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Umweltwirkung von E-Scootern - eine nachhaltige Mobilitätsalternative?

Überblick

E-Scooter stehen aktuell im Blickfeld des öffentlichen Interesses und werden als neue Mobilitätsalternative kontrovers diskutiert. Durch das schnelle Wachstum des Marktes für E-Scooter Sharing weltweit wurde die Frage nach der ökologischen Nachhaltigkeit und der Vorteile für urbane Mobilitätssysteme aufgeworfen. In Kooperation mit mehreren Sharingdienstanbietern und der Deutschen Energie-Agentur (DENA) führt das Labor für Nachhaltigkeit in der Technik eine Lebenszyklusanalyse (Ökobilanz) für E-Scooter-Sharingdienste durcht. Ziel ist es, den Diskurs um E-Scooter als Teil der urbanen Verkehrswende zu versachlichen und Handlungsempfehlung zu entwickeln, um die Umweltbilanz zu verbessern, bzw. die CO2-Einsparung zu maximieren. Anhand unterschiedlicher Betriebsszenarien sollen die ökologischen Potenziale von E-Scootern differenzierter bewertet werden können. 

Der Begriff E-Scooter

Die sogenannten E-Scooter werden stehend gefahren, sind für Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h zugelassen und daher speziell auf die Nutzung durch einzelne Personen auf kurzen Strecken in urbaner Umgebung ausgelegt. Während E-Scooter beispielsweise in den USA oder in China seit Jahren im Einsatz sind, sind sie erst seit Inkrafttreten der Elektro-Kleinfahrzeuge-Verordnung (eKFV) im Juni 2019 für den Einsatz auf deutschen Straßen zugelassen.

Die Methode

In der Studie wird die Methode der Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA) eingesetzt, um die globalen Auswirkungen von E-Scooter-Sharingdiensten auf die Umweltauswirkungskategorien Treibhauspotenzial (GWP100) und nicht-erneuerbarer Primärenergiebedarf (PED) zu quantifizieren. 
 


Forschungsdesign

Die wichtigste Grundlage einer Lebenszyklusanalyse ist die Datenerhebung. Für die Datengrundlage zur Modellierung der Produktionsphase wurden Stücklisten analysiert sowie einzelne Teile von E-Scootern zerlegt und gewogen. Um Daten zum Energieverbrauch der Produktion und dem Transport zu erhalten, wurden mehrere Sharingdienstanbieter befragt. Diese Daten wurden anschließend mithilfe einer LCA-Software zu einem Gesamtmodell zusammengeführt.

Für die Nutzungsphase wurden auf Grundlage der Befragungen mehrere Szenarien entwickelt, um verschiedene Nutzungs- und Betriebsarten abbilden zu können. Diese Szenarien unterscheiden sich insbesondere in folgenden Aspekten:

  • Wie werden die E-Scooter geladen? Werden nur entladene Akkus gegen geladene Akkus getauscht oder wird der gesamte Roller zum Laden eingesammelt? Werden Ladestationen eingesetzt? 

  • Welches Rollermodell wird eingesetzt? Ein leichteres Modell mit fest verbautem Akku oder ein schwereres Modell mit wechselbarem Akku? 

  • Wie werden die Akkus bzw. die Fahrzeuge eingesammelt? Mit Diesel-Transportern oder mit Lastenfahrrädern? 

  • Wie lang ist die Lebensdauer der Akkus? 

  • Mit welchem Strommix werden die Roller geladen?  


Hauptergebnisse

Die detaillierten Ergebnisse der Studie sind nach ihrer Veröffentlichung verfügbar. 


Gewonnene Erkenntnisse

Das E-Scooter Sharing reduziert nicht notwendigerweise die Umweltbelastung des gesamten Verkehrssystems – es führt aber auch nicht zwangsläufig zu einer erhöhten Belastung. Ob das E-Scooter Sharing einen positiven Effekt hat, hängt von vielen Faktoren ab. Die entscheidenden Faktoren sind die Produktionsphase und die Lebensdauer der E-Scooter. 

  • In der Produktionsphase ist besonders die Umweltwirkung des Aluminiums relevant. Es ist empfehlenswert "grünes" Aluminium zu verwenden, d.h. Aluminium mit einem hohen Anteil an Recycling-Material und erneuerbaren Energien in der Produktion. Es kann auch vorteilhaft sein, generell weniger Aluminiumteile zu verwenden. 
  • Es ist ebenfalls wichtig, die Lebensdauer der E-Scooter zu erhöhen, zum Beispiel durch robustere Roller oder Anti-Vandalismus-Maßnahmen. 
  • In Hinblick auf die Nutzungsphase ist ein Ansatz austauschbarer Akkus oder Ladestationen einzusetzen, um die Anzahl der Sammelfahrten zu minimieren. 

Insgesamt sollte E-Scooter-Sharing als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr gefördert werden, nicht als Alternative, um sicherzustellen, dass die "richtigen" Verkehrsmittel - also umweltschädlichere Verkehrsmittel, wie das Auto - durch E-Scooter substituiert werden. 


Eigene Aufnahmen (Nora Schelte 2020)

Die abgebildeten Marken stehen in keinem Zusammenhang zur Studie.