Viele Persönlichkeiten. Zwei Standorte. Eine BO.

European Solar Challenge 2014

Sieben Teams hatten sich zur Europameisterschaft der Solarfahrzeuge auf dem "Circuit Zolder" in Belgien angemeldet.  Am 11. und 12. Oktober 2014 wurde in diversen Disziplinen ermittelt, wer sich Europameister nennen darf.

Unsere beiden Fahrzeuge, der SunCruiser und Weltumrunder SolarWorld GT, errangen einen Doppelsieg!

9. Oktober 2014: Sturm vor der Ruhe

Ohrenbetäubend schreit der Auspuff des McLaren-Sportwagens, ein heiseres Bellen, dann schießt er durch die Schikane des Circuit Zolder. Noch ist die Strecke in Belgien, die am Samstag und Sonntag nur von elektrisch betriebenen Gefährten befahren wird, für Verbrenner freigegeben. 10 Sportwagen fahren diverse Testrunden und auch in den Augen von so manchem ökologisch korrekt orientiertem Solarcar-Fahrer  ist ein Glänzen zu sehen, wenn die PS-Boliden die Zielgerade entlang fliegen.

Bisher sind 5 Sonnenwagen vor Ort, darunter der SunCruiser und der SolarWorld GT aus Bochum. Neben den Deutschen steht das Schweitzer Team, der Wagen glänzt in strahlendem Weiß, geschraubt werden muss hier wohl nicht mehr. Ganz anders beim türkischen Team, hier kommen noch diverse offene Kabelenden aus dem Fahrzeug, die offensichtlich noch an geklemmt werden müssen. Die Rote Maschine aus Belgien dagegen schimmert Ferrari-like, sogar für eine Politur war hier noch Zeit.

Für die Aktiven startet die Europameisterschaft der Sonnenwagen heute Abend mit der offiziellen Begrüßung und einem gemeinsamen Barbecue. Unter den Ehrengästen sicher der mit der weitesten Anreise: Chris Selwood, der Chef der World Solar Challenge, ist extra aus Australien angereist!


10. Oktober 2014: Sonne über Zolder

Die Himmel meint es gut mit der Europameisterschaft der Sonnenwagen. Die Strecke glänzt noch feucht, aber zum Training ab 9 Uhr beginnen die Sonnenstrahlen, den Asphalt zu trocknen. Zwei bis drei Teams dürfen jeweils für eine Stunde auf die Bahn, vorsichtig tasten sich die Fahrer an die optimale  Kurvenlinie heran, die nasse Fahrbahnoberfläche macht es nicht leicht, mit den schmalen Solarcar-Reifen die richtige Geschwindigkeit zu finden.

Die Veranstalter haben das Rennprogramm noch etwas an die Gegebenheiten angepasst. Die zunächst für Freitagabend geplante Qualifikation mit einer schnellen Runde auf dem Circuit fällt aus, weil die Ausleuchtung der Strecke nach Ansicht der Sicherheitsverantwortlichen nicht ausreicht, um wirklich jede Kurve problemlos passieren zu können. Stattdessen werden die neun Stunden von Zolder noch spannender, denn hier kann man nun zusätzliche Punkte machen mit der schnellsten Runde, die man während der gesamten Zeit fährt. Die schnelle Strecke ist aber energetisch anspruchsvoll und kostet Runden bei der Gesamtwertung, wenn man sie zu oft verbessern will. Eine echte Zusatzherausforderung für die Strategen in den Teams!

Ab Mittag beginnen die technischen Abnahmen des Veranstalters. Als Prüfer trifft man hier vorwiegend ehemalige Solarcar-Teammitglieder aus Bochum, die vor einigen Jahren noch in Bochum studiert haben, jetzt in Lohn und Brot stehen und sich extra dieses Wochenende Zeit genommen haben, um noch einmal dabei zu sein und natürlich auch die alten Geschichten aus Australien wieder aufzuwärmen. Frei nach dem Motto: Weißt Du noch, als…

Die beiden deutschen Fahrzeuge kommen problemlos durch die Prüfung, Schwierigkeiten hat das belgische Team. Eine Bremsung von 50 km/h aus auf dem rauen Straßenbelag wollen sie ihrem Fahrzeug nicht zumuten und der Sitzwinkel, der einen aufrecht sitzenden Fahrer nachweisen soll, stimmt auch nicht ganz.

