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Netzwerk Building Information Modeling Mittleres Ruhrgebiet (BIM.Ruhr) -

Bestandsmodelle und ihre Qualitätsbeschreibung im Kontext kommunaler BIM-Prozesse


Einleitung & Motivation

Das Baugewerbe steht aktuell vor einem erhöhten Innovationsdruck. Zentrale Herausforderungen, wie die Umsetzung von neuen baurechtlichen Vorschriften sowie die Koordinierung von neuartigen Vorhaben werden durch übergeordnete Fragestellung, wie  der Verknappung von Wohnraum und die gestiegene Bedeutung von Nachhaltigkeit vom Baugewerbe, weiter verstärkt. Gleichzeitig entstehen durch den technologischen Fortschritt im Allgemeinen sowie die Digitalisierung im Besonderen Chancen, das Baugewerbe zu einem innovativen und nachhaltigen Sektor weiterzuentwickeln. Die Herausforderungen und Chancen stellen sich insbesondere auch in der Metropole Ruhr sowie im Mittleren Ruhrgebiet um Bochum, Herne und den Kreis Recklinghausen. Hier sorgen der Strukturwandel sowie die urbane Regionalstruktur zudem für einen erhöhten Innovationsdruck und die Notwendigkeit, nachhaltige Lösungen zu finden. Die stärkste Herausforderung ist hier der Sanierungsstau in der Region. Einige Schäden sind bereits nicht mehr zu beheben, sodass Abriss und Neubau notwendig werden. Die Region steht daher in den kommenden Jahren vor der großen Schwierigkeit, kommunale Gebäude, Bauwerke und Infrastruktureinrichtungen so wirtschaftlich und effizient wie möglich hinsichtlich ihres Sanierungsbedarfs zu bewerten, zu sanieren, abzureißen oder ggf. neu aufzubauen.

Die Einführung der BIM-Methode bietet große Chancen, die anstehenden Sanierungsaufgaben effizienter und nachhaltiger umsetzen zu können.

Daher wird dieses Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Insbesondere für die Sanierung von Bestandsbauwerken, für deren Abriss und Ersatzneubau steigt durch die BIM-Methode der Bedarf, Bestandsdaten dreidimensional zu erfassen und zu modellieren. Die Anforderungen an die Datenerfassung hinsichtlich wichtiger Kriterien wie Vollständigkeit, Detaillierungstiefe, Informationsgehalt und Richtigkeit sowie die Einbeziehung heterogen vorliegender Bestandsunterlagen sind derzeit nicht standardisiert, was oftmals zu einer ungeklärten Erwartungshaltung bei den Projektbeteiligten und damit zu Verzögerungen und Mehrkosten führt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft den wesentlichen Charakter der BIM-Methode, wonach das Gesamtmodell (der digitale Zwilling) Träger aller relevanten Projektinformationen ist. Im BIM-Prozess werden regelmäßig die Fachmodelle der beteiligten Gewerke im Gesamtmodell zusammengeführt und auf mögliche Kollisionen hin überprüft. Für deren Beurteilung und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen ist die Kenntnis über die Qualität und die Herkunft der Bestandsdaten von eminenter Bedeutung. Insbesondere bei Sanierungsmaßnahmen ist die Bestandsdokumentation ein wesentlicher Aspekt des BIM-Prozesses. Das Bestandsmodell muss hinreichend vollständig, mit einer ausreichenden Informationstiefe und Richtigkeit erstellt werden, um daraus die erforderlichen Baumaßnahmen ableiten und planen zu können. Die Formulierung der genannten Anforderungen an das Bestandsmodell und die Integration der geodätischen Aspekte in den gesamten BIM-Prozess erfolgen dabei in Kooperation mit der Prozesssteuerung, dem Auftraggeber und den ausführenden Gewerken.

Es ergeben sich folgende Forschungsschwerpunkte:

  • Erstellung von BIM-Bestandsmodellen auf Basis von Messungen und heterogenen Bestandsdaten
  • Ableitung und Beschreibung relevanter Metadaten hinsichtlich Qualität und Herkunft der Daten und ihre Integration in das Bestandsmodell

Projektziele

Neben dem operationellen Ziel, Leitfäden und Handlungsanweisungen zu entwickeln, sind ebenso die übergeordneten Ziele des Gesamtvorhabens die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Baubranche zu stärken, Wissen aus den Hochschulen in die Praxis zu transferieren, die kommunalen Verwaltungen einzubeziehen und schlussendlich überregional sichtbare Best-Practice-Ergebnisse zu generieren.

Für die Erreichung dieser Ziele wird das Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Kreis Recklinghausen und der Universität Duisburg-Essen durchgeführt. Zusätzlich sollen kleine und mittelständische Unternehmen der Region einbezogen werden.

Nachhaltig & zukunftsorientiert

Das Projekt leistet sowohl inhaltlich als auch strukturell einen Beitrag zur nachhaltigen und zukunftsorientierten Standortentwicklung der Teilregion sowie im weiteren Verlauf auch der gesamten Metropole Ruhr. Inhaltlich wird durch die Umsetzung von BIM die Vorrausetzung für ein nachhaltigeres Bauwesen geschaffen. Sowohl die digitale Planung des Bauwesens selbst als auch die aus BIM erwachsenen Möglichkeiten hinsichtlich Sanierungen, Ressourcenverwendung (u.a. im Bereich Urban Mining) und Mitteleinsatz werden für eine erhöhte nachhaltige Ressourceneffizienz sorgen. Durch diese inhaltliche Exzellenz steigt auf struktureller Ebene auch die praktische Effizienz im Bausektor nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die Kompetenz und Effizienz in Fragen der Ver- und Entsorgung sowie des Klimaschutzes. Hierdurch, wie durch die Sicherung von Arbeitsplätzen in den Leitmärkten Urbanes Bauen / Wohnen und Ressourceneffizienz, leistet das Projekt auch einen Beitrag zur ökonomischen Komponente nachhaltiger Entwicklung.

Darüber hinaus ermöglicht es BIM, zeit- und kosteneffizienter öffentliche Bauplanvorhaben umzusetzen, wodurch auch unter anderem vorrangig Wohnraum für sozial benachteiligte Personen und damit ein Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit der Region geschaffen werden kann.

Förderzeitraum

15.07.2020 - 31.12.2022

Förderprogramm

Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.