Wie funktioniert medizinische Bildgebung – und was bedeuten Ultraschallbilder in der konkreten Anwendung? Dieser Frage gingen Studierende des Wahlfachs „Bildgebende Verfahren und digitale Bildverarbeitung in der Medizin“ im Rahmen einer Exkursion an den Gesundheitscampus der Hochschule Bochum nach.
Das Wahlfach wird seit 2018 von Prof. Dr. Anja Tenberge, Professorin für Data Science am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik, für Studierende der Studiengänge Informatik sowie Elektrotechnik angeboten. Im Laufe des Semesters lernen die Teilnehmenden die zentralen Verfahren der medizinischen Bildgebung kennen – von der Röntgentechnik (konventionelles Röntgen und Computertomographie) über nuklearmedizinische Verfahren wie Szintigraphie, SPECT und PET bis hin zur Magnetresonanztomographie (MRT) und Sonographie.
Neben den physikalischen und gerätetechnischen Grundlagen stehen auch Bildentstehung, typische Artefakte, Signalverarbeitung sowie zentrale Methoden der digitalen Bildverarbeitung im Fokus. Damit erwerben die Studierenden Kompetenzen, die nicht nur in der Medizin, sondern beispielsweise auch in der industriellen Bildverarbeitung relevant sind. Ergänzend werden medizinische Fragestellungen, ärztliche Bildinterpretation und Aspekte des Strahlenschutzes thematisiert.
Ultraschall hautnah erleben
Am 16. Januar stand die Sonographie im Mittelpunkt des Wahlfachs. Nach einer fundierten theoretischen Einführung in die Ultraschallbildgebung folgte der praxisnahe Teil im Skills Lab des Fachbereichs Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften der Hochschule Bochum. Ermöglicht wurde dieser Einblick durch die Kooperation mit Prof. Dr.Cornelia Kolberg-Liedtke, Professorin für Medizin mit Schwerpunkt Gynäkologie und Geburtshilfe im Studiengang Hebammenwissenschaft, die den Studierenden anschaulich die klinische Anwendung und diagnostische Vorgehensweise bei der Ultraschalluntersuchung näherbrachte.
Im Skills Lab, in dem Studierende der Gesundheitsberufe normalerweise an Simulationspatient:innen und Übungspuppen trainieren, erhielten die Informatik- und Elektrotechnikstudierenden eine praxisnahe Einführung in die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung zur Schwangerschaftskontrolle. An einer schwangeren Übungspuppe mit integriertem Fötusmodell erläuterte Prof. Kolberg-Liedtke die Gerätebedienung, diagnostische Fragestellungen sowie die ärztliche Perspektive auf die Bildinterpretation.
„Gerade in der medizinischen Bildgebung ist es entscheidend, Theorie und Anwendung zusammenzudenken. Durch den Besuch im Skills Lab konnten unsere Studierenden unmittelbar erleben, wie physikalische Prinzipien, Signalverarbeitung und ärztliche Diagnostik ineinandergreifen“, betont Prof. Dr. Anja Tenberge. „Solche Kooperationen machen deutlich, wie interdisziplinär moderne Data Science und Ingenieurwissenschaften heute aufgestellt sind.“
Im Anschluss durften die Studierenden selbst den Schallkopf in die Hand nehmen und die Ultraschallbildgebung – an der Übungspuppe oder freiwillig auch an sich selbst – ausprobieren. Zahlreiche Fragen zur diagnostischen Praxis und zu klinischen Abläufen rundeten den Besuch ab.
Die Kooperation entstand über ein Wahlfachangebot im Studiengang Hebammenwissenschaft, in dem ebenfalls Ultraschall thematisiert wird. Der Austausch zeigt exemplarisch, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit zwischen technischen und gesundheitswissenschaftlichen Fachbereichen sein kann – und wie aus theoretischem Wissen anschauliche Praxiserfahrung wird.
