Die Expertise von Menschen mit einer chronischen Erkrankung stellt im Rahmen der Peer-to-Peer Beratung und als Grundfeste der Gesundheitsselbsthilfe eine wichtige Säule für andere Betroffene dar. Mitarbeitende aus dem Studiengang Pflege schulten an Rheuma erkrankte Ehrenamtliche für Seminare in den Ausbildungsstätten der Gesundheitsfachkräfte, um diesen die Sicht von Betroffenen nahe zu bringen. Das Projekt "Chronisch krank hautnah - auch in der Ausbildung" zur Qualifikation der Ehrenamtlichen endet am 30. April 2026. Anschließend geht das Projekt in der Regelversorgung weiter.
Rheumatische Erkrankungen sind vielfältig und nicht nur die Gelenke, sondern alle Systeme im Körper können betroffen sein. Rund ein Viertel der Menschen in Nordrhein-Westfalen sind nach Schätzungen der Rheuma-Liga NRW von einer oder mehreren der mehr als 150 verschiedenen Rheuma-Diagnosen betroffen. “Außenstehende können die Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag kaum nachvollziehen. Umso wichtiger ist es, dass vor allem Menschen in Pflege- und Gesundheitsberufen wissen, worauf es bei der Versorgung Betroffener ankommt. Wer könnte das besser erklären als die Betroffenen selbst?", sagt Elisabeth Stegemann-Nicola, Präsidentin der Rheuma-Liga-NRW.
Einzigartiges Modellprojekt
Aus diesem Grund startete vor sechs Jahren gemeinsam mit der Rheuma-Liga NRW zunächst das bis 2022 laufende Vorgängerprojekt „Rheuma hautnah – Auch in der Ausbildung und anschließend das Folgeprojekt "Chronisch krank hautnah - auch in der Ausbildung". Ein bislang einzigartiges Modellprojekt: Von Rheuma betroffene Ehrenamtliche erhalten Schulungen und Coachings, um sich auf ihre Unterrichteinheiten an Berufsschulen und Hochschulen vorzubereiten und dort Auszubildenden und Studierenden im Gesundheitswesen aus erster Hand zu vermitteln, was sie im Umgang mit Rheuma-Erkrankten beachten sollten. Rund 60 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben die Schulung bereits absolviert und mehr als 70 Veranstaltungen an Berufsschulen und Universitäten in ganz NRW angeboten.
Anschaulicher Unterricht
Sandra Bachmann, die Projektverantwortliche Professorin für Pflege an der Hochschule Bochum und Jens Riede, verantwortlicher Wissenschaftlicher Mitarbeiter von der Hochschule Bochum entwickelten gemeinsam mit der Rheuma-Liga NRW die Inhalte der Fortbildungen, gefördert von der AOK NordWest und der AOK Rheinland/Hamburg. "Die teilnehmenden Ehrenamtlichen haben nach den Schulungen ein breites Wissen über einen Teil der rheumatischen Erkrankungen und können dieses anschaulich vermitteln. Mit Quiz-Fragen, Filmen, Gruppenarbeit und Hilfsmitteln als Anschauungsmaterial gestalten sie Schulstunden ganz individuell und abwechslungsreich", erklärt Jens Riede. "Damit leisten alle Beteiligten einen großen Beitrag für eine bessere Versorgung chronisch erkrankter Menschen", so Prof. Dr. Sandra Bachmann. Sowohl die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Durchführung der Seminare als auch die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die Qualifikation der Ehrenamtlichen für Einsätze in den Ausbildungsstätten der Gesundheitsfachberufe ein voller Erfolg ist.
Das Konzept soll in Zukunft möglichst auf weitere Bundesländer und andere chronische Krankheitsbilder übertragen werden.
Nach Abschluss des Modellprojekts im April werden die Schulungen von der Rheuma-Liga NRW weiter angeboten, finanziert vom Verein selbst, und von Jens Riede ehrenamtlich durchgeführt. „Die Überführung des Modellprojektes in ein Regelangebot zeigt, dass alle Beteiligten von der Idee und dem Erfolg überzeugt sind“, sagt Jens Riede.
Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich auf der Projektseite.