Die freigewordene Zeit am Abend dürfen die Teams für Testrunden nutzen,  um letzte Abstimmungen am Solarcar vorzunehmen. Morgen ab 9 Uhr geht es auf die Piste. Dann muss alles stimmen, wenn die Europameisterschaft erreicht werden soll.


11. Oktober 2014: Burn out
Test
Test2

Punkt 19 Uhr fährt der SunCruiser über die Ziellinie. 109 Runden stehen am Ende des Tages auf dem Tacho. Das bedeutet mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den Sieg bei den "9 Stunden von Zolder". Noch tagt aber die Rennkommission, um alle Strafen zu vergeben, die man z.B. für Stehen bleiben auf der Strecke oder riskantes Überholen bekommt. Hier schlagen beim "Sunny" die beiden Dreher mit anschließendem Stillstand zu Buche.

Für die letzten Runden hat es sich der Vater des SolarCar-Projektes und Professor für Elektromobilität, Friedbert Pautzke, nicht nehmen lassen, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Er steigt aus und feiert mit, sichtlich stolz auf seine Studenten. Das traditionelle "Burn out" beider deutscher Sonnenwagen sorgt für ordentlich Rauch in der Boxengasse.

Wer Europameister wird, entscheidet sich aber erst am Sonntag. Ein Sprintrennen und die Auswertung der Teamvorträge bilden den Abschluss der Gesamtwertung. Ab 13 Uhr ist mit der Siegerehrung zu rechnen.


12. Oktober 2014: Sieger im Sonnenschein

Letzter Tag der European Solar Challenge, die Bochumer fiebern dem Sprintwettbewerb entgegen, denn hier wird entschieden, wer Europameister wird. 65 Punkte aus Langstreckenwertung und schneller Runde hat der SunCruiser schon und liegt damit an der Spitze, gefolgt von den Schweizern mit 45 Zählern und dem SolarWorld GT mit 40 Punkten. Maximal 35 weitere Punkte werden noch vergeben für die Teamvorträge und das Kurzstreckenrennen im k.o.-System. Wenn der blaue Renner also nur noch wenig Punkte macht, könnte es auch für die Schweizer reichen.

Der Sprint führt über eine ca. 300 Meter lange Strecke, auf der Hälfte muss eine enge Schikane durchfahren werden. Dabei werden Teams ausgelost, die gegeneinander antreten. Man fährt zwar nicht gleichzeitig auf der Strecke, aber die jeweils schlechtere Zeit führt zum ko, also zum Ausschluss aus dem Wettbewerb. Die beiden deutschen Solarracer liegen mit Zeiten von unter 40 Sekunden klar vor der Konkurrenz, aber das Los lässt sie schon im Halbfinale gegeneinander antreten. Hier zeigt sich die Erfahrung der alten Hasen am Steuer des GT, der nochmal knapp 3 Sekunden schneller über die Strecke schießt als der SunCruiser. Am Ende Platz 1 für den GT, dann folgt das Team Solaris und auf dem dritten Platz in diesem Wettbewerb der Sun Cruiser.

Das bringt 20 Punkte für den gelben Bochumer und 10 für den blauen. Zusammen mit den Wertungen aus dem Vortragswettbewerb erreicht der SunCruiser 81 Punkte und gewinnt mit deutlichem Vorsprung vor dem SolarWorld GT mit 62 Punkten und dem Solar Energy Racer aus der Schweiz, 49 Punkte, die Europameisterschaft der Sonnenwagen 2014.

Zwei letzte Runden drehen alle Solarcars, geführt vom Safetycar und gefolgt von allerlei zwei- und vierrädrigem Elektromobilen, über die Rennstrecke von Zolder, dann geht es zur Siegerehrung. Die Bochumer bringen mit ihrem Jubel die Bühne zum Beben, als die Preise überreicht werden. Das Preisgeld wird dringend gebraucht, denn die Bauarbeiten für den neuen Spross der einzigen deutschen SolarCar-Manufaktur haben schon begonnen.


Vorbereitung der Teams auf dem Cicuit Zolder

Eröffnung

SolarCar auf der ESC2014 - SunCruiser Zolder Short Track

European Solar Challenge 2014, Zolder, Belgium

Fotos vom 09.10.14

Fotos vom 10.10.14

Fotos vom 11.10.14

Fotos vom 12.10.14