Hannover Messe 2026: Eindrücke von der weltgrößten Industriemesse

Mitglieder des Labors für Nachhaltigkeitstechnik der Hochschule Bochum haben die Hannover Messe 2026 am 23. und 24. April in Hannover besucht. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto „Think Tech Forward" und brachte Industrie, Forschungseinrichtungen und Politik aus ganz Europa und darüber hinaus zusammen. Brasilien war das Partnerland der Messe und war vor allem in den Wasserstoffdiskussionen präsent, da das Land über eine breite Basis erneuerbarer Energien verfügt und im Rahmen des EU-Mercosur-Abkommens zunehmend als potenzieller Exporteur von grünem Wasserstoff in den Fokus rückt. 

Der Besuch konzentrierte sich auf den Bereich Energie und industrielle Infrastruktur und umfasste sowohl Konferenzsessions als auch Zeit auf dem Ausstellungsgelände. Ein durchgehend präsentes Thema an beiden Tagen war die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und digitaler Rückverfolgbarkeit. Themen wie der Digitale Produktpass, Batterielebenszyklusdaten, die Zertifizierung von grünem Wasserstoff und interoperable Produktionsstandards wiesen alle in dieselbe Richtung: Verlässliche digitale Informationen müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfügbar sein. Digitale Zwillinge begegneten uns dabei in nahezu jedem Bereich, von Energiesystemen und Batteriemanagement über Produktentwicklung bis hin zur Fertigung, was zeigt, wie zentral sie für die moderne Industriepraxis geworden sind. Die EU-Batterieverordnung und die Gesetzgebung zum Digitalen Produktpass machen dies bereits zu einer konkreten Anforderung für Industrie und Forschung. 

Beim Thema Wasserstoff hat sich die Diskussion spürbar weiterentwickelt. Es geht nicht mehr darum, ob die Technologie funktioniert, sondern darum, wie sie kosteneffizient, zertifizierbar und in der Breite umsetzbar gemacht werden kann. Sessions zu zertifiziertem grünen Wasserstoff, KI-gestützter Anlagenoptimierung und Fortschritten in der Brennstoffzellentechnologie vermittelten ein realistisches Bild des aktuellen Stands und der nächsten Schritte. 

Auch das Thema Batteriekreislaufwirtschaft war deutlich präsent. Cylib, ein Spin-off der RWTH Aachen, war dabei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie EU-geförderte Forschung den Weg in die industrielle Anwendung finden kann. Das Unternehmen gewinnt kritische Rohstoffe wie Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan mit hoher Effizienz aus gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien zurück. Ihre Anlage im CHEMPARK Dormagen in NRW soll ab 2027 in Betrieb gehen und ist ein klares Zeichen dafür, dass Batterierecycling in Europa den Pilotmaßstab hinter sich lässt. 

Lateinamerika wurde auf der Messe als wachsendes Kooperationsfeld für grünen Wasserstoff hervorgehoben. Das erneuerbare Energiepotenzial Brasiliens und die dort bereits laufenden Projekte zogen erhebliche Aufmerksamkeit auf sich und eröffnen konkrete Möglichkeiten für internationale Partnerschaften.

Der Besuch ermöglichte wertvolle Kontakte mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus den Bereichen Wasserstoff, Brennstoffzellen, Batteriekreislaufwirtschaft und dezentrale Energiesysteme und half dabei, Richtungen zu identifizieren, die für die zukünftige Forschungs- und Projektentwicklung des Labors vielversprechend erscheinen.