Wie können komplexe Tragwerke und ihr Verhalten unter verschiedenen Belastungen anschaulich vermittelt werden? Im Projektseminar „VR in der Tragwerksplanung“, das von Herr Löring und Frau Walsemann geleitet wird, beschäftigen sich die Studierenden mit den Möglichkeiten von Virtual Reality (VR) in der Tragwerksplanung. Für die praktische Arbeit mit den VR-Brillen werden dabei die Räumlichkeiten und die technische Infrastruktur des BIM Instituts genutzt, die optimale Voraussetzungen für den Einsatz digitaler Methoden in der Lehre bieten.
Im Rahmen des Seminars fand in Zusammenarbeit mit der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ein virtueller Exkurs mit Herr Elsche statt, der aus Wolfenbüttel zugeschaltet war. Vorgestellt wurde eine auf Unity basierende VR-Anwendung, mit der verschiedene Tragwerke interaktiv betrachtet und untersucht werden können. Über einen bereitgestellten Link wurde die Anwendung auf die VR-Brillen der Studierenden geladen.
Eine Besonderheit des Formats bestand darin, dass Björn Elsche die Studierenden trotz der räumlichen Distanz direkt durch die virtuelle Umgebung führen konnte. Während sich die Studierenden frei in den dargestellten Bauwerksmodellen bewegten und diese aus unterschiedlichen Perspektiven betrachteten, erläuterte er konstruktive und tragwerksplanerische Zusammenhänge. Durch gezielte Fragen wurden die Studierenden dabei aktiv in die Veranstaltung einbezogen.
Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel einer Brückenkonstruktion. Das Bauwerk konnte in der virtuellen Umgebung geschnitten werden, sodass der innere Aufbau betrachtet werden konnte. Anhand des Schnittes zeichnete Björn Elsche die Bewehrungsführung schematisch und mit unterschiedlichen Farben ein und erläuterte deren Verlauf. Auf diese Weise konnten die Studierenden nachvollziehen, wo und warum Bewehrung innerhalb des Tragwerks erforderlich ist, ohne dass die einzelnen Bewehrungsstäbe selbst dreidimensional modelliert waren.
Darüber hinaus wurden verschiedene Lastfälle und deren Auswirkungen auf das Tragwerk untersucht. Die daraus resultierenden Verformungen, beispielsweise bei Decken, wurden in der virtuellen Umgebung bewusst stark überhöht dargestellt. Dadurch konnten die Studierenden unmittelbar erkennen, wie sich unterschiedliche Belastungen auf das Verformungsverhalten auswirken. Die starke Visualisierung machte Veränderungen sichtbar, die in der Realität oftmals nur sehr gering ausfallen und dadurch schwer wahrnehmbar sind.
Die Möglichkeit, sich frei innerhalb der Modelle zu bewegen und Tragwerke aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, eröffnete den Studierenden einen besonderen Zugang zu den behandelten Themen. Räumliche und konstruktive Zusammenhänge konnten so nicht nur anhand von Zeichnungen oder Berechnungen nachvollzogen, sondern unmittelbar in einer dreidimensionalen Umgebung erlebt werden.
Das Projektseminar zeigt damit, welches Potenzial Virtual Reality für die Lehre in der Tragwerksplanung bietet. Die Verbindung klassischer ingenieurwissenschaftlicher Inhalte mit digitalen und interaktiven Methoden ermöglicht es, komplexe Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln und das räumliche Verständnis der Studierenden gezielt zu unterstützen.


