Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

[Fachbereich Architektur] Unser Schmuckstück: Die BlueBox Bochum

Simon Pallubicki lehrt im WiSe 20/21 Entwerfen II/III im Fachbereich Architektur.
Er ist Partner im Architekturbüro Enia Architects (FR).

Vita

Person

Simon PALLUBICKI wurde 1968 in Deutschland geboren und studierte, nach einer Ausbildung und
Wanderschaft als Möbeltischler, an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville
(ENSAPB). 2004 gründete er zusammen mit Mathieu Chazelle und Brice Piechaczyk das in Paris ansässige
Architekturbüro ENIA Architectes, das 2014 durch einen Standort in New Delhi erweitert wurde. Die
Planungsschwerpunkte des Büros umfassen ein breites Spektrum, aus dem Projekte auf hohem
technischen und künstlerischem Niveau hervorgehen.


Über seine seit 2003 andauernde Lehrtätigkeit an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris
Belleville hinaus ist er regelmässig Gastkritiker an nationalen und internationalen Universitäten. Als Mitglied
der internationalen Kommission der ENSAPB ist er besonders an internationaler Verflechtung von Lehr-
Studien- und Forschungsprojekten bemüht. 2017 wurde er in eine Expertengruppe des französischen
Kultusministeriums berufen, die landesweit die Lehrmodelle der französischen Architekturfakultäten
evaluiert.


Simon PALLUBICKI ist aktives Mitglied der Organisation AFEX (Architectes Français à l’Export), die
internationale Kooperation von Architekten unterstützt, und ist regelmässig als Preisrichter zu
Wettbewerben geladen.


Das Büro ENIA Architectes betreibt seit 15 Jahren durch seine Sektion ENIALAB aktive Forschungstätigkeit
die es sich zum Ziel macht, die aus den Projekten des Büros hervorgehenden Fragen auf theoretischer
Ebene oder durch mehr spekulativer Praxis weiterzuverfolgen. Diese Forschungsprojekte werden zuweilen
durch Partnerschaften mit der Industrie oder in Verbindung mit akademischen Strukturen im In- und
Ausland entwickelt. Ihre Themen orientieren sich hauptsächlich an energetischer Optimierung, Fragen der
Nachhaltigkeit und der Auseinandersetzung mit der vorzeitigen Obsoleszenz des gebauten
Lebensraumes. Eine Reihe von Projekten hat zu internationalen Patenten geführt.


Lebenslauf

BERUFLICHE TÄTIGKEIT

  • 2014 Gründung der Bürofiliale ENIA architects in New Delhi | Indien
  • 2004 Gründung des Büros ENIA architectes in Paris | Frankreich
  • 1993-95 Unabhängiges Atelier als Kunsttischler in Salta | Argentinien
  • 1989-93 Kunsttischler in diversen Ateliers | Frankreich und Deutschland

AUSBILDUNG

  • 2014 Villes africaines : Introduction à la planification urbaine EPFL Lausanne | Schweiz
  • 2004 DPLG Architecte École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville | Frankreich
  • 1990-93 Association Ouvrière des Compagnons du Devoir Wanderschaft als Kunsttischler | Frankreich
  • 1987-90 Gesellenbrief des Tischlers Lehre als Möbeltischler | Deutschland

