Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

Das Virtuelle Institut: "Teilprojekt Mentalitäten und Verhaltensmuster"

Laufzeit des Projektes: 2015 - 2017

Die Energiewende stellt Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen vor große technologische, ökonomische, soziale und kulturelle Herausforderungen. Technologisch ist vor allem die Systemintegration erneuerbarer Energien bei zeitgleicher Gewährleistung hoher Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität eine der zentralen Aufgaben. Weitere Anforderungen der angestrebten Transformation des Energiesystems umfassen die Kompatibilität regenerativer Energieträger, Fragen der Investitionssicherheit und Wirtschaftlichkeit (inkl. Wettbewerbsfähigkeit und Sozialverträglichkeit), die Notwendigkeit zur Überwindung der natürlichen Beharrungskräfte lang etablierter Systeme, die Schaffung von gesellschaftlicher Akzeptanz für die Umsetzung des Veränderungsprozesses, die Gestaltung eines integrativen Politikansatzes im Mehrebenensystem, Fragen der Partizipation und Teilhabe sowie eine Erweiterung des Innovationsverständnisses hin zu Systeminnovationen.

Hintergrund

Gerade für NRW als größtem und wichtigstem Energie- und Industriestandort Deutschlands offenbaren sich diese Herausforderungen in besonderer Stärke. NRW zeichnet sich durch eine deutlich industriell geprägte Geschichte und eine hohe Konzentration von Betrieben der energieintensiven Branchen aus. Gleichzeitig deckt es durch seine innere räumliche Differenzierung aber auch die gesamte Wertschöpfungskette für eine Vielzahl von Produkten ab. Soziodemographisch findet sich in NRW europaweit die größte Bevölkerungsagglomeration, eine hohe Bevölkerungsdichte und eine umfassende Heterogenität der Gesellschaft. Zugleich ist NRW ein exzellentes Forschungsland mit einer sehr hohen Dichte an Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Der nachhaltige Umbau der Energiesystems in NRW soll zukünftig - gefördert vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung - durch ein Virtuelles Institut Transformation Energiewende NRW wissenschaftlich unterstützt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten, komplementär zu den umfangreichen nationalen und internationalen Forschungsbemühungen in technologischer Hinsicht, auf den sozio-ökonomischen Implikationen der Energiewende unter Berücksichtigung der spezifischen nordrhein-westfälischen Rahmenbedingungen.


Über das Virtuelle Institut

Das Virtuelle Institut "Transformation Energiewende NRW" ist ein Verbund von derzeit neun universitärer, nicht-universitärer und Hochschulpartner, die inter- und transdisziplinär die Energiewende in Nordrhein-Westfalen erforschen. Dem Phänomen Energiewende nähern sich die Partner aus sozial- politik- kultur- sowie wirtschaftswissenschaftlicher Perpektive. Die Projekte sind in in drei Clustern organisiert:

  • Mentalitäten und Verhaltensmuster im Kontext der Energiewende in NRW
  • Governance und Partizipation: Energiewende.NRW – Bürger gestalten den Umbau des Energiesystems
  • Transformation Industrieller Infrastrukturen

Das Integrative Institut Nachhaltige Entwicklung ist über das Lehr- und Forschungslabor Nachhaltige Entwicklung (LaNE, Prof. Dr. Petra Schweizer-Ries) im Projekt Mentalitäten und Verhaltensmuster vertreten. Dabei liegt der Fokus der Arbeit auf der Planung, Durchführung und Auswertung von Bürgerwerkstätten als Partizipationsprojekte in spezifischen kommunalen Kontexten und wir arbeiten dabei eng mit dem Projektpartner Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) zusammen.

Die Koordination des Virtuellen Instituts wird vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie unter der Leitung von Prof. Manfred Fischedick gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen unter der Leitung von Prof. Claus Leggewie übernommen. Weitere Projektpartner sind die RWTH Aachen, das Forschungszentrum Jülich, das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, die Forschungsstelle Bürgerbeteiligung der Bergischen Universität Wuppertal, die Sozialforschungsstelle Dortmund und das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln.


