Dennis Hotze hat an der Hochschule Bochum sowohl den Bachelor- als auch den Masterstudiengang Elektrotechnik absolviert. Heute ist er beim Entwicklungsdienstleister Smart Mechatronics tätig, leitet als Projektmanager schwerpunktmäßig für die Automobilbranche die Entwicklung intelligenter, vernetzter Softwareprodukte und steuert das Projekt Management Office des Unternehmens. In unserer Alumni-Interview-Reihe blickt Dennis Hotze aufs Studium zurück und berichtet aus seinem heutigen Berufsleben.
Warum der Studiengang …
Mein Vater hat Elektrotechnik an der Hochschule Bochum studiert und zu Hause nur positiv von seinem Studium erzählt. Er war später in der Schifffahrt tätig um komplexe Steuerungen von Pumpensystemen auf Schiffen zu programmieren. Ich selbst habe eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert und dann den Wunsch gehabt, noch tiefer in die Elektrotechnik einzutauchen. Also habe auch ich mich für ein Studium der Elektrotechnik an genau der Hochschule entschieden, von der mein Vater so begeistert berichtet hat. Was mir besonders gefallen hat, ist der hohe Praxisbezug im Studium. Vom ersten Semester an konnten wir neues Wissen aus den Vorlesungen in praktischen Übungen und Versuchen in den Hochschullaboren anwenden. Neben Programmierübungen an PC-Pools erinnere ich mich zum Beispiel gerne ans Labor für Robotik und Regelungstechnik zurück, wo wir uns mit der Programmierung und Steuerung von Roboterarmen beschäftigt und unter anderem gelernt haben, wie Roboter ihre Umgebung wahrnehmen. Mit solchen Robotersystemen zu arbeiten, war absolut spannend. Dort konnten wir Kenntnisse der Sensorik, Antriebstechnik und Automatisierung einsetzen. Das Bachelorstudium steigerte meinen Wissensdurst, sodass ich ein Masterstudium anschloss. Nur eineinhalb Jahre länger studieren, ein tieferes Wissen und einen weiteren akademischen Abschluss erzielen, um sich damit eine größere Chance auf eine bessere berufliche Einstiegsposition und ein höheres Einstiegsgehalt zu eröffnen – das finde ich sehr gut investiert.
Was nach dem Studium geschah …
Durch die Praxisnähe der Hochschule und Projektarbeiten, die wir mit Partner*innen aus der Praxis bearbeiten durften, habe ich im Studium wertvolle berufliche Kontakte geknüpft. Auch meine Masterarbeit habe ich in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen geschrieben. Genau bei diesem Unternehmen, dem mittelständischen Entwicklungsdienstleister Smart Mechatronics, bin ich heute tätig. Ich habe im Studium schnell gemerkt, dass ich Softwareentwicklung spannend finde. Seit acht Jahren leite ich nun als Projektmanager die Entwicklung intelligenter und vernetzter Softwareprodukte. Darüber hinaus steuere ich seit fast drei Jahren das Projekt Management Office des Unternehmens.
Mein heutiger Berufsalltag …
Unser Kundenstamm beinhaltet unterschiedliche Branchen, ich leite schwerpunktmäßig Softwareentwicklungen für die Automobilindustrie. Die Kundin oder der Kunde kommt mit einer ersten Idee zu uns und dann entwickeln wir gemeinsam die individuellen Ideen bis zur Serienreife. Etwa alle zwei Jahre habe ich ein neues Projekt und damit eine neue Kundin oder einen neuen Kunden, das macht meinen Beruf abwechslungsreich. Ich bin quasi die Schnittstelle zwischen den technischen Teams und der Kundin oder dem Kunden. Meine Aufgabe als Projektmanager ist es, das Gesamtprojekt zu planen, steuern und schließlich zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Ich übernehme zum Beispiel die Definition von Projektzielen, die Zeit- und Ressourcenplanung, Budgetkontrolle und Kundenkommunikation. Mein Steckenpferd ist die agile Softwareentwicklung, bei der wir uns in kurzen Abständen mit der Kundin oder dem Kunden abstimmen. Als Leiter des Project Management Offices strebe ich darüber hinaus gemeinsam mit dem Team unter anderem die Ausarbeitung neuer Prozesse im Projektmanagement, die Automatisierung vorhandener Prozesse und die Optimierung des Ressourcenmanagements an.
Das habe ich aus dem Studium mitgenommen …
Das Studium der Elektrotechnik beinhaltet auch Anteile an Softwareentwicklung, die wir mit verschiedenen Programmierungssprachen geübt haben. Und auch wenn ich heute weder Programmcodes programmiere, um Softwarefunktionalitäten umzusetzen, noch selbst mehr System- oder Integrationstest zur Sicherstellung der Softwareanforderungen durchführe, so ist es für meine Tätigkeit enorm wichtig, solche Kenntnisse im Studium erworben und eigens angewendet zu haben. Dieses erworbene technische Verständnis hilft mir heute zum Beispiel dabei, die Komplexität unterschiedlicher Aufgaben für die Projektplanung einzuschätzen. Mitgenommen habe ich aus Projektarbeiten im Studium neben Knowhow zum Projektmanagement vor allem auch Kommunikationsfähigkeit, was mir heute als Hauptansprechpartner in der Kundenkommunikation hilft. Auch unsere Teamfähigkeit wurde in solchen Projektarbeiten trainiert, denn Ingenieursprojekte werden im Team gelöst. Ich habe meine Masterarbeit gemeinsam mit einem Kommilitonen am Labor für Antriebstechnik geschrieben. In der Abschlussarbeit ging‘s um die Entwicklung und Verifikation eines Autonomen Logistik-Fahrzeugs – kurz genannt ALF. ALF sollte mit zwei Autobatterien angetrieben, selbständig auf dem Hochschulgelände unterwegs sein und Lasten von A nach B transportieren. Dabei standen wir einer Menge Fragen gegenüber, zum Beispiel rund um zentrale Softwarekomponenten: Wie erkennt ALF eigenständig Personen und macht einen Bogen um sie herum? Wie geht es mit Hindernissen wie einer Treppe um? Erkennt es die Treppe zuverlässig aus jedem Fahrwinkel? Wie findet ALF eigenständig ans Ziel? Weitere Fragen waren: Welches Eigengewicht sollte ALF haben und welches Transportgewicht maximal tragen? Wie schnell sollte ALF allenfalls fahren dürfen und wie lange würde es bei einer Vollbremsung brauchen, bis das Fahrzeug zum Stillstand kommt? Wie können wir vermeiden, dass sich das Fahrzeug irgendwo festfährt? Wir stellten einen Projektplan mit definierten Meilensteinen auf und wuchsen immer mehr in die Projektleiterrolle hinein. ALF wurde auch Schritt für Schritt von nachfolgenden Studierenden weiterentwickelt.
Erinnerungen an meine Studienzeit …
Was ich in sehr positiver Erinnerung habe, ist dass sich die Lehrenden ausnahmslos Zeit für uns Studierenden und unsere Fragen genommen haben. Besonders gerne erinnere ich mich auch an die Zusammenarbeit mit Kommiliton*innen. Gemeinsam etwas zu lernen, um die technologischen Herausforderungen der Zukunft mitzugestalten, das ist einfach spannend. Eins meiner Lieblingsprojekte im Studium, bei dem ich viel gelernt habe, war auch die Weiterentwicklung eines kleinen, autonom fahrenden, schienengebundenen Modellrennwagens. Unser Ziel war es, das Auto möglichst schnell auf einer Rennstrecke durch die Kurven fahren zu lassen. Ja, ab und an ist es bei ersten Versuchen aus der Kurve geflogen, aber nicht so häufig wie man denken mag, weil das Auto mit jeder Runde gelernt hat, wo es schneller und wo langsamer fahren muss, damit es durchs Ziel kommt.
Mein Tipp für Studierende …
Das Studium macht Spaß und ist nicht nur Arbeit, auch wenn es sich zum Start so anfühlen mag. Im Studium habe ich mir die Fähigkeit erarbeitet, mir neues Wissen auch selbst anzueignen, wovon ich heute profitiere. Was ich sagen will ist: Durchhaltevermögen zahlt sich aus.
Das Interview führte Daniela Schaefer, Online-Redakteurin.
