Fokus auf Technik in Studium und Sport

15.01.2026 Magazin

Studentin der Wirtschaftsinformatik erfolgreich in japanischer Kampfkunst.

Bei ihrer allerersten Teilnahme an der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Karate hat Douaa Rabhi jüngst eine Goldmedaille erzielt. An der Hochschule Bochum verbindet die Spitzensportlerin ihre Karate-Leidenschaft mit ihrem Interesse an der Informatik und Betriebswirtschaftslehre. Douaa Rabhi studiert Wirtschaftsinformatik: „Neben dem fachlichen Wissen, das ich gewinne, trainiere ich im Studienalltag Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Zeitmanagement und Problemlösungsfähigkeit. Kompetenzen, die ich im Leistungssport nutze.“

Welche Fähigkeiten aus dem Sport sie hingegen in ihrem Studium voranbringen? „Disziplin und Stressresistenz. Im Sport bin ich es gewohnt nicht aufzugeben, Durchhaltevermögen zu zeigen und trotz Herausforderungen ein Ziel weiter zu verfolgen. Das kommt mir im Studium zugute“, sagt Douaa Rabhi. Mit fünf Jahren steht die heute 21-Jährige zum ersten Mal bei ihrem Verein Budokan Bochum auf der Kampffläche. Seit sieben Jahren nimmt Douaa Rabhi an Wettkämpfen teil, verzeichnet auf nationalen wie internationalen Turnieren im Einzel- und Teamwettkampf Medaillenerfolge. Allein im vergangenen Jahr gewinnt sie mit dem bayerischen Landeskader-Damenteam die Karate-Bundesliga, erkämpft sich in ihrer Gewichtsklasse eine Goldmedaille bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Karate und qualifiziert sich für die kommenden European sowie World University Games. Für die deutsche Karate-Nationalmannschaft startet sie in Salzburg an einem internationalen Turnier. Douaa Rabhi: „Die Karate Series A in Salzburg ist die zweitgrößte Turnierreihe im internationalen Erwachsenenbereich, bei der ich das Finale erreicht und mir eine Silbermedaille erkämpft habe. Neben den Medaillen aus diesem Jahr und dem Gewinn einer Goldmedaille bei den Deutschen Meisterschaften im Jahr 2023, ist das Turnier in Salzburg mein bislang größter Erfolg.“ 

Douaa Rabhi tritt in der Disziplin Kumite an, dem freien Zweikampf. „Reine Schnellkraft und Beweglichkeit reichen beim Karate nicht, es braucht eine sehr gute Technik und mentale Stärke. Karate ist Kopfsache. Man kann sieben zu null zurückliegen und doch den Kampf noch gewinnen, wenn man nicht aufgibt, sich auf seine Stärken besinnt und durchbeißt. Was mich an der Kumite-Disziplin besonders reizt, ist den nächsten Schritt des Gegenübers nicht zu kennen, aber spontan darauf zu reagieren.“ Dabei hat Douaa Rabhi ein klares Ziel vor Augen: „Den Wettkampf gewinnen, denn dabei sein, ist nicht alles“, sagt sie und lächelt. Zweimal am Tag steht für Douaa Rabhi Karate-Training an, neben Lehrveranstaltungen und Selbstlernphasen rund ums Studium. Technik, Athletik, Ausdauer. Eine Trainingseinheit einfach mal platzen zu lassen? Douaa Rabhi schüttelt den Kopf. „Das könnte ich nicht. Training ist das, was die Selbstsicherheit auf der Kampffläche gibt. Wie im Studium: Je öfter ich den Lernstoff durchgehe und je mehr Übungsaufgaben ich meistere, desto sicherer fühle ich mich.“

Douaa Rabhi: „Ich bin froh, mich genau hier für ein Studium eingeschrieben zu haben.“

Studium oder Leistungssport? Für Douaa Rabhi kam eine Entscheidung zwischen dem einen oder anderen nie in Frage. „Wenn man beides machen will – und das will ich – bekommt man beides unter einen Hut. Am Ende des Tages ist Disziplin entscheidend, im Sport wie im Studium und dann hilft natürlich eine Hochschule wie diese, die Leistungssportler*innen unterstützt, indem mir zum Beispiel bei anstehenden Karate-Turnieren die Möglichkeit eingeräumt wird, Klausuren zu verschieben. Ich bin froh, mich genau hier für ein Studium eingeschrieben zu haben.“ Zu studieren ist für Douaa Rabhi ein großer Traum. „Mein Ziel sind nicht nur sportliche, sondern auch berufliche Erfolge. Das ist meine Motivation in Studium und Sport.“

Das Studium der Wirtschaftsinformatik kombiniert Inhalte der Informatik mit solchen der Betriebswirtschaftslehre. Als angehende Wirtschaftsinformatiker*innen erwerben die Studierenden unter anderem Kompetenzen in den Bereichen Marketing, Finanzierung und Investition, Unternehmensrechnung, Führungslehre sowie Wirtschaftsrecht. Zugleich eignen sie sich die Programmiersprache Java an sowie Kenntnisse im Umgang mit Algorithmen und Datenstrukturen, Datenbanken, IT-Sicherheit und Software Engineering. Douaa Rabhi: „Software Engineering fand ich besonders interessant, dort ging es darum, Softwareprojekte strukturiert zu planen, von der Entwicklung eines Softwareproduktes über seine Anwendung bis hin zur Überprüfung der Qualität.“ Zusätzlich besuchen die Studierenden integrative Module, die das vernetzte Denken fördern. „Wir beschäftigen uns im Studium und späteren Beruf damit, wie sich Prozesse in Unternehmen durch Informationstechnologien optimieren lassen und lernen IT-Lösungen für betriebswirtschaftliche Anforderungen zu entwickeln und anzuwenden“, fasst Douaa Rabhi zusammen. Solche Anforderungen können zum Beispiel moderne digitale Kundenkanäle als neue Vertriebswege sein, der Schutz sensibler Unternehmens- und Kundendaten oder das Kombinieren von Daten aus verschiedenen Quellen für Trendanalysen.

„Das Studium bietet viel Abwechslung und ist praxisorientiert. In den Informatikmodulen gibt es Praktika, in denen Aufgaben von uns zu lösen sind. Eine umfasste zum Beispiel das Aufsetzen eines Programms in Java für einen Autoverleih. Das Programm sollte verlässlich aufzeigen, wann welches Auto für wie lange verliehen ist und wann welches Auto zur Verfügung steht. In anderen Aufgaben ging es unter anderem um die Entwicklung von IT-Lösungen für Baufirmen. Solche Aufgaben entführen aus dem Theorie- in den Praxis-Alltag. Am meisten gefällt es mir, wenn man eine Problemstellung löst. Wenn man Stunden vor dem Computer verbringt und dann die Lösung entwickelt hat.“ Ab dem dritten Studienjahr spezialisieren sich die Studierenden in Fächern der Betriebswirtschaftslehre und Informatik. „Die Vertiefungen können wir selbst auswählen, was ich gut finde, weil wir so unseren eigenen Interessen nachgehen können. Ich möchte zum Beispiel mehr über den Aspekt der Nachhaltigkeit lernen, weil ich der Welt gerne etwas zurückgeben würde und ich möchte noch eine weitere Programmiersprache wählen, weil mir das Programmieren richtig Spaß macht.“ Im letzten Semester schreiben die Studierenden nicht nur ihre Bachelorarbeit, sondern absolvieren auch eine mindestens zehnwöchige Praxisphase, zum Beispiel bei einem Unternehmen, bei Behörden oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Dort wenden sie das im Studium erlernte Wissen an, knüpfen oftmals erste berufliche Kontakte. Douaa Rabhi hat sich noch nicht festgelegt, wo es für sie nach dem Studium beruflich hingehen soll. „Da bin ich noch offen, aber das Schöne am Studium ist, dass es auch viele berufliche Wege eröffnet.“


Bericht: Daniela Schaefer, Online-Redakteurin.