Online-Redakteurin