Bürgerwerkstatt in Bochum
Illustration auf Grundlage der von den Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Sätze zur Zukunftsvision, Grafikerin: Ina Lohner

Bei sonnigem Wetter ca. 35 Bürgerinnen und Bürger aus Bochum und angrenzenden Kommunen in der IUZ-Sternwarte Bochum zusammen, um gemeinsam eine Bürgervision zur Energiewende zu erarbeiten sowie um mögliche Maßnahmenvorschläge zu ergänzen. Moderiert von Dr. Steven Engler (KWI, zudem Koordinator des Virtuellen Institus) und dem wissenschaftlichen Team vom Lehr- & Forschungslabor Nachhaltige Entwicklung sowie vom KWI Essen wurde in mehreren Kleingruppen zu folgenden Fragen diskutiert:

"Stellen Sie sich vor es ist das Jahr 2030..."

  • Wie wollen in Zukunft wohnen?
  • Wie wollen wir arbeiten und Freizeit verbringen?
  • Wie wollen wir mobil sein?
  • Wie wird sich NRW verändert haben?

Die Ergebnisse wurden dann wiederum ausgetauscht, im Plenum diskutiert und darüber abgestimmt. Im Anschluss wurden die abgestimmten Sätze vom Team der Bürgerwerkstatt zu einer Vision ausformuliert und von einer Grafikerin visualisiert.

Am Nachmittag kamen außerdem einige Ideen zusammen, mit welchen Projekten man diese Fragestellungen vor Ort voranbringen könnte. Dabei bildeten Vorschläge zur Gestaltung der Mobilität sowie zur Vernetzung des bürgerschaftlichen Engagements die Schwerpunkte.

Ein Bericht zu den Ergebnissen der Bürgerwerkstatt kann unten heruntergeladen werden.

Link zum Download der Ergebnisse

Die Bürgerwerkstatt wurde eröffnet durch eine Ansprache von Bürgermeisterin Gabriela Schäfer und einen anschließenden Vortrag von Philipp Schuster, Klimaschutzmanger der Stadt Bochum, der auch am dann folgenden Diskussionsprozess der Bürgerwerkstatt teilnahm.


Bürgerwerkstatt in Essen

Nordrhein-Westfalen war und ist Energieland. Trotz Strukturwandel gibt es nach wie vor viel Industrie und hier leben die meisten Menschen in Deutschland. Daher spielt NRW eine besondere Rolle, wenn es um den Wandel hin zu neuen Formen der Energieversorgung, das Erreichen von Klimaschutzzielen oder die Weichenstellung für eine lebenswerte Zukunft für alle geht.

Die Energiewende ist in Nordrhein-Westfalen bereits in vollem Gange. Allerdings gibt es viele Menschen, die das Gefühl haben, dass diese Entwicklung an ihnen vorbeigeht. Manche halten Energiepolitik ohnehin für ein Thema für Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Viele wünschen sich aber auch mehr Mitsprache.

Am Samstag, den 28. Januar 2017, kamen deshalb in der Bürgerwerkstatt „Energieland NRW – Ihre Vision für 2030“ die Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Das Ziel: Eine gemeinsame Vorstellung davon entwickeln, wie eine „Wunschwende“ aussehen kann, hinter der alle stehen können. Ausgehend von der Idee, dass die Energiewende nicht von Fachleuten allein gestaltet werden kann, sondern die Expertise der Bevölkerung braucht, steht das Wissen der Teilnehmenden im Zentrum des Workshops. Aus ihrem Blickwinkel und mit ihren Erfahrungen wird eine Vision von NRW im Jahr 2030 entwickelt. Wie wollen wir mit der Energiewende arbeiten, wohnen, mobil sein oder unsere Freizeit verbringen? Darüber hinaus können erste Ideen erdacht werden, wie die nächsten Schritte auf dem Weg zu dieser Vision vor Ort gegangen werden können.