BACKCamPAIN – Promotionsprojekt zur Aufklärung über Rückenschmerzen

Hintergrund des Promotionsprojekts „BACKCamPAIN“

Rückenschmerzen sind ein weltweit verbreitetes1 und kostenintensives2 Gesundheitsproblem. Sie gelten als typisches Beispiel zur Erklärung des sogenannten biopsychosozialen Modells3, das beschreibt, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren miteinander interagieren und die Gesundheit beeinflussen4. Daher sollte auch der Umgang mit Rückenschmerzen – bei der Diagnose, der Behandlung und im Alltag – alle drei Ebenen berücksichtigen. Die deutsche Leitlinie nicht-spezifischer Kreuzschmerz5 empfiehlt daher, für Kreuzschmerzen, bei denen eine zugrundeliegende biologische Pathologie ausgeschlossen wurde, ein konservatives Vorgehen: aktive Maßnahmen, Aufklärung und die Förderung und Vermittlung von Selbstmanagementstrategien sollen hierbei im Vordergrund stehen5.

Trotz weitreichender Forschungen auf diesem Gebiet, halten viele Menschen weiterhin an negativ geprägten Ansichten und Überzeugungen über Rückenschmerzen fest. Häufig beruhen diese Ansichten auf überholten, biomechanischen Erklärungen und sind widersprüchlich zur aktuellen wissenschaftlichen Evidenz.  Solche negativ geprägten Ansichten können das Vertrauen in den eigenen Körper – auch Selbstwirksamkeit genannt – reduzieren und so den weiteren Verlauf der Rückenschmerzen negativ beeinflussen17. Weiterhin ist problematisch, dass – neben Faktoren wie z.B. dem persönlichen sozialen Umfeld – auch Fachpersonen im Gesundheitswesen durchaus nicht frei von solchen Überzeugungen sind 5, 11, 18. Dies kann dazu führen, dass nicht evidenzbasierte und häufig nicht empfohlene Therapien Anwendung finden und aufklärende Maßnahmen eher auf Widerstand stoßen17, 19

Entsprechend des biopsychosozialen Modells kann eine Veränderung dieser negativen Ansichten und Überzeugungen zu verbesserten Outcomes, wie beispielsweise reduzierter Schmerzintensität, beitragen20, 21. Internationale Beispiele zeigen, dass gezielte Informationskampagnen – z.B. Medienkampagnen – hilfreich sein können, um rückenschmerzbezogene Fehlannahmen zu reduzieren22

In Deutschland existiert bisher kein vergleichbares Programm. Bisher ist unklar, welche Ansichten und Überzeugungen in der deutschen Bevölkerung vorherrschen und woher die Menschen ihre Informationen nehmen.

Ziele des Promotionsprojekts „BACKCamPAIN“

Als übergeordnetes Ziel möchten wir mit BACKCamPAIN einen Beitrag dazu leisten, wissenschaftlich fundiertes Wissen über Rückenschmerzen verständlich und leicht zugänglich zu machen – für eine besser informierte Bevölkerung und eine verbesserte Versorgung.  

Es gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Studien:

Studie 1: explorative Online-Umfrage mit Mixed-Methods Ansatz

Erhebung von aktuell in der deutschen Bevölkerung vorherrschenden Ansichten und Überzeugungen zu Rückenschmerzen sowie den Quellen der zugrundeliegenden Informationen durch eine Online Umfrage. Diese Umfrage wurde Ende 2025 abgeschlossen und befindet sich aktuell in der Auswertung.

Studie 2: Entwicklung einer zielgerichteten Aufklärungsveranstaltung im Rahmen einer qualitativen Fokusgruppenstudie

Basierend auf den Ergebnissen der Online-Umfrage aus Studie 1 wird gemeinsam mit Vertreter*innen der Zielgruppe im Rahmen von zwei Fokusgruppen ein Informationsangebot entwickelt. Diese sind für 2026 geplant. Weitere Informationen zur Teilnahme werden veröffentlicht, sobald die Rekrutierung startet (voraussichtlich Sommer 2026). Bei Interesse wenden Sie sich gerne jederzeit per Mail an Deborah Jost.

Studie 3: Pilotierung der entwickelten Intervention

Die Machbarkeit und Wirksamkeit der entwickelten Aufklärungsveranstaltung wir in einer Pilotstudie getestet. 

Wer darf an der Studie teilnehmen?

An den einzelnen Teilstudien dürfen grundsätzlich alle volljährigen Personen teilnehmen, unabhängig davon, ob sie bereits aktuelle oder zurückliegende Erfahrungen mit Rückenschmerzen haben oder nicht. 

 

Haben wir Ihr Interesse geweckt? 

An dieser Stelle werden wir Sie darüber informieren, sobald wir für eine weitere Teilstudie des Projekts Teilnehmer*innen rekrutieren. 

Kontakt

Deborah Jost
Deborah Jost
Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Raum: S-1102

Projektbeteiligte

Deborah Jost
Doktorandin
Deborah Jost
Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Studienbereich Physiotherapie
Raum: S-1102
Katja Ehrenbrusthoff
Projektleitung
Prof. Dr. Katja Ehrenbrusthoff
Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Studienbereich Physiotherapie Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Daniel Belavy
Projektleitung
Prof. Dr. Daniel Belavy
Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Studienbereich Physiotherapie
Renate Schramek
Prof. Dr. habil. Renate Schramek
Fachbereich Gesundheitswissenschaften
Professorin für Bildung und lebenslanges Lernen
Ruth Meise
Dr. Ruth Meise
Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften
Projekt „PREDICT“

Externer Projektbeteiligter:

  • Prof. Dr. Cormac Ryan (Teesside University, Middlesbrough, Great Britain)
Literatur

[1] Ferreira, M. L. et al. Global, regional, and national burden of low back pain, 1990–2020, its attributable risk factors, and projections to 2050: a systematic analysis of the Global Burden of Disease Study 2021. The Lancet Rheumatology5, e316–e329 (2023).