LEHRTÄTIGKEIT

  • 2003 - École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville (ENSAPB)| Frankreich. Lehre im Bereich der « Theorien und Praxis des architektonischen und urbanen Entwurfes », (Théories et pratiques de la conception architecturale et urbaine, TPCAU)
  • 2020 Estonian Academy of Arts Tallinn | Estland Workshop
  • 2019 École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville| Frankreich Workshop School of planning & architecture Dehli (SPA) + CEPT, Ahmedabad +ENSAPB
  • 2019 Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata| Argentinien Workshop
  • 2018 École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville| Frankreich Workshop School of planning & architecture Dehli (SPA) + CEPT, Ahmedabad +ENSAPB
  • 2018 Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata | Argentinien Workshop
  • 2017 Texas Tech University, Lubbock | Texas Gastkritiker
  • 2017 Estonian Academy of Arts Tallinn | Estland Workshop
  • 2016 Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata | Argentinien Workshop
  • 2015 Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata | Argentinien Gastkritiker
  • 2015 École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville | Frankreich Workshop Drei-Länder-Workshop : Shibaura IT (Japan) + Hanyang University (Korea) + ENSAPB
  • 2014 Shibaura Institute of Technology, Tokyo | Japan Workshop Drei-Länder-Workshop : Shibaura IT (Japan) + Hanyang University (Korea) + ENSAPB
  • 2013 Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata | Argentinien Etablierung eines Partnerschaftsabkommens zwischen der Facultad de Arquitectura y de Urbanismo de La Plata und der École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville
  • 2012 École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville | Frankreich Workshop Drei-Länder-Workshop : Shibaura IT (Japan) + Hanyang University (Korea) + ENSAPB
  • 2012 Escuela Técnica Superior de Arquitectura de Barcelona | Spanien Workshop, Gastkritiker
  • 2011 Shibaura Institute of Technology, Tokyo | Japan Workshop Drei-Länder-Workshop : Shibaura IT (Japan) + Hanyang University (Korea) + ENSAPB
  • 1996-03 Centre de formation de la chambre des professionnels du bois, Paris | Frankreich Lehre von elementarer und beschreibender Geometrie und deren konstruktiver Anwendung. Ausbildungswerkstätten der Handwerkskammer von Paris.

FORSCHUNGSARBEITEN

  • 2020 Urban logistics in India | Entwicklung eines Infrastrukturmodelles für indische Metropolen Entwicklung neuer Infrastrukturmodelle die es ermöglichen die komplexe Logistikkette indischer Grosstädte nach ökologischen, organisatorischen und wachstumspolitischen Kriterien zu optimieren. In Zusammenarbeit mit der School of Planning and Architecture, La Poste und Sogaris.
  • 2019 Architecture de la transformation | Sozialer Wohnungsbau und Flexibilität Entwicklung eines Konzeptes für flexiblen sozialen Wohnungsbau der eine Re-Programmierung des Baus am Ende des Lebenszyklus ermöglicht. Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen des Projektes « Architecture de la transformation » der « Caisse des dépôts et l’Union sociale pour l’habitat » entwickelt. In Zusammenarbeit mit Erilia und Urban Links.
  •  2019 Augmented Metro | Aufwertung urbaner Restflächen Die rasante Entwicklung aufgeständerte U-Bahn-Infrastrukturen in den indischen Metropolen schafft viele unausgelastete Resträume. Das Projekt schlägt eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten für diese Räume vor, wie zum Beispiel Aufladestationen für Elektrofahrzeuge oder Zufluchts- und Bildungsorte für obdachlose Minderjährige. In Zusammenarbeit mit Maharashtra Metro Rail Corporation Limited.
  • 2019 SUD – systems urbains dynamiques | Dynamik urbaner Systeme Forschung über urbane Entwicklungsstragien nach energetischen Kriterien. In Zusammenarbeit mit dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Institut français des sciences et technologies des transports, de l’aménagement et des reseaux (IFFSTAR), Energie demain und der l’Agence Nationale de la Recherche (ANR). 
  • 2018 Deep Data | Ein unterirdisches Datacenter Entwicklung eines extrem effizienten Data Centers das in leerstehenden Tuffsteinbergwerken installiert wurde um deren natürliche thermische Qualitäten energetisch positiv auszunutzen. In Zusammenarbeit mit Elioth, Critical building, Celeste und der Société Publique Régionale de l’Abbaye de Fontevraud.
  • 2016 WAH - work at home | Ein mobiler Arbeitsplatz Konzept eines minimalen und mobilen Arbeitsplatzes der neuen Arbeitsbedingungen und Methoden entgegenkommt.
  • 2015 StarDC® | Ein modulares Data Center | Internationales Patent Entwicklung eines minimalen, hoch effizienten Data Centers, das als ökologische Alternative zu den schnell veraltenden konventionellen Data Centers konzipiert ist. In Zusammenarbeit mit Critical building.
  • 2015 UPS | Unités de soins périphériques Entwicklung eines modularen Hospitalkonzeptes für schwer zugängliche ländliche Regionen West-, Zentral- und Ostafrikas. Das Projekt wird mit Fonds des französischen Wirschaftsministeriums aktuell entwickelt. In Zusammenarbeit mit Egis Bâtiments International, École supérieure d'ingénieurs des travaux de la construction von Caen und Eiffage Construction.
  • 2012 Archipel® | Ein technisch aktives Büromodul | Internationales Patent Konzeption eines modularen Bürotisches der es dem Benutzer ermöglicht sein klimatisches Umfeld individuell zu kontrollieren um das geläufige Prinzip einer zentral gesteuerten und gebäudeintegrierten Technik zu hinterfragen. In Zusammenarbeit mit Saphyr.
  • 2012 Ecocité Alzette Belval | Energie und Territorium Forschung über territoriale Entwicklungsstragien nach ökologischen und energetischen Kriterien. Die Studie wurde im Rahmen des staatlichen Forschungsprogramms « Le Grand Emprunt » erstellt.
  • 2010 Marylin® | Ein vertikales Data Center | Internationales Patent Entwicklung eines vertikalen Data Centers das integral nach dem « free-cooling » Prinzip funktionniert. Die Optimierung der Lüftungsprinzipien ermöglicht, verglichen mit einem konventionellen Rechenzentrum, eine Ersparnis von 35 % des elektrischen Konsums. In Zusammenarbeit mit Celeste.
  • 2009 Fondation bâtiment énergie | Ökoeffiziente Altersheime Erarbeitung methodologischer Richtlinien für die energetisch orientierte Umplanung und Instandsetzung von Pflegeinstitutionen für ältere Menschen. In Zusammenarbeit mit der Technologischen Universität von Compiègne (UTC), der Universität von Liège, der Universität von Concepción (Chile), dem Nationalen Syndikat für Pflegeinstitutionen älterer Menschen (SYNERPA) und Elioth.

PUBLIKATIONEN

  • 2018 Notre-Dame du Rosaire : Eglise et centre pastoral des Lilas, Editions Kliencksieck, Paris
  • 2017 Expériences pédagogiques, ENSA-PB Zeug, Paris
  • 2006 Le Corbusier 1950 - Urbanisme en Amérique du Sud – Bogota Échelle-1 & Fondation Le Corbusier, vol.10, Tokyo
  • 2005 Le Corbusier 1938 – Urbanisme en Amérique du Sud – Buenos Aires Échelle-1 & Fondation Le Corbusier, vol.7, Tokyo

LECTURES

  • 2018 El orden de los trazos Architektenkammer der Provinz von Buenos Aires | Argentinien
  • 2018 Enseñar Arquitectura Podiumsdiskussion, CAPBA, La Plata | Argentinien
  • 2017 Smart cities in India Chambre de Commerce et d'Industrie de Région, Paris | Frankreich
  • 2015 La ville en mutation Forum de la Ville durable, Abidjan | Elfenbeinküste
  • 2012 De la conception au chantier L’Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Energie (ADEME), mit Unterstützung des Fonds Européen de Développement Régional (FEDER), Evreux | Frankreich
  • 2011 ENIA Architectes, 6 fois 3 projets Escuela Técnica Superior de Arquitectura de Barcelona

AUSTELLUNGEN, AUSZEICHNUNGEN

  • 2018 Architizer A+Awards Besondere Auszeichnung für das Projekt Table Square
  • 2016 « Carlos Caceres Sobrea. Calma, lentitud y meditación frente a la materia, … » Die in Zusammenarbeit mit dem Museum für zeitgenössische, lateinamerikanische Kunst von La Plata (MACLA) realisierte Ausstellung war mit einem Workshop zum Thema “Kunst und Architektur” an der Fakultät für Architektur und Städtebau von La Plata verbunden | Argentinien
  • 2015 Biennale de l’École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris Belleville Paris | Frankreich
  • 2015 The new administrative center of Ho Chi Minh City Ho-Chi-Minh-Stadt | Vietnam
  • 2012 Preisträger des Programmes « J’agis pour la basse conso » Im Rahmen des Forschungs- und Experimentalprogrammes PREBAT (programme de recherche et d’expérimentation sur l’énergie dans le bâtiment).
  • 2012 Medaglia d’oro dell’architettura Nominierung für das Projekt der Kirche von Les Lilas.
  • 2011 ENIA Architectes, 6 fois 3 projets Escuela Técnica Superior de Arquitectura de Barcelona
  • 2009 Neubau der Potsdamer Synagoge Potsdam | Deutschland
  • 2000 Construire l’habitat unitaire Théâtre du familistère de Guise | Frankreich
  • 1995 Biombos Möbeldesign, Centro cultural Recoleta, Buenos Aires | Argentinien
  • 1990 Gestaltungswettbewerb Möbeldesign, Aachen | Deutschland
  • 1990 Die gute Form Möbeldesign, Köln | Deutschland

SPRACHEN

  • Französisch Fließend in Wort und Schrift
  • Deutsch Fließend in Wort und Schrift
  • Spanisch Fließend in Wort und Schrift
  • Englisch Fließend in Wort und Schrift

Entwerfen Lehren

PROZESSORIENTIERUNG

  • Architektur lehren heißt meines Erachtens die Fähigkeit zu vermitteln, reflexive Distanz zu eigenen Projekten zu schaffen. Nur das Vermögen der Analyse des eigenen Handelns ermöglicht es verinnerlichtes Handlungswissen in mitteilbares Wissen zu verwandeln. Die Frage des „Wie“ man entwirft erscheint mir essentieller, als die Frage „Was“ man entwirft.  Architektur lehren heißt ebenfalls, dem Lernenden ein genau umrissenes theoretisches Feld zu bieten, aus dem Urteilskriterien für eigenes Handeln entwickelt werden können. Es gilt dabei, das „anything goes“ der postmodernen Gesellschaft, in der individuelle und kurzzeitige Tendenzen zur Regel werden, zu überwinden.

INHALTE

  • Hinsichtlich der schier unendlichen Komplexität der Realität, die ein architektonisches Projekt zu ordnen sucht, muss der Lehrende das Möglichkeitsspektrum auf gezielte Projektparameter reduzieren um Entwurfsprozesse sichtbar und lernbar zu machen. Die Konstruktion eines pädagogischen Modells für den architektonischen Entwurf wirft somit zwei grundlegende Fragen auf : Welche Inhalte sollen dem Lernenden vermittelt werden und welche pädagogischen Strategien ermöglichen es, sie zu vermitteln? Es scheint trivial festzustellen, daß die Architekturlehre die Fähigkeit zu entwerfen entwickeln soll. Aber aus diesem Faktum folgen einige elementaren Zielstellungen: die Fähigkeit ein Raumprogramm funktionell zu interpretieren und es an einem realen Ort anzuwenden, das Vermögen Raum und Licht kunstvoll zu leiten, konstruktive Aspekte zu integrieren, ästhetische Sensibilität zu entwickeln und die grafischen und schriftlichen Werkzeuge des Entwerfens zu perfektionieren.

INTERDISZIPLINARITÄT

  • Aber all dies ist sicher nicht ausreichend. Ein guter Entwerfer muss seine Projekte kontinuierlich durch intellektuelle Disziplinen aus dem peripheren Bereich der Architektur reflektieren: Architektur- und Stadtbaugeschichte, Architekturtheorie, Landschaftsplanung, Technik, bildende Künste, Sozialwissenschaften, etc. Es geht darum, klar definierte Inhalte und
    theoretische Ansätze anzubieten, die in direktem Zusammenhang mit der Entwurfsfrage stehen, nicht um eine diffuse Interdisziplinarität. Die Kerndisziplin Architektur sollte dabei eine gewisse Autonomie bewahren, aber gleichzeitig
    Ihre Fähigkeit ausbauen in kooperativen Prozessen mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen zu arbeiten. Wesentlich ist dabei, daß sich über die Fachgrenzen hinweg ein Verständigungsprozess einstellt.  Man könnte in diesem Fall eher von Transdisziplinarität als Inter-disziplinarität sprechen und Anregungen in Fachbereichen suchen, die den Entwurfsprozess aus einer anderen Perspektive betrachten. So wäre es interessant sich an komplementären Disziplinen wie den bildenden Künsten zu orientieren. Diese betrachten Form- und Kompositionsprobleme aus einer zweckbefreiten Sichtweise und können durch eine gewisse Ebenenverschiebung und potentielle Schnittstellen eine andere Art des Denkens in den Entwurfsprozess einbringen.

GEBÄUDELEHRE vs. KRITISCHEANALYSE

  • Der kritischen Analyse beispielhafter Architektur und dessen bautypologischer Kriterien kommt eine besondere Stellung zu. Sie ist elementar für das Verständnis von Entwurfsprozessen. Lernende Architekten können sich mit ihrer Hilfe einen Weg zwischen theoretischen Modellen und neuen Fragestellungen bahnen. Der Lernprozess sollte sich in einer gewissen Linearität vollziehen: von elementaren zu komplexen Aufgabenstellungen, von kleinmaßstäblichen zu städtebaulichen Projekten. Ideal erscheint mir eine Progression, die sich innerhalb eines Projektes oder über die Dauer des gesamten Studiums, soweit es das
    pädagogische Konzept der Schule erlaubt, erstrecken kann. Pädagogische Ziele sollten demnach in einem Spannungsbogen schrittweise aufeinander aufgebaut werden. Das gilt auch für den architektonischen Entwurf, beziehungsweise die Fähigkeit des Lernenden, die immer komplexer werdenden Projektparameter in die Ausformulierung des architektonischen Konzeptes einzubringen.

FORSCHUNG

  • Die Legitimität eines Lehrmodells kann man an ihrer Fähigkeit messen, auf aktuelle Fragestellungen zu reagieren und Ansätze für Antworten zu formulieren. Wenn auch der jetzige Wissensstand eine conditio sine qua non für die Praxis des Architektonischen Projektes ist, muss die temporäre Validität der Lehrinhalte und der pädagogischen Prinzipien durch kontinuierliche Forschungsarbeit hinterfragt werden: Welcher architektonische Raum wird neuen kulturellen und umweltbezogenen Anforderungen gerecht? Wie kann die Verantwortlichkeit des Architekten im Hinblick auf die sich fortwährend erneuernden gesellschaftlichen Realitäten definiert werden? Was sind die architektonischen und technischen
    Möglichkeiten gegenüber neuen gesellschaftlichen Erwartungen und Aspekten? Kurzum, es scheint mir essentiell für die
    Lehrtätigkeit, Fragestellungen zu erarbeiten, die es dem lernenden Architekten ermöglichen, gesellschaftliche Implikationen des Entwerfens zu verstehen und durch seine Entwürfe sinnvoll Stellungen zu beziehen.

HERAUSFORDERUNGEN

  • Die wachsende Komplexität der Aufgabenfelder im Entwerfen und die sich kontinuierlich verändernde Welt stellt eine große
    Herausforderung für den Entwurf lehrenden Architekten dar. Er muss die Fähigkeit “die Welt als Ganzes zu denken” vermitteln um individuelles Handeln mit übergeordneten Zusammenhängen - seien sie technischer, kultureller oder gesellschaftlicher Art - in Beziehung zu setzen. Die fundamentale Frage der Bedeutung unseres Schaffens muss allgegenwärtig sein und so zur
    intellektuellen Grundhaltung des Entwerfenden beitragen. Ohne voreilige Schlussfolgerungen ziehen zu wollen möchte ich an dieser Stelle Walter Gropius zitieren, der anlässlich der Eröffnung der Hochschule für Gestaltung 1955 in Ulm sinngemäß sagte: Unsere Epoche ist von perfektionierten Werkzeugen und diffusen Zielvorstellungen gekennzeichnet. Die Schule hat die Aufgabe die Ersteren zu benutzen um die Zweiten zu korrigieren. Dies ist meines Erachtens auch mit einer historischen Distanz von nunmehr 65 Jahren noch von Relevanz. Die Aufgabe der Schule als Institution und die des Lehrenden als Individuum muss stets auf die Sinnfrage unserer architektonischen Praxis zurückgeführt werden.