Sommersemester 2026:

Abschlussexkursion der Projektstudie CIRCLE

Seit dem Wintersemester 2025/2026 bietet das Labor für Nachhaltigkeit in der Technik die Projektstudie CIRCLE an. In dieser Projektstudie verbinden Studierende die Konzepte Circular Economy und Makerspace: Sie analysieren Produkte aus Nachhaltigkeitsperspektive, entwickeln Lösungen zur Verbesserung der Kreislauffähigkeit – in Produktion, Nutzung oder End-of-Life – und erproben diese Optimierungsideen praktisch im Makerspace. Im Sommersemester 2026 haben sich zwei Studierendengruppen mit den Produktsystemen eines In-Ear-Kopfhörers sowie der Umwidmung von Lithium-Ionen-Batterien für Speicherlösungen in Powerbanks auseinandergesetzt. Am 16.07.2026 fand im Rahmen der Kooperation mit dem Unternehmen Teufel die Abschlusspräsentation der ersten Gruppe in Berlin statt.  Diese wurde verbunden mit einer zweitägigen Exkursion, die den Studierenden zusätzliche Einblicke in die Praxis der Kreislaufwirtschaft in der Hauptstadt ermöglichte. Für das Studierenden-Team, das sich dem Produktsystem eines In-Ear-Wireless-Kopfhörers widmete, bildete der Termin bei Teufel den Höhepunkt eines intensiven Semesters, in dem theoretische Nachhaltigkeitsbewertung und praktische Umsetzung im Makerspace Hand in Hand gingen. Auf den nachfolgenden Bildern sind theoretische Grundlagen (links) und praktische Implementierung (rechts) des 3D-Druck-Fertigungsverfahrens während des Sommersemesters 2026 ersichtlich.

Abschlusspräsentation der Studierenden in Berlin bei der Teufel GmbH.
Gruppenbild im Teufel-Store mit den Studierenden, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Santiago Eduardo und Daniel Tellez-Nitzling, Prof. Semih Severengiz und Industriepartner Robert Reinke.
Studierende feiern die erfolgreiche Abschlusspräsentation im Café am Neuen See im Tiergarten.

Tag 1: Abschlusspräsentation bei Teufel

Um 14 Uhr traf sich das Projektteam der CIRCLE-Studie im Büro der Lautsprecher Teufel GmbH zur Abschlusspräsentation ihrer Semesterarbeit. Im Fokus der Aufgabenstellung stand die Verlängerung der Produktlebensdauer durch gezielte Reparaturinterventionen – allen voran die Austauschbarkeit der Batterie, die bei vielen kompakten Wireless-Kopfhörern bislang fest verbaut ist und damit einen frühzeitigen Austausch des gesamten Produkts erzwingt.

Die Studierenden präsentierten ihr Konzept vor einer Vielzahl interessierter Teufel-Miarbeiter:innen aus unterschiedlichen Abteilungen – von Industriedesign über Marketing bis Fertigung. Dass ein so breites Publikum aus so vielen Fachbereichen der Präsentation beiwohnte, unterstrich das Interesse, das das Thema zirkuläres Produktdesign mittlerweile im Unternehmen genießt.

Im Zentrum der Präsentation stand die Vorstellung eines detaillierten Konzepts zum Austausch der Batterie bei einem existierenden Kopfhörer-Modell. Die Gruppe stellte nicht nur eine konstruktive Lösung für die bislang schwer zugängliche Batterie vor, sondern verglich auch systematisch die ökologischen Umweltwirkungen dieses Reparaturkonzepts mit dem aktuellen Status quo des Produkts. Damit konnten die Studierenden anschaulich zeigen, welchen konkreten Beitrag eine austauschbare Batterie zur Verlängerung der Produktlebensdauer und zur Reduktion der Umweltbelastung leisten kann. Die Reaktion bei Teufel war durchweg positiv und mündete in einen tiefgehenden, aufschlussreichen fachlichen, in dem Fragen zu Machbarkeit, Kosten und Marktakzeptanz ebenso zur Sprache kamen wie mögliche nächste Schritte für eine Umsetzung.

Im Anschluss an die Präsentation gab Robert Reinke, Ansprechpartner aus dem Industriedesign bei Teufel, den Studierenden einen Einblick in die Räumlichkeiten und die Arbeitsweise der Audiotechnik- und Industriedesign-Abteilungen. So konnten die Studierenden nicht nur ihre eigenen Ergebnisse einbringen, sondern auch nachvollziehen, wie Produktentwicklung und Design bei einem etablierten Audiohersteller in der Praxis ablaufen. Den erfolgreichen Tag ließ die Gruppe abends bei einem entspannten Zusammensitzen im Café am Neuen See im Tiergarten ausklingen.

 

Nikolai Wolfer zeigt den Studierenden den Zero-Waste-Bau- und Kreativmarkt des Hauses der Materialisierung.

Tag 2: Besuch im Haus der Materialisierung

Am zweiten Tag der Exkursion stand eine Führung durch das Haus der Materialisierung (HdM) auf dem Programm, das unweit des Alexanderplatzes liegt und Teil des Hauses der Statistik ist. Das HdM versteht sich als Reallabor für Kreislaufwirtschaft und vereint unter einem Dach zahlreiche Unternehmen und Organisationen, die sich diesem Thema in ganz unterschiedlichen Facetten widmen. Nikolai Wolfer, Gründer von Cosum und Mitglied des HdM, führte die Gruppe durch die Räumlichkeiten, stellte die dort ansässigen Mitglieder vor und berichtete aus erster Hand über aktuelle Herausforderungen und Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft in der Praxis. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die im Haus vertretenen Initiativen an das Thema herangehen – von der Aufbereitung und Weiterverwendung von Baumaterialien über gemeinschaftliche Werkstätten bis hin zu Beratungsangeboten für Unternehmen, die ihre eigenen Prozesse zirkulärer gestalten möchten.

Für die Studierenden bedeutete dieser Besuch einen echten Perspektivwechsel gegenüber konventioneller Unternehmenspraxis: Statt klassischer linearer Produktions- und Geschäftsmodelle zeigte das HdM, wie Kreislaufwirtschaft partizipativ, kreativ und mitten in einer Metropolregion funktionieren kann – getragen von einer Vielzahl kleiner und mittlerer Akteure, die Räume, Materialien und Wissen gemeinsam nutzen. Gerade im Vergleich zur Zusammenarbeit mit einem etablierten Industrieunternehmen wie Teufel am Vortag wurde so sichtbar, auf wie vielen unterschiedlichen Ebenen und in wie unterschiedlichen Maßstäben Kreislaufwirtschaft heute bereits gelebt wird. Nach der Führung und einem angeregten fachlichen Austausch mit den Mitgliedern des HdM traten die Studierenden die Rückreise nach Bochum an.

Die Abschlussexkursion der Projektstudie CIRCLE zeigt eindrücklich, wie eng Lehre, Forschung und Praxis in der Zusammenarbeit mit Industriepartnern wie der Lautsprecher Teufel GmbH verzahnt werden können. Die Studierenden konnten ihre im Semester erarbeiteten Konzepte zur Verlängerung der Produktlebensdauer direkt mit den Fachabteilungen eines etablierten Unternehmens diskutieren und erhielten durch den Besuch im Haus der Materialisierung zusätzlich einen Einblick in gelebte Kreislaufwirtschaft jenseits klassischer Unternehmensstrukturen.