[2] Ossendorf, A. Krankheitskostenanalyse bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. ZBW – Leibniz Information Centre for Economics, Kiel, Hamburg.

[3] Knezevic, N. N., Candido, K. D., Vlaeyen, J. W. S., Van Zundert, J. & Cohen, S. P. Low back pain. The Lancet398, 78–92 (2021).

[4] Engel, G. L. The need for a new medical model: a challenge for biomedicine. Science196, 129–136 (1977).

[5] Arzneimittelkommission Der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) et al.Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. (Bundesärztekammer (BÄK); Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV); Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2017). doi:10.6101/AZQ/000353.

[6] Leysen, M. et al. Attitudes and beliefs on low back pain in physical therapy education: A cross-sectional study. Brazilian Journal of Physical Therapy25, 319–328 (2021).

[7] Wirth, B. & Schweinhardt, P. Personalized assessment and management of non-specific low back pain. European Journal of Pain28, 181–198 (2024).

[8] Kiel, S., Raus, C., Sierocinski, E., Knauthe, P. & Chenot, J.-F. Concordance of patient beliefs and expectations regarding the management of low back pain with guideline recommendations – a cross-sectional study in Germany. BMC Fam Pract21, 275 (2020).

[9] Taylor, S. & Bishop, A. Patient and public beliefs about the role of imaging in the management of non-specific low back pain: a scoping review. Physiotherapy107, 224–233 (2020).

[10] Diniz, L. M. et al. Beliefs regarding the use of imaging among patients with low back pain: A cross-sectional study in the context of a middle-income country. PM&R17, 178–186 (2025).

[11] Sharma, S. et al. Clinician and patient beliefs about diagnostic imaging for low back pain: a systematic qualitative evidence synthesis. BMJ Open10, e037820 (2020).

[12] Jenkins, H. j., Hancock, M. j., Maher, C. g., French, S. d. & Magnussen, J. s. Understanding patient beliefs regarding the use of imaging in the management of low back pain. European Journal of Pain20, 573–580 (2016).

[13] Natoli, A. R., Jones, M. D., Walker, E. D. & Gibbs, M. T. “I could 100% see myself getting hurt if I did it wrong”: a qualitative exploration of exercise perceptions in people with chronic low back pain. Disability and Rehabilitation47, 2760–2769 (2025).

[14] Krug, R. C. et al. An investigation of implicit bias about bending and lifting. Scandinavian Journal of Pain22, 336–347 (2022).

[15] Kiel, S., Raus, C., Sierocinski, E., Knauthe, P. & Chenot, J.-F. Concordance of patient beliefs and expectations regarding the management of low back pain with guideline recommendations – a cross-sectional study in Germany. BMC Family Practice21, 275 (2020).

[16]      Darlow, B. et al. Easy to Harm, Hard to Heal: Patient Views About the Back. Spine40, 842 (2015).

[17] Main, C. J., Foster, N. & Buchbinder, R. How important are back pain beliefs and expectations for satisfactory recovery from back pain? Best Practice & Research Clinical Rheumatology24, 205–217 (2010).

[18] Bahns, C., Happe, L., Thiel, C. & Kopkow, C. Physical therapy for patients with low back pain in Germany: a survey of current practice. BMC Musculoskeletal Disorders22, 563 (2021).

[19] Gardner, T. et al. Physiotherapists’ beliefs and attitudes influence clinical practice in chronic low back pain: a systematic review of quantitative and qualitative studies. Journal of Physiotherapy63, 132–143 (2017).

[20] Walsh, D. A. & Radcliffe, J. C. Pain beliefs and perceived physical disability of patients with chronic low back pain. Pain97, 23–31 (2002).

[21] Martinez-Calderon, J., Struyf, F., Meeus, M. & Luque-Suarez, A. The association between pain beliefs and pain intensity and/or disability in people with shoulder pain: A systematic review. Musculoskeletal Science and Practice37, 29–57 (2018).

[22] Suman, A. et al. A systematic review of the effectiveness of mass media campaigns for the management of low back pain. Disability and Rehabilitation43, 3523–3551 (2021).


Projektdetails

Projektlaufzeit:Bis ca. 2028
Projektleiter*in:

Prof Daniel Belavy (Hochschule Bochum, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften, Studienbereich Physiotherapie)

Prof. Dr. Katja Ehrenbrusthoff (Hochschule Bochum, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften, Studienbereich Physiotherapie)

Ansprechpartner*in:Deborah Jost
Kooperationspartner*innen:Deborah Jost (Hochschule Bochum, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften, Studienbereich Physiotherapie)
 Prof.In Dr.In habil. Renate Schramek (Hochschule Bochum, Fachbereich Gesundheitswissenschaften)
 Prof. Dr. Cormac Ryan (Teesside University, Middlesbrough, Great Britain)
Forschungsschwerpunkt:Versorgungsforschung