Am Institut für Betriebsorganisation und Logistik der Hochschule Bochum wurde im Rahmen eines Enticklungsprojektes eine wirtschaftliche Bewertung zweier unterschiedlich aufgebauter Montagelinien von RC-Cars durchgeführt. Betrachtet wurden zum einen die bestehende manuelle Montagelinie im Lernraum des Instituts, zum anderen eine hypothetische, automatisierte Robotermontagelinie. Ziel des Projekts war es, auf Basis statischer Investitionsrechenverfahren und einer ergänzenden Nutzwertanalyse die beiden Varianten unter den getroffenen Annahmen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit systematisch zu bewerten.
Datengrundlage und Vorgehen
Ausgangspunkt der wirtschaftlichen Bewertung ist die am Institut vorhandene manuelle Montagelinie für RC-Cars bei der Investitionskostenaufstellung vorliegt. Ergänzend wurde eine hypothetische Robotermontagelinie auf Basis einer Kostenschätzung definiert. Die technische Ausarbeitung stand dabei nicht im Fokus, da sie vor allem als Vergleichsvariante dient.
Die Material- und Produktionsdaten stammen aus einer im Modul „Fabrikplanung und Fabriksimulation“ durchgeführten Machbarkeitsstudie. Diese Daten wurden plausibilisiert, bei Bedarf angepasst und um weitere Annahmen für fixe und variable Kosten ergänzt. So entsteht eine Simulationsumgebung, in der beide Montagelinien unter vergleichbaren Rahmenbedingungen wirtschaftlich bewertet werden können.
Zwischen den beiden Varianten gibt es zwei zentrale Unterschiede. Die manuelle Montagelinie arbeitet mit fünf Montagemitarbeitern, während die fiktive Robotermontagelinie mit einem Montagemitarbeiter geplant ist. Gleichzeitig liegt das Investitionsvolumen der automatisierten Montagelinie mit einer viereinhalbfachen Investition Summe deutlich über dem der manuellen Montagelinie. Bereiche wie Vertrieb, Verwaltung und Logistik werden in beiden Fällen identisch angenommen, sodass sich die Unterschiede gezielt auf den Montageprozess konzentrieren.
Für beide Varianten wurden die Daten in einer Excel-Umgebung zusammengeführt. Darauf aufbauend wurden Kostenrechnung (Betriebsabrechnungsbogen, differenzierende Zuschlagskalkulation, Verkaufspreisermittlung, Deckungsbeitrag) sowie statische Investitionsrechnung (Kosten-, Gewinn-, Rentabilitäts-, Amortisationsvergleichsrechnung) durchgeführt. Abschließend flossen die zentralen Kennzahlen und ausgewählte qualitative Kriterien (körperliche Belastung, Betriebskomplexität und Flexibilität) in einer Nutzwertanalyse ein.
Zentrale Ergebnisse
Die Auswertung der Kennzahlen zeigt ein gemischtes Bild, die Robotermontagelinie weist leicht niedrigere Stückkosten auf und wird bei sehr hohen Produktionsmengen kostengünstiger. Die manuelle Montagelinie erreicht dagegen einen höheren Gewinn pro Jahr, eine deutlich bessere Kapital-Rentabilität, eine kürzere Amortisationsdauer und eine niedrigere Gewinnschwelle.
In der ergänzenden Nutzwertanalyse werden diese quantitativen Ergebnisse mit qualitativen Aspekten zusammengeführt. Hier zeigt sich, dass die Robotermontagelinie vor allem bei der körperlichen Belastung der Mitarbeiter punkten kann, während die manuelle Montagelinie Vorteile bei der Komplexität und Anpassbarkeit bietet.
Insgesamt erreicht die manuelle Montagelinie einen höheren Gesamtnutzwert und geht damit im Alternativenvergleich als vorteilhaftere Variante hervor.
Ausblick und weitere Projekte
Das Entwicklungsprojekt zeigt, dass die RC-Car Montagelinie nicht nur als Lehranlage, sondern auch als vielseitige Simulationsbasis für wirtschaftliche Fragestellung genutzt werden kann. Die entwickelte Excel-Umgebung und die gewählten Bewertungsmethoden bieten eine Grundlage, um in weiteren Projekten alternative Szenarien zu untersuchen. Darunter könnten andere Produktionsmengen und Kostenstrukturen, angepasste Lohn- oder Energiepreise oder auch detaillierte Betrachtung möglicher Automatisierungsschritte untersucht werden. So können aufbauend zukünftige Projekte am Institut gezielt an die Frage anknüpfen, wie sich Montagekonzepte unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen wirtschaftlich verändern.
