Praxisphase am Laserscanner in chilenischer Hafenstadt

25.02.2026 Magazin

Erster Studierendenaustausch mit neuer Partneruniversität in Chile.

Als er aufbrach war es nur eine Vermutung. Auf der Rückreise bereits mehr als das. „Ich bin definitiv der Typ Mensch, der sich vorstellen kann später zeitweise im Ausland zu arbeiten. Darin hat mich mein Studienaufenthalt in Chile bestätigt“, sagt Oleksandr Medynets. Er studiert an der Hochschule Bochum Vermessung und ist der erste Studierende des Fachbereichs Geodäsie, der seine Praxisphase jüngst an der Pontificia Universidad Católica de Valparaíso in Chile absolviert hat. Möglich macht das eine neue Kooperation beider Hochschulen.

Die Kooperation entwickelte sich aus Verbundenheit zur Forschung. „Ich arbeite seit mehreren Jahren mit Sebastian Fingerhuth, Professor für Elektrotechnik und Akustik an der chilenischen Universität, in verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich Geomonitoring zusammen. Dort geht es unter anderem ums Monitoring der Lichtverschmutzung in Chile oder ums Überwachen von Hangrutschungen entlang chilenischer Autobahnen. Beides sehr wichtige Anliegen in Chile“, erzählt Dr. Daniel Czerwonka-Schröder. Der Professor für Angewandte Geodäsie sowie Geomonitoring an der Hochschule Bochum ist einmal im Jahr in dem südamerikanischen Land. „Chile ist ein so beeindruckendes, innovatives Land. Ich finde es schade, dass ich während meiner eigenen Studienzeit nicht schon dort war und möchte unseren Studierenden die Chance eröffnen, einen Teil ihres Studiums vor Ort zu verbringen.“

Studierende im Fachbereich Geodäsie können über die neue Kooperation ein mehrwöchiges Praktikum, einen Semesteraufenthalt oder ihre dreimonatige Praxisphase in Chile absolvieren. Oleksandr Medynets hat die Chance direkt genutzt. Für den Studierenden ist es nicht die erste Reise nach Lateinamerika. Doch diesmal ist es anders. „Man lernt ein Land und die Kultur während eines Auslandsaufenthaltes im Studium sehr viel intensiver kennen als in einem Urlaub“, beschreibt Oleksandr Medynets. Drei Monate lebt er in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso, der zweitgrößten Stadt Chiles und besucht die dortige Universität. „Ich saß mit Studierenden aus Chile gemeinsam in einem Labor für Elektrotechnik. Jeder hat an seinem Projekt geforscht, das war eine tolle Atmosphäre.“ Oleksandr Medynets forscht vor Ort rund um die Frage, wie eine kosteneffiziente Brückenüberwachung durchgeführt werden kann. Prof. Dr. Daniel Czerwonka-Schröder: „Chile hat beim Thema Brücken ähnliche Herausforderungen wie Deutschland. Viele haben bereits ein gewisses Alter erreicht, hinzu kommt die zunehmende Verkehrslast. Die regelmäßige Überwachung, das Structural Health Monitoring, ist ein wichtiges Thema, um die strukturelle Integrität, das heißt den Zustand einer Brücke zu überwachen. Beim Laserscanning überführen Sensoren den Zustand einer Brücke in digitale Daten der Bauwerkgeometrie und das in Echtzeit.“

Oleksandr Medynets, der sich aktuell im siebten Semester befindet, begleitet in Chile die Aufnahme von Laserscanning-Daten an einer Stahlbrücke in Valparaíso. Regelmäßig passiert ein Zug die Brücke. „Unser Ziel war es, einen High-Cost-Scanner fürs Brückenmonitoring in seiner Genauigkeit mit einem selbst entwickelten Low-Cost-Scanner zu vergleichen“, erklärt Oleksandr Medynets. Er hat eine Ausbildung zum Vermessungstechniker absolviert. „Ich wollte aber unbedingt auch ein Studium der Vermessung anschließen, um mein Wissen auf wissenschaftlicher Grundlage auszubauen und mir beruflich mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Besonders am Studium gefällt mir, dass es neben der Theorie, die wir vermittelt bekommen, sehr anwendungsbezogen ist. Wir haben viele Vermessungspraktika, in denen wir aus dem Hörsaal raus ins Freie gehen und das Erlernte anzuwenden lernen, wo wir also geodätische Vermessungen durchführen. Auch meine Praxisphase in Chile war anwendungsbezogen.“

In den ersten Wochen arbeitet Oleksandr Medynets in Chile an den Elektrotechnik-Komponenten und dem Aufbau des Low-Cost-Scanners. „In der Mitte der Praxisphase haben wir das Brückenmonitoring vorgenommen. Wir haben die Fahrt eines Zuges über die Stahlbrücke mit beiden Laserscannern vermessen und Daten darüber gewonnen, wie sich die Brücke bei Belastung verhält. In den darauffolgenden Wochen haben wir an der Entwicklung eines Programmcodes gearbeitet, damit die Massen an Daten, die wir gewonnen haben, ausgewertet werden können.“ Oleksandr Medynets tauscht sich vor Ort auch mit chilenischen Studierenden des Bauingenieurwesens darüber aus, wie die Daten zur Auswertung vorliegen müssten. Prof. Dr. Daniel Czerwonka-Schröder: „Geodät*innen arbeiten eng mit anderen Disziplinen zusammen. Wir können millimetergenaue Messdaten liefern, aber den Zustand der Brücke anhand der Messdaten zu beurteilen, obliegt den Bauingenieur*innen. Unsere Studierenden lernen im Studium interdisziplinäres Denken und Vernetzen.“

Prof. Dr. Daniel Czerwonka-Schröder ist fürs Brückenmonitoring ebenfalls nach Chile gereist. Oleksandr Medynets: „Wir haben nicht nur vor meiner Abreise genauestens besprochen, was meine Aufgaben in den drei Monaten vor Ort sein werden, sondern in Chile auch eine Woche zusammen am Projekt gearbeitet. Genau das war meine Vorstellung von der Praxisphase: Vor Ort an einem Vermessungsprojekt mitarbeiten zu dürfen, da war Chile eine tolle Lernerfahrung, und zugleich die Kultur und das Land näher kennenzulernen. Die Chilenen sind sehr herzliche Menschen. Was mich überrascht hat war, dass es in Chile tatsächlich auch eine große internationale, auch deutsche Community gibt, damit habe ich nicht gerechnet.“ Oleksandr Medynets erkundet in der Hafenstadt die Gassen mit den bunten Häuserreihen sowie das historische Zentrum, besucht während seines Aufenthaltes Museen und macht einen Ausflug in die Atacama-Wüste. „Während eines Auslandsaufenthaltes im Studium gewinnt man so viel neuen Input. Wer überlegt, in seinem Studium auch für eine Zeit ins Ausland zu gehen, der oder dem kann ich nur antworten: definitiv machen!“ Prof. Dr. Daniel Czerwonka-Schröder nickt: „Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums prägt die berufliche wie persönliche Entwicklung.“

Das unterstreicht auch Katrin Heymann, Leiterin des International Office an der Hochschule Bochum. Ihr Team unterstützt die Studierenden in allen Fragen rund um einen Auslandsaufenthalt und hat auch Oleksandr Medynets bei der Organisation des Aufenthaltes geholfen. „Ich würde immer einen Auslandsaufenthalt während des Studiums empfehlen, weil einen die vielen Erfahrungen ein ganzes Leben lang begleiten. Die Studierenden verlassen ihre Komfortzone und lernen, sich allein zurechtzufinden. Sie gewinnen an Selbständigkeit, stärken ihre eigenen interkulturellen Kompetenzen und was ich besonders schön finde, häufig knüpfen sie über Ländergrenzen hinweg neue Freundschaften.“


Bericht: Daniela Schaefer, Online-Redakteurin.