Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

Mit 31 Jahren als Professor an die BO

Bau- und Umweltingenieurwesen (FB B)

Seit Anfang März lehrt und forscht Peter Hense als Professor für Umwelttechnik, insbesondere Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement, am Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen der Hochschule Bochum. Als Wegbereiter für eine stärker zirkuläre Wertschöpfung in unserer Gesellschaft gilt sein Interesse der Entwicklung neuer Recyclingverfahren und der Nutzung zurückgewonnener Rezyklate. „Wichtig ist mir dabei, schon heute auf die Abfälle von morgen zu schauen“, so der 32-Jährige und spielt damit auf zukünftige Abfallströme wie Lithium-Ionen-Batterien und Marine Litter an, genauso wie neue internationale Märkte der Kreislaufwirtschaft.

Geboren und aufgewachsen im Kreis Soest, studierte Peter Hense nach dem Abitur an der TU München in den Studiengängen „Forstwissenschaften und Ressourcenmanagement“ (Bachelor) und „Nachwachsende Rohstoffe“ (Master). Für die Masterarbeit wechselte er zum Fraunhofer Institut UMSICHT im bayerischen Sulzbach-Rosenberg: „hier entdeckte ich meine Leidenschaft für die Aufbereitung von Abfallströmen aller Art“. Die Masterarbeit widmete sich der Metallrückgewinnung aus Verbrennungsaschen, unter anderem solchen aus Elektro- und Elektronikschrott, und verband praktische Versuche, die Entwicklung von Recyclingschritten und eine ökobilanzielle Betrachtung. Für seine Arbeit wurde Herr Hense mit dem VDI-GEU Studienpreis für umweltrelevante Diplom- und Masterarbeiten des VDI e. V. ausgezeichnet.

Mit der Arbeit konnte er aber auch Schwachstellen im Recycling von „E-Schrott“ aufzeigen, welche er durch die Entwicklung eines neuen Recyclingverfahrens schließen wollte: Im Rahmen seiner Promotion entwickelte Peter Hense ein innovatives thermo-chemisches Verfahren (iCycle®), welches die erstmalige Rückgewinnung von knapp 20 Metallen ermöglichte, die nach dem Stand der Technik nicht recycelt worden wären. „Das schafft man natürlich nicht allein, sondern nur durch Team-Work“, beschreibt Hense seine Entwicklungen, die er am Fraunhofer UMSICHT und der Universität Bologna erarbeitete, „Wichtig war es uns immer, interdisziplinär möglichst alle Facetten einer neuen Technologie zu betrachten. So war die vollständige Vermeidung hochtoxischer Kohlenwasserstoffe genauso im Fokus wie die Fähigkeit zum Up-Scale oder die wirtschaftliche Umsetzung, möglichst nicht nur in Deutschland.“ und relativiert so ein großes Bündel komplexer Sachverhalte.

Ziel seiner Entwicklungen war es bereits früh, die neue Technologie überall dort einsetzen zu können, wo die Ressource E-Schrott anfällt. Mit einer ersten Forschungsanlage in Indien hat das bereits geklappt, weitere kommerzielle Anlagen z. B. in Ghana und Tunesien sollen folgen. Auf dem Weg dorthin wurden die Arbeiten durch Stipendien und Auszeichnungen, unter anderem der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW e. V.), gewürdigt. „Besonders gefreut hat mich dabei die Auszeichnung als »Innovator under 35 Germany 2018« des MIT Technology Review und der Nominierung für den europäischen Wettbewerb“, so Hense.

Nach Abschluss der Promotion im Mai 2017 konnte der Umwelttechniker eine neue Gruppe für Recyclingtechnologien am Fraunhofer Institut aufbauen und entwickelte weitere Verfahren zur Aufbereitung verschiedener, komplexer Abfälle. Hierbei sollte die Nähe zu Hochschulen und der Lehre jedoch nicht zu kurz kommen, so dass er zwischen Mai 2019 und Februar 2021 an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden und der FH Münster arbeitete. In dieser Zeit konnte Peter Hense unter anderem eine Methode zur Bewertung des Ressourcengebrauchs entwickeln und in Vorhaben zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien mitwirken.

Nachdem sich Peter Hense nach insgesamt elf Jahren in verschiedenen Stationen Bayerns wieder in seiner Heimat Westfalen eingelebt hatte, passte die Ausschreibung der Hochschule Bochum Ende 2019 zur Professur für Umwelttechnik perfekt ins Bild. „Die Hochschule Bochum kannte ich bereits seit einigen Jahren, da sie die Alma Mater meiner Partnerin ist, die hier Nachhaltige Entwicklung studierte. Mit dem starken Fokus auf Themen der Nachhaltigkeit hat mich die Hochschule Bochum sehr angesprochen. Als dann die Probelehrveranstaltung und Vorstellungsgespräche gut liefen und das gute Klima im Kollegium bereits spürbar war, konnte mich auch die Corona-Pandemie nicht mehr aufhalten.“

Voll Zuversicht blickt der junge Professor auf das kommende Semester. Technisch klappe alles erstaunlich gut und die Wissbegierde der Studierenden erfreue ihn sehr: „das direkte Feedback aus dem Hörsaal fehlt mir jedoch schon, daher freue mich umso mehr auf echte, physische Vorlesungen.“