Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

ARUP | „BIM im gesamten Gebäudelebenszyklus “ | BIM Bier+Brezeln digital | 12. Oktober 2021


Als Mitarbeiter des weltweit tätigen Planungs- und Beratungsunternehmens Arup, stellt Stefan Stemmler die BIM Methode des Unternehmens in einem interaktiven Vortrag vor.

Das LEIQ Offenbach: ein CO2-neutrales Gebäude, welches durch verschiedene BIM Leistungen von Arup betreut wurde.

Arup setzt sich seit der Gründung für innovative, kreative und nachhaltige Lösungen ein und verfügt über ein globales Experten-Netzwerk, dessen Vernetzung Herr Stemmler anhand verschiedener Bereiche aufzeigt. Unterwegs in Märkten von der Tragwerks- bis zur Akustikplanung, vom Bildungssektor bis zu den Bereichen Wohnen oder Luftfahrt, arbeitet Arup ebenfalls unter der Anwendung der BIM Methode. Durch den Einsatz einer interaktiven Umfrage wurde die Erfahrung mit der BIM Methode unter den Teilnehmenden abgefragt und sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie eine hochwertige, nachhaltige Planung mit effizientem Ressourceneinsatz zu erreichen ist. So haben knapp 40% der Teilnehmenden noch keine Erfahrung im BIM-Bereich gesammelt und nur 10% der Teilnehmenden können BIM als feste Methode im Arbeitsalltag angeben. Im Fokus einer nachhaltigen und hochwertigen Planung stehen laut Befragten eine gute Kommunikation sowie zukunftsorientiertes und kollaboratives Planen. Die Befragten kommen aus den Bereichen der Wissenschaft, der freien Wirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung.

Am Beispiel des LEIQ Offenbach stellt Herr Stemmler ein CO2-neutrales Gebäude vor, welches durch verschiedene BIM Leistungen betreut wurde und der zuvor abgefragten Grundidee folgt. Das Leistungsbild aus dem Bereich des Building Information Modeling umfasste u.a. BAP, 3D-Modell und Koordination, Virtual Design Reviews und Visualisierungen. Der BAP wurde in Abstimmung von Architekten mit dem Bauherrn und dem Generalunternehmen realisiert. Um das Modell auch in der Instandhaltungsphase weiter nutzen zu können, wurde das Modell um entsprechende Attribute angereichert. Die Kommunikation im Projekt erfolgte über eine Cloudplattform, die den Austausch und die Zuweisung von Konflikten und Aufgaben ermöglichte.

Um der BIM Methode im Gesamtlebenszyklus gerecht zu werden, hat Arup intern verschiedene Standards, Tools und Prozesse entwickelt. Neben Zielen und Vereinbarungen sind hier u.a. Rollen definiert, Objekt-Bibliotheken angelegt sowie die Nutzung und Pflege der Daten organisiert. Die definierten Prozesse dienen den Planenden zur Ablaufübersicht und der Fragestellung, wer wem welche Informationen zuspielt. Durch Nutzung einer Kollaborationssoftware, lassen sich einerseits die Gewerke untereinander koordinieren. Andererseits können Kollisionsprüfungen modellbasiert durchgeführt und direkt kommuniziert werden. Zum effizienteren Arbeiten wurde intern eine Softwarebibliothek eingerichtet. Hier stehen den Mitarbeitenden ca. 1.500 selbstentwickelte Tools zur Verfügung: Von kleineren automatisierten Prozessen bis hin zu Tools zur Simulation von Menschenmengen auf Plätzen o.Ä. Ein Tool, welches sich gerade in der Entwicklung befindet, soll aus Daten eines Architekturbüros automatisch ein 3D-Modell erzeugen. Darüber hinaus werden intern Schulungen über die „Arup University“ für unterschiedliche Erfahrungslevel angeboten und eine intensive Vernetzung der Mitarbeitenden durch das „Skills Network“, eine Plattform zum Austausch, gefördert. Anhand dieser geschaffen Standards ist es möglich, Abläufe zu automatisieren und den Arbeitsalltag zu erleichtern.

Q & A

Q: Handelt es sich bei einem Environmental Data Management System (kurz: EDMS) um ein separates System? Wie ist die Schnittstelle zu BIM?

A: Das EDMS kann als getrenntes System betrachtet werden. Hier werden alle Dokumentationen gesammelt, die zu den Assets gehören, z.B. Pumpendatenblätter. Die Schnittstelle zwischen BIM und dem EDMS bildet das Model.

Q: Ihre Firma ist global vertreten. Wie ist der weltweite Stand von BIM?

A: In den Jahren 2013/2014 war Deutschland noch weit hinter Asien und Nordamerika. Mittlerweile hat Deutschland, bzw. Europa, allerdings weit aufgeholt, was auch aus dem Stufenplan und den somit geschaffenen Rahmenbedingungen resultiert.

Q: Wie kann bereits in einer sehr frühen Leistungsphase ein Modell bewertet bzw. ein Variantenvergleich durchgeführt werden?

A: Durch die vorliegende entsprechende Objektklassifizierung und die Standards. Wir nutzen das Modell in einem zentralen Format, um es in verschiedenen Softwarelösungen nutzen zu können.

Q: Was sollen Studierende an Wissen mitbringen und zum Thema BIM lernen?

A: Es ist wichtig, ein Bewusstsein für die digitalen Arbeitsweisen und die Aufgabenbereiche der anderen Gewerke zu schaffen. Zudem ist Wissen über Möglichkeiten der digitalen Koordination wünschenswert.

Q: Die Rollen des BIM Managers und des BIM Koordinators werden häufig durch Architekten besetzt. Warum?

A: Laut HOAI liegt die Koordinationspflicht bei dem Architekten. BIM Koordinatoren sind häufig Architekten, oder ein vom Architekten beauftragter Subunternehmer.

Q: Wäre es nicht sinnvoller, zur Speicherung und Verarbeitung der Daten die Blockchain-Technologie anzuwenden?

A: Die Schnittstelle BIM und Blockchain ist sinnvoll, allerdings ist die Verarbeitung mittels Blockchain sehr aufwendig, da viele dezentral organisierte Rechner verwendet werden. Es gibt bereits Anbieter, die die Daten zentral speichern (Cloud-Plattformen) und auch dezentrale Backup-Formen anbieten.

Q: Welche Koordinatengrundlage haben die Projekte? Sollte in BIM Projekten mit lokalen oder übergeordneten Koordinatensystemen gearbeitet werden?

A: BIM Modelle sollten immer am Standort in der Welt verankert sein. Zur Koordination müssen die lokalen an die globalen Koordinaten angepasst werden.

Q: Stichwort Tragwerksplanung und BIM: Aus der Praxis werden kritische Stimmen bezüglich der Berechnungen am 3D-Modell laut und dass einige Ingenieurleistungen dadurch ersetzt werden können. Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Berechnungen erstellt wurden, die am Ende nicht umsetzbar waren?

A: Ingenieure sind nie ersetzbar und Kreativität eine wichtige Voraussetzung. Die Software ist immer nur so gut, wie die Daten, die ich einspeise. Zudem haben Ingenieure einen Erfahrungsschatz und können Prozesse einschätzen. Bei uns wurde eher die Erfahrung gemacht, dass die Software Probleme hatte, komplexe Geometrien zu berechnen und die Ingenieure es manuell berechnet haben.

Q: Wie groß sind die Architekturbüros, mit denen Sie arbeiten? Ab wann lohnt sich BIM?

A: Wir arbeiten nicht mit ganz kleinen, aber mittelständigen Unternehmen, zu denen wir in Deutschland auch zählen. Man sollte BIM angehen.