Bei der Absolvent*innenfeier am Fachbereich Architektur der Hochschule Bochum am 23. Januar2026 wurden insgesamt 45 Studierende verabschiedet, die im Wintersemester 25/26 ihr Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen haben. Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem der Preis für die beste Abschlussarbeit (Thesis) verliehen. Die Auszeichnung ist in jedem Semester fester Bestandteil der Abschlussfeier. In diesem Semester wurde der Preis erstmals doppelt verliehen, da zwei Abschlussarbeiten als gleichwertig herausragend bewertet wurden. Geehrt wurden die Absolventinnen Greta Paulsen und Lisa Sobiech, die ihre Thesen jeweils mit der Bestnote 1,0 im Entwurf bei Prof. André Habermann abschlossen.
Die gemeinsame Entwurfsaufgabe „UNA DE TRE“ (Eine von dreien) führte an einen außergewöhnlichen Ort: die Isola La Gaiola vor Neapel: die beiden winzigen Felsen sind durch eine Steinbogenbrücke verbunden, tragen die Ruine einer Villa und liegen inmitten eines streng geschützten Unterwasserparks. In wenigen Metern Tiefe befinden sich bis heute römische Strukturen und archäologische Fundstellen – ein Ort, geprägt von Antike, Mythen und einem sensiblen marinen Ökosystem. Aufgabe war die Entwicklung eines Museums mit Monitoring- und Forschungshub, das Besucherlenkung und Wissensvermittlung ebenso ermöglicht wie die Sichtbarmachung von Live-Daten aus Meeresforschung und Unterwasserarchäologie. Dieses Gebäude konnte als dritte Insel entwickelt werden oder alternativ auch anders räumlich angeordnet. Der Aufgabentitel bezieht sich entsprechend auf die Variante einer weiteren Insel – der dritten.
Greta Paulsen überzeugte mit einem strukturellen, raumordnenden Ansatz: Ein kreisrunder Weg über dem Wasser verknüpft Inseln, archäologische Punkte sowie ergänzende schwimmende Museums- und Forschungsbausteine zu einer zusammenhängenden Komposition – Architektur wird hier zur lesbaren Gesamtfigur im Landschaftsraum.
Lisa Sobiech setzt dem eine material- und ressourcenbewusste Strategie entgegen: Ausgehend von wiederverwertbaren Überseecontainern entwickelt sie eine skulpturale „dritte Insel“, deren modulare Anordnung dichte, abwechslungsreiche Innenräume erzeugt und immer wieder gezielt den Blick zu den besonderen Orten der Umgebung öffnet.
„Wir waren von beiden Entwürfen gleichermaßen beeindruckt. Die Preisträger*innen haben zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen präzise Antworten auf dieselbe Fragestellung entwickelt: die eine stark über Wege, Ordnung und räumliche Verbindung gedacht, die andere über Kreislaufwirtschaft, Transformation und atmosphärische Raumfolgen“, erklärt Prof. André Habermann die Entscheidung für den Doppelpreis.